Bern

Stadt setzt Airbnb-Vermietern Grenzen

BernDie Stadt­regierung will die regel­mässige Vermietung von Altstadtwohnungen über Airbnb ­verbieten.

Der Berner Gemeinderat sieht vor allem in der Altstadt Handlunngsbedarf bezüglich temporärer Wohnformen etwa für Geschäftsleute und Airbnb-Kunden.

Der Berner Gemeinderat sieht vor allem in der Altstadt Handlunngsbedarf bezüglich temporärer Wohnformen etwa für Geschäftsleute und Airbnb-Kunden. Bild: Adrian Moser

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Die Stadt München und die ­Baleareninsel Mallorca haben bereits ein Verbot eingeführt. Nun will auch die Stadt Bern Airbnb-Vermietern enge Vor­gaben machen. Vorerst allerdings nur in der oberen und der unteren Altstadt.

Dort soll es gemäss dem Gemeinderat «nicht mehr zulässig sein, Wohnungen in Zweitwohnungen umzuwandeln und regelmässig für kurze Dauer an nicht Niedergelassene zu vermieten». Die Stadtregierung hat eine entsprechende Revision der Bauordnung ins Mitwirkungsverfahren geschickt.

Die Vorlage lässt einiges an Interpretationsspielraum ­offen. Eine Definition erfordert der Begriff ­«regelmässig». Laut dem Bericht des Gemeinderats ist darunter mehr als zweimal pro Jahr zu verstehen. So ist es weiterhin möglich, dass ein Eigenheim­besitzer seine Wohnung während seiner Ferien über Airbnb vermieten darf. Weiter sieht die ­Detailregelung vor, dass Wohnungsbesitzer ihr leeres Kinderzimmer auch künftig regelmässig vermieten dürfen.

Der Gemeinderat begründet die vorgeschlagene Regelung mit ­seinem Ziel, dass «der Wohnraum in der Stadt Bern primär der ständig ­anwesenden Wohnbevölkerung zur Verfügung stehen soll».

Auftrag aus dem Stadtrat

Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) betont, dass der Gemeinderat mit seinem Vorschlag einen Auftrag des Stadt­rates umsetze. «Der Gemeinderat will kein Verbot von Airbnb. Mit den vorgeschlagenen Regeln wollen wir eine gewerbsmässige ­Vermietung von Wohnungen in der Altstadt an Touristen verhindern», betont er.

Der Gemeinderat räumt zwar ein, dass es in der Stadt Bern ­«keine grundsätzliche Zweitwohnungsproblematik» gebe. «Um präventiv unerwünschte Verdrängungseffekte zu verhindern, ist es sinnvoll, eine gesetzliche ­Regelung zu schaffen», betont der Stadtpräsident. In seinem Bericht räumt der Gemeinderat aber auch ein, dass ein «lücken­loser Vollzug» der neuen Vorschrift nur mit einem grossen Kontrollapparat möglich sei.

Rund 500 Airbnb-Wohnungen

Wie die erhobenen Zahlen zeigen, wurden im Mai 2017 knapp 500 Wohnungen in der Stadt Bern über Airbnb vermietet, knapp 50 davon in der Altstadt. Rund 10 Prozent der ­Angebote werden während des ganzen Jahres ausgeschrieben und haben damit gewerblichen Charakter.

Bei der Berner Tourismusorganisation Bern Welcome ist man in dieser Frage hin und her gerissen. «Wir begrüssen es, wenn den Gästen in der Stadt Bern eine Vielfalt von Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung steht», sagt Geschäftsführer Martin Bachofner. «Airbnb ist eine weitere, sehr wichtige Plattform, um den ­Namen der Stadt Bern in die Welt hinauszutragen», erklärt er.

Eine Frage des Masses

Aber Bachofner befürchtet auch, dass zu viele Airbnb-Wohnungen in der Altstadt sich längerfristig ­negativ auswirken könnten. «Wir betonen jeweils, dass die Berner Altstadt sehr authentisch sei, weil sie von Einheimischen bewohnt wird. Es wäre deshalb kontra­produktiv, wenn zu viele Airbnb-Wohnungen dies aushöhlen ­würden», sagt Bachofner.

Ein weiterer Aspekt in der Diskussion rund um Airbnb sind die Kurtaxen. Heute ist es so, dass die Abrechnung der Taxen in der Stadt Bern noch nicht die Airbnb-Plattform erreicht. Doch entsprechende Verhandlungen ­laufen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.05.2018, 21:05 Uhr

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