Stadt Bern gibt Reitschule erneut den Segen

Bern

Die Grosse Halle der Reitschule wird für drei Millionen Franken saniert. Zum sechsten Mal stellt sich das städtische Stimmvolk hinter das alter­native Kulturzentrum.

Kann saniert werden, wohl ab Herbst 2018: Die grosse Halle der Reitschule (Bildmitte, hinter dem Baum).

Kann saniert werden, wohl ab Herbst 2018: Die grosse Halle der Reitschule (Bildmitte, hinter dem Baum).

(Bild: Ruben Wyttenbach)

SVP-Stadt-, Gross- und Nationalrat Erich Hess war am Sonntagabend blendend gelaunt, obschon er gerade eine Abstimmungsniederlage eingesteckt hatte. Mit deutlichen 66 Prozent Ja-Stimmen hiessen die Stimmberechtigten der Stadt Bern den Sanierungskredit von drei Millionen Franken für die Grosse Halle der Reitschule gut.

Die Grosse Halle gehört zwar zum Baukomplex der Reitschule, wird aber von einem eigenen Verein geführt, der mit dem Rest der Reitschule nicht immer konfliktfreie Be­ziehungen hat.

Bümpliz sagt Nein

Hess, der gegen den Kredit erfolgreich das Referendum er­griffen und damit den Urnengang erzwungen hatte, deutete die sechste Abstimmungsniederlage zur Reitschule als «Achtungserfolg». Die SVP, seiner Ansicht nach die einzige bürgerliche Partei in der linken Stadt Bern, kämpfte ­allein dagegen an, dass der Reitschule «noch mehr Geld der öffentlichen Hand in den Hintern gesteckt» werde, wie sich Hess ausdrückte.

Die 35 Prozent Nein-Stimmen liegen weit über dem städtischen SVP-Wähleranteil von gut 11 Prozent. Das bedeutet laut Hess: Nicht nur SVP-Wähler möchten dem Treiben in der Reitschule, wo «systematisch Recht und Ordnung verletzt» werde, einen Riegel schieben. Besonders freute sich Hess über die Nein-Mehrheit von 55 Prozent in «seinem» Stadtteil Bümpliz-Bethlehem.

Ja zum Kurs der Regierung

Nicht in Betracht zieht Hess bei seiner Interpretation allerdings, dass die Stimmbeteiligung mit 38 Prozent ungewöhnlich tief lag. Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) argumentierte, dass wohl vor allem «die Stammkundschaft», die keine Abstimmung verpasst, an die Urne ging – und ziemlich genau den Parteilinien entlang votierte. Er glaube deshalb nicht, dass «Bümpliz-Bethlehem ein spezielles Problem mit der Reitschule» habe. Das Nein spiegle, dass der SVP-Wähleranteil in diesem Stadtteil höher sei.

Von Graffenried taxiert das «überraschend deutliche» Ja auch als Ja zum Kurs der Stadt­regierung, die im Dialog mit der Reitschule versucht, Probleme wie den Drogenhandel in den Griff zu bekommen.

Erich Hess sagte am Sonntag, er glaube nicht, dass er in der Stadt Bern je eine Reitschule-Abstimmung gewinnen werde. Seinen ewigen Kampf gegen die Reitschule einzustellen, sei aber keine Option.

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