«So viele tote Bienen auf einmal sah ich noch nie»

Zäziwil

In den Dörfern rund um Zäziwil beklagen Imker ein Bienensterben. Es besteht der Verdacht, dass die Tierchen durch eine Pestizidvergiftung ums Leben kamen. Gefährdet ist auch die nächste Bienengeneration.

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Spätestens seit Filmen wie «Der Imker» und «More than Honey» ist die Bevölkerung auf Bienen sensibilisiert. Auch deshalb schreckt das Bienensterben der letzten Tage in der Region rund um Zäziwil auf. Wie Bern-Ost berichtete, starben von einem Tag auf den andern sehr viele Bienen. Dabei war bis letzten Freitag die Welt noch in Ordnung gewesen. Aber seit Samstag läutet das Telefon bei Walter Leuenberger, Präsident des Bienenzüchtervereins Zäziwil und Umgebung fast rund um die Uhr. Imkerkollegen beklagen ein plötzliches Bienensterben. Über 30 von 89 Ständen des Vereins sind betroffen.

Schlaflose Nächte

«So viele tote Bienen habe ich noch nie gesehen», sagt Leuenberger. Seit anfangs Woche besuchte er mit Jürg Glanzmann vom Bienengesundheitsdienst alle Stände im Vereinsgebiet. Die Bilanz ist erschütternd: In Mirchel, Grosshöchstetten und Konolfingen sind viele Stände stark vom Bienensterben betroffen. In Zäziwil nur diejenigen in Richtung Grosshöchstetten. Dort sind zwei grosse Obstbaubetriebe. Zwischen diesen befindet sich der Stand von Jakob Fankhauser, dessen Bienen fast alle tot sind.

Die Bilder, die sich Walter Leuenberger boten, verursachen ihm schlaflose Nächte. «Es tut weh», sagt der Rentner. Trotzdem ist er froh, über viel Zeit zu verfügen, um dem plötzlichen Bienensterben nachzugehen. Obschon er machtlos zuschauen muss, wie auch kommende Bienengenerationen gefährdet sind. «Es werden zu wenige Bienen für die Brutpflege vorhanden sein, und so stirbt auch der Nachwuchs», befürchtet er. Zudem ist klar: Die Überlebenden werden geschwächt und anfällig.

Verdacht auf Vergiftung

Dass die Bienenstände rund um die Obstbaubetriebe am stärksten betroffen sind, weckt den Verdacht, dass die Bienen eine Pestizidvergiftung erlitten haben. «Wir gingen zu den Betrieben und nahmen Zweige mit, um die verwendeten Spritzmittel zu analysieren», sagt Walter Leuenberger. Um herauszufinden, woran sie starben, werden auch die toten Bienen untersucht. «Einen Fall dieses Ausmasses habe ich noch nie erlebt», sagt Jürg Glanzmann vom Bienengesundheitsdienst. Er hütet sich aber vor voreiligen Schuldzuweisungen an die Landwirtschaft.

Die heute verwendeten Spritzmittel seien alle überprüft. «Werden sie zum richtigen Zeitpunkt und nach Vorschrift angewendet, sind keine Bienenschädigungen zu befürchten», sagt Glanzmann. Überhaupt sei kein Obstbauer daran interessiert, Bienen zu vergiften, denn: «Man ist auf die Bestäubung der Pflanzen angewiesen. Ohne Bienen gibt es weniger und qualitativ minderwertiges Obst.» Es könne sein, dass ein tragischer Fehler passiert sei. Die Untersuchung von Pflanzenproben und toten Bienen sollte bis Ende der nächsten Woche Resultate bringen.

Anzeige gegen unbekannt

Walter Leuenberger selber wohnt in Bowil. Diese Gemeinde ist bis jetzt vom grossen Bienensterben verschont geblieben. Auch Leuenbergers Bienen sind wohlauf, ebenso die Völker im Lehrbienenstand Schwarzhüsi ob Zäziwil. Darüber kann sich der Präsident des Bienenzüchtervereins aber irgendwie nicht recht freuen.

Er leidet mit seinen Imkerkollegen und setzt alles daran, dass die Ursache des Unglücks aufgeklärt ist. Obschon er nicht an ein absichtliches Vergiften glaubt, hat Leuenberger gestern bei der Polizei eine Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht.

Berner Zeitung

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