Stadt Bern zahlt lieber, als die Polizei zu schicken

Bern

Damit die Schausteller wieder auf die Berner Schützenmatte zurückkehren, beteiligt sich die Stadt an den Sicherheitskosten. Die Polizei auf die Schütz zu beordern, ist keine Option.

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Die Stadt Bern hatte im Frühling zwei Varianten zur Wahl: Die Sicherheit garantieren oder einen neuen Standort präsentieren. So lauteten die Forderungen der Schausteller auf der Schützenmatte. Zur Erinnerung: Vandalen zerstörten Putschautos und verschmierten Wagen und Anhänger.

Nach Angriffen auf einzelne Schausteller wurde es diesen rund um die Reitschule zu gefährlich. Die Stadt erfüllte aber keine Bedingung der Chilbifahrer. Die Folge: Erstmals seit Jahrzehnten gab es im Frühling keine Schütz.

Dies wollte die Stadt schnellstmöglich wieder ändern. Wie vergangene Woche bekannt wurde, findet im November wieder ein Lunapark statt. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass sich die Stadt mit einem einmaligen fixen Betrag an den Sicherheitskosten der Schausteller beteiligen wird.

Insgesamt würden sich die Sicherheitskosten der Schütz auf 4000 bis 5000 Franken belaufen, sagt Schausteller und Chilbisprecher Jürg Muri. Dass eine Stadt oder eine Gemeinde nun lieber einen Teil der Kosten zahlt, als selber für die Sicherheit an der Chilbi zu sorgen, habe er noch nie erlebt. Muri gilt als Chilbi-Urgestein, reist seit Jahrzehnten in der ganzen Schweiz herum. Derzeit ist er an der Herbstmesse in Luzern. «Hier ist die Polizei fast rund um die Uhr präsent» sagt er.

In Basel an der Herbstmesse habe die Polizei sogar einen temporären Polizeiposten eingerichtet. In Bern schauen die Schausteller nun selber für das Sicherheitskonzept. «Wir holen uns jetzt Offerten von privaten Sicherheitsdiensten ein», so Muri.

«Stadt Bern kapituliert»

«Die Stadt Bern versucht sich freizukaufen. Das kann doch nicht der richtige Weg sein», sagt Stadtrat Bernhard Eicher (FDP). Die Stadt müsse grundsätzlich für Ordnung sorgen – auch auf der Schützenmatte. Letztlich komme der Entscheid, sich an den Kosten zu beteiligen, einer Kapitulation gleich. «Weil die Stadt die Situation nicht im Griff hat, zahlt sie lieber», sagt Eicher. Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) habe kapituliert und lasse nun Private die Polizeiarbeit machen.

Polizei wäre eine Provokation

Das Ganze habe weniger mit dem Sicherheitsaspekt zu tun, sondern sei mehr ein Zeichen der Anerkennung gegenüber den Schaustellern, sagt Reto Nause. Damit die Chilbi wieder zurückkommt, finde er es legitim, sich einmalig an deren Sicherheitskosten zu beteiligen. Es handle sich um einen Betrag im tiefen vierstelligen Bereich.

Aber warum zahlt das Berner Polizeiinspektorat lieber, als die Kantonspolizei zu schicken? Um auf der Schütz die Vandalenakte gegen die Schausteller zu verhindern, müsste die Kantonspolizei quasi eine 24-stündige Präsenz sicherstellen, ist Nause überzeugt: «Eine solche Polizeipatrouille würde dann wieder von manchen Leuten als Provokation angesehen werden.»

Die Idee, dass die Stadt die Sicherheitskosten der Schausteller der Reitschule in Rechnung stellen könnte, würde Nause «so nicht unterschreiben». Der Sicherheitsdienst der Reitschule müsse aber vermehrt ein Augenmerk haben, was beim Vorplatz passiert. «Es ist seine Aufgabe, die Polizei zu alarmieren und selber zu intervenieren», sagt er.

Laut Nause ist es kein neuer Umstand, dass die Stadt Bern für ein Sicherheitskonzept aufkommt. «An der Euro 08 oder der Tour de Suisse hatten wir auch ein Interesse, dass sie stattfinden», sagt er. Diese Anlässe habe die Stadt damals auch mit Gebührenerlassen oder direkten Geldbeträgen unterstützt.

Berner Zeitung

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