Stadt stutzt «Baumzimmer» am Centralweg

Bern

Die Stadt Bern redimensioniert die Balkone, die für den geplanten Neubau am Centralweg «identitätsstiftend» waren. Damit desavouiere sie ihr eigenes Projekt, kritisiert der Quartierverein.

Die ellipsenförmigen «Baumzimmer» aus der Visualisierung sind vom Tisch, das Ringen um eine Überbauung des Centralwegs geht weiter.

Die ellipsenförmigen «Baumzimmer» aus der Visualisierung sind vom Tisch, das Ringen um eine Überbauung des Centralwegs geht weiter.

(Bild: zvg)

Christoph Hämmann

Die verworrene Geschichte um den Neubau der Stadt am Centralweg mit 13 Wohnungen ist um ein Kapitel reicher. Am 15. Januar hat die Stadt bei ihrem Bauinspektorat eine Projektänderung eingereicht.

Dies belegen der Brief eines Anwalts im Auftrag der Stadt sowie die anschliessende Verfügung des Regierungsstatthalters, die dieser Zeitung vorliegen. Wegen der «weiterhin fehlenden Zustimmungserklärung» des Nachbarn, ohne die sich die «Baumzimmer» nicht wie geplant realisieren lassen, hat die Stadt diese vier Balkone nun überarbeitet.

«Endlich begraben»

Die neuen Pläne zeigen, dass von den ursprünglich geplanten «Baumzimmern» fast nichts mehr übrig geblieben ist. Der Steg, der auf die Balkone hätte führen sollen, ist einmal zum Stummel verkümmert, zweimal fehlt er ganz. In allen vier Fällen sind aus den ellipsenförmigen «Baumzimmern» rechteckige Balkone geworden.

Würde die Jury, die das Projekt Ende 2010 aus 62 Eingaben auswählte, noch immer von «stimmigen Baumzimmern» reden, die «für die Wohnungen identitätsstiftenden Charakter und interessante zwischenräumliche Bezüge» schaffen? «Ja, Charakter und Bezüge werden auch nach der Projektänderung weitestgehend gewährleistet», sagt Jurypräsident Fernand Raval. Als Leiter von Immobilien Stadt Bern, der das Projekt endlich realisieren möchte, dürfte er indes nicht ganz unbefangen sein.

Im Quartier jedenfalls nehmen die Kritiker die neuste Vorlage dankbar auf. «Die Stadt desavouiert ihr eigenes Projekt», sagt Johannes Wartenweiler vom Verein Läbigi Lorraine. Angesichts der Vorgeschichte, der hängigen Rechtshändel sowie der Aussicht auf eine erneute Publikation des modifizierten Projekts, die der Regierungsstatthalter vorschreiben könnte, spricht Wartenweiler von einem «unverhältnismässigen Murks». Die Verantwortlichen der Stadt sollten ihr Projekt «endlich begraben und einen Vorschlag machen, den auch die Lorraine unterstützen kann», verlangt er, und: «Preisgünstiger Wohnungsbau ist gefragt.»

Futter für Juristen

Inzwischen hat die Stadt aufgehört, Prognosen abzugeben. Über den Fahrplan bis zu einem allfälligen Baustart «kann heute keine Angabe gemacht werden», teilt Raval mit. Der vom Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik gesprochene Planungskredit betrage 1,28 Millionen Franken. «Derzeit bewegen wir uns mit den bisher aufgelaufenen Kosten innerhalb dieses Kredites.»

Im vergangenen September beklagte Gemeinderat Alexandre Schmidt (FDP), die Brache sei nun langjährig blockiert. Damals annullierte das Parlament seinen eigenen Entscheid vom Mai 2013, als es 8,8 Millionen Franken für den Bau bewilligt hatte. Bis heute ist juristisch unklar, welcher Entscheid gilt. Die FDP ficht den zweiten Beschluss mit einer Beschwerde an, während Stadtrat Luzius Theiler (GPB) bekämpft, dass das Parlament in dieser Sache beim Regierungsstatthalter durch den Gemeinderat vertreten wird.

Berner Zeitung

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