Stadt will Nachbarschaftshilfe in Quartieren fördern

Bern

Damit ältere Menschen möglichst lange zuhause in ihrer vertrauten Umgebung leben können, lanciert die Stadt Bern ein Projekt zur Stärkung der Nachbarschaftshilfe.

Sozialdirektorin Franziska Teuscher will einsatzwillige, fitte Seniorinnen und Senioren für die Nachbarschaftshilfe gewinnen. (Archivbild)

Sozialdirektorin Franziska Teuscher will einsatzwillige, fitte Seniorinnen und Senioren für die Nachbarschaftshilfe gewinnen. (Archivbild)

Ältere Menschen möchten heute meist so lang wie möglich in ihren vier Wänden und der vertrauten Umgebung leben. Um diesem Bedürfnis so gut wie möglich zu entsprechen, plant die Stadt Bern ein Pilotprojekt zur Stärkung der Nachbarschaftshilfe.

Berns Sozialdirektorin Franziska Teuscher sagte am Dienstag vor den Medien in Bern, es gebe immer mehr Single-Haushalte und vor allem im Alter steige die Gefahr der Vereinsamung. Nachbarschaftshilfe wirke dem entgegen.

Die Ressourcen dafür seien vorhanden: Es habe noch nie so viele einsatzwillige, fitte Seniorinnen und Senioren gegeben wie heute. «Nutzen wir die Potenziale der Bevölkerung 60 ».

Die Stadt Bern will das Projekt zusammen mit der Bevölkerung und dem seit 2007 existierenden Rat für Seniorinnen und Senioren der Stadt entwicklen. Auf einen Vorschlag von ihm geht die Projektidee zurück. An einem Rundtischgespräch Ende März im Breitenrainquartier soll das Projekt weiter konkretisiert werden. In welchem Quartier es dann lanciert wird, ist noch offen.

Ältere Leute sollten beispielsweise ohne ein schlechtes Gewissen zu haben eine bestimmte Person anrufen können, wenn sie Hilfe benötigten: So umschrieb Barbara Gurtner, die Präsidentin des Seniorenrats, die Projektidee. Der Seniorenrat habe sich von einem Projekt in Zürich-Affoltern inspirieren lassen.

«Vielleicht braucht es eine gewisse Institutionalisierung und Koordination der Nachbarschaftshilfe, damit gerade nicht so gut integrierte Personen von Nachbarn Unterstützung erhalten»: Das sagte Nicole Stutzmann, Leiterin Bereich Alter im Berns Direktion für Bildung, Soziales und Sport.

Teil des Alterskonzepts 2020

Teuscher, Gurtner und Stutzmann sprachen anlässlich eines Rückblicks auf das 2011 lancierte Alterskonzept 2020 der Stadt Bern. In dessen Rahmen hat die Stadt Bern in den letzten Jahren 42 grössere und kleinere Massnahmen umgesetzt. Berns Gemeinderat hat nun an seiner letzten Sitzung die Massnahmen für die Umsetzung des Alterskonzepts in den Jahren 2015-2018 gutgeheissen.

Das Pilotprojekt Förderung der Nachbarschaftshilfe in den Quartieren ist eine der geplanten Massnahmen. Ein weiteres Projekt der Berner Stadtregierung ist, in der Stadtverwaltung die Vereinbarkeit von Arbeit und Angehörigenbetreuung zu fördern. Dafür will Teuscher ein Modell ausarbeiten lassen.

Es gehe darum, die besonderen Kompetenzen älterer Angestellten zu nutzen, sagte Teuscher. In den nächsten Jahren verliessen eine Millionen Menschen in der Schweiz den Arbeitsmarkt, aber nur eine halbe Millionen rücke nach, schreibt die Stadt in diesem Zusammenhang. Besonders Frauen gäben ihre Stelle oft auf, wenn sie plötzlich einen Angehörigen betreuen müssten, so Teuscher.

Wenig Interesse an «Patengrosseltern»

Ziel des vor zwei Jahren der Öffentlichkeit präsentierten Alterskonzepts 2020 ist, älteren Menschen in der Stadt Bern ein möglichst selbstbestimmtes Altern in einer altersfreundlichen Umgebung zu ermöglichen.

Eines der darin formulierten Teilziele ist, dass die Stadt Bern Generationenprojekte lanciert und unterstützt, die den aktiven Austausch zwischen Alt und Jung ermöglichen. Mit diesem Ziel vor Augen gaben Stadt Bern und die Hilfsorganisation Caritas Ende 2012 den Startschuss für das Projekt «Patengrosseltern».

Die Idee dahinter ist, Kinder ohne eigene Grosseltern mit Grosseltern ohne eigene Enkelkinder zusammenzubringen, damit sie sich begegnen und eine Beziehung zueinander aufbauen können. Gelebte Generationenbeziehungen seien heute nicht mehr selbstverständlich, sagten Stadt Bern und Caritas damals.

Nun zeigt sich, dass sich das Interesse an diesem Projekt in Grenzen hält: In den Jahren 2013 und 2014 kam es zu weniger als zehn Vermittlungen, wie Stutzmann am Rand der Medienkonferenz auf Anfrage sagte. Interessierte Familien mit Kindern gebe es genug, sagt sie weiter. Ältere Leute hätten hingegen oft Hemmungen, sich längerfristig zu verpflichten.

Auch sei das Projekt administrativ sehr aufwändig, denn es gelte zum Schutz aller Beteiligten einiges abzuklären. Caritas und die Stadt Bern wollen nun noch gezielter auf die älteren Personen zugehen und Ende 2015 entscheiden, wie es mit dem Projekt weitergeht.

tag/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt