Spitex-Streit: Fünf Betriebsleiterinnen suspendiert

Der Geschäfts­führer der Spitex Bern, Daniel Piccolruaz, habe die Spitex Bern destabilisieren wollen, sagt der Verwaltungsrat. Fünf Betriebsleiterinnen werden suspendiert.

Im Zuge der Entlassung des Geschäftsführers der Spitex Bern tauchen immer pikantere Details auf.

Im Zuge der Entlassung des Geschäftsführers der Spitex Bern tauchen immer pikantere Details auf. Bild: Walter Pfäffli

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Schlachtplan. Intrige. Destabilisierung. Komplott.

Mit diesen Worten beschrieb der Verwaltungsrat der Spitex Bern am Montag vor den Medien seine Vorwürfe an Geschäftsführer ­Daniel Piccolruaz. Mit einem «Schlachtplan» habe dieser die «Destabilisierung» der Spitex Bern erreichen wollen.

Doch der Verwaltungsrat habe dieses «Komplott» aufgedeckt. Und deshalb werde nun geprüft, ob die Spitex Schadenersatz einklagen und strafrechtlich gegen Piccolruaz vorgehen wolle.

Als Beweis für Piccolruaz’ Umtriebe dienen dem Verwaltungsrat Dokumente: der Entwurf ei­ner Medienmitteilung, ein Zeitplan, wie auf die Entlassung ­reagiert werden könnte, sowie ein Papier, in dem die wichtigsten Fragen geklärt werden. «Damit wird er als Täter entlarvt», sagte Verwaltungsratspräsidentin Rahel Gmür und wedelte mit dem Papier in der Luft.

Die Entlassung des Chefs

Piccolruaz ist seit mehreren Jahren Geschäftsführer der Spitex Seeland. Im vergangenen April holte die Spitex Bern ihn im ­Mandat als Chef. Die Spitex befand sich in der Krise, Piccolruaz sollte neue Führungsstrukturen schaffen. Das tat er auch. Das Mandat, betonte Gmür, sei «interimistisch und projektbezogen» erteilt worden.

Laut ihr erhielt die Spitex Seeland dafür im ­Monat 16 500 Franken. Auch Personalchef Markus Zehnder war seither für beide Betriebe tätig. Zuerst war er befristet angestellt, ab Juni definitiv, das belegt eine Medienmitteilung.

Laut dem Verwaltungsrat wurde Piccolruaz am 17. Januar mitgeteilt, dass sein Mandat auf Mitte Jahr auslaufen werde und dass dann wieder ein vollamtlicher Geschäftsleiter eingesetzt werde. Dafür wurden am Montag nicht nur strategische Gründe geltend gemacht: Gegen Piccolruaz hätten «diverse interne und externe Klagen» vorgelegen, seit September hätten 40 Personen gekündigt.

Letzte Woche sprach der Verwaltungsrat dann die fristlose Kündigung aus. Daraufhin setzten sich fünf Betriebsleiterinnen für ihn ein.

Nun spricht der Verwaltungsrat von einer «verdeckt inszenierten Intrige». Der Chef habe die Frauen instrumentalisiert. Gemeinsam hätten sie einen Schlachtplan entwickelt, um die Spitex zu destabilisieren, womöglich gar Massenentlassungen zu provozieren. Es seien Angestellte unter Druck gesetzt worden, sich dem Widerstand anzuschliessen.

Ultimatum für Leiterinnen

Weiter berichtete Gmür, es seien Bestrebungen im Gang, Anteilscheine an Angestellte zu verkaufen – «verbunden mit der Forderung, an die Genossenschafterversammlung zu gehen und den Verwaltungsrat abzuwählen». Sie geht davon aus, dass Piccolruaz mit seinen Verbündeten das Ziel hatte, auf dem Platz Bern eine eigene Spitex zu gründen.

Aufgrund dieser Erkenntnisse reagierte der Verwaltungsrat am Montag: Die fünf Betriebsleiterinnen wurden suspendiert, sie erhalten nun die Gelegenheit, sich von Piccolruaz zu distanzieren. Und neben Piccolruaz muss auch Zehnder gehen. Gleichzeitig mit den Medien wurden die Angestellten informiert. Bei vielen herrscht Konsternation.

Der Fall wird auch die Spitex Seeland weiter beschäftigen. Denn das Gremium von Gmür übt auch Kritik am Verwaltungsrat der Spitex Seeland. Dieser stehe in der Verantwortung, für die Destabilisierung, den Reputationsschaden, die Verunsicherung. Deshalb sei der Verwaltungsrat aufgefordert, «die Ereignisse rund um ihren Geschäftsführer restlos aufzuklären».

Erstaunen im Seeland

«Schockiert» reagierte auch ­Adrian Dennler, Verwaltungsratspräsident der Spitex Seeland: «Ich staune, was mir heute alles um die Ohren fliegt.» Noch am Montag habe die Spitex Bern um Gespräche gebeten. «Wir ­haben immer gesagt, dass wir dafür zur Verfügung stehen.» Piccolruaz und Zehnder seien integere Personen, die ihren Job sehr gut machten. «Es ist etwas faul im Staate Bern.»

Daniel Piccolruaz seinerseits nahm am Montagnachmittag gegenüber dieser Zeitung zwar Stellung zum Fall. Am Abend zog er seine Aussagen jedoch zurück, weil er vom Verwaltungsrat der Spitex Seeland ein Redeverbot erhielt.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 19.02.2018, 16:01 Uhr

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