Stadt Bern erhält neue Sozialhilfe-Software

Die Programmierer können sich an die Arbeit machen: Die Stimmbürger der Stadt Bern haben einem Kredit von 18,9 Millionen Franken zur Beschaffung einer neuen Sozialhilfe-Software klar zugestimmt.

«Ich freue mich, dass dieses wichtige Vorhaben zusammen mit der Stadt Zürich und dem Kanton Basel-Stadt in die Tat umgesetzt werden kann», sagt Gemeinderätin Franziska Teuscher (rechts), Direktorin für Bildung, Soziales und Sport.<p class='credit'>(Bild: Raphael Moser)</p>

«Ich freue mich, dass dieses wichtige Vorhaben zusammen mit der Stadt Zürich und dem Kanton Basel-Stadt in die Tat umgesetzt werden kann», sagt Gemeinderätin Franziska Teuscher (rechts), Direktorin für Bildung, Soziales und Sport.

(Bild: Raphael Moser)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Am Ende war es ein klares Ergebnis: Mit einem Ja-Stimmenanteil von 68,9 Prozent hat das Stadtberner Stimmvolk die Beschaffung einer neuen Sozialhilfe-Software angenommen. Diese soll das System KiSS der Diartis AG aus Lenzburg AG ablösen. Die Stimmbeteiligung lag bei 41,1 Prozent.

«Ich freue mich, dass nach der mehrjährigen Vorbereitung nun der entscheidende Schritt in diesem Städteprojekt gemacht ist und dass dieses wichtige Vorhaben zusammen mit der Stadt Zürich und dem Kanton Basel-Stadt in die Tat umgesetzt werden kann», sagt Gemeinderätin Franziska Teuscher, Direktorin für Bildung, Soziales und Sport.

Das Volk sagte damit auch Ja zu einem neuen Weg in der Software-Beschaffung. Für dieses Projekt haben sich die Städte Bern, Zürich und Basel zusammengeschlossen und den Verein Citysoftnet gegründet. Derzeit nimmt der Informatikspezialist Thomas Alder in einem 50-Prozent-Pensum die Geschäftsführung wahr.

Momentan ist er der einzige Angestellte des Vereins. In einem Ausschreibungsverfahren hat sich Citysoftnet entschieden, die Softwarefirma Emineo aus Zug mit dem Programmierauftrag zu betrauen. Wichtig war den Städten bei diesem Projekt zudem, dass die Städte Eigentümer der Software bleiben.

Die Software wird von den Mitarbeitern des Sozialdienstes und des Amtes für Erwachsenen- und Kindesschutz eingesetzt. Diese wickeln über das Programm alle Geschäftsfälle in ihrem Alltag ab. Sie können damit etwa Gesprächsnotizen erstellen, die Sozialhilfebeiträge berechnen und Zahlungen auslösen. 400 Mitarbeiter nutzen das Programm und zahlen über das ­System Leistungen im Umfang von 130 Millionen Franken aus.

Inbetriebnahme im 2022

Nach dem Volks-Ja können nun die Programmierer von Emineo ihre Arbeit aufnehmen. Und der Verein Citysoftnet wird einen Projektleiter einstellen, der die Arbeit des Softwarelieferanten überwachen wird. Das Projekt sieht vor, dass zuerst ein Kern von Softwaremodulen programmiert wird, der für alle Städte gleich ist. Dann erfolgt die Programmierung der städtespezifischen Eigenheiten.

So benötigt jede Stadt beispielsweise eine ­andere Schnittstelle zu ihrer ­Finanzbuchhaltung. Bis Anfang 2020 soll der Kern programmiert sein. Anschliessend folgt die Programmierung der städtischen Spezifitäten. Das Ziel der Stadt Bern ist es, dass die Sozialdienste das ­Programm im Jahr 2022 in ­Betrieb nehmen können.

Kurze Phase der Nervosität

Das klare Abstimmungsergebnis zeigt, dass sich die Stimmbürger von einem Störmanöver der Diartis AG nicht beeindrucken liessen. Dieses führte bei den Stadtbehörden kurzzeitig für Nervosität. In einem Artikel im Bund hatte der Geschäftsführer der Diartis AG, Beat Hohermuth, in die Debatte eingeworfen, dass sein Unternehmen die notwendigen Leistungen für die Stadt Bern zu einem Preis von gut 6 Millionen Franken erbringen könne.

Geschäftsführer Beat Hohermuth: «Ich wollte aufzeigen, dass Bern bei einem Volks-Nein nicht ohne ­Sozialhilfesoftware dastehen würde”, erklärte er gegenüber dieser Zeitung. Er könne ­garantieren, dass die Stadt Bern mit einem ­Upgrade des Sozialhilfesystems KiSS 4 auf die neue Lösung während zehn Jahren für 4,5 Millionen plus jährliche ­Wartungs­gebühren von 225'000 Franken nutzen könne. Für 6,7 Millionen Franken könnte die Stadt also zehn Jahre die Software nutzen.

Doch Felix Wolffers, der Chef des städtischen Sozialamtes, ­widersprach. «KiSS ist kein taugliches Produkt für den Ersatz des heutigen Systems. KiSS entspricht nicht den in der Ausschreibung gestellten Anforderungen.» Zudem sei es aufgrund des Gesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen gar nicht zulässig, dass die Stadt sich ohne ­erneute Ausschreibung für das Produkt KiSS entscheide.

Denn Diartis habe mit der Software KiSS gar keine Offerte eingereicht, ­sondern nur für das noch zu entwickelnde Produkt Aventis. Und dieses Produkt sei «ähnlich ­teuer» gewesen wie dasjenige von Emineo.

Berner Zeitung

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