Wabern

So sieht das neue Festivalgelände aus

WabernBühnen verschoben, Gelände vergrössert, neue Tanzzelte erfunden und Sicherheit erhöht – fast ­alles ist anders am 35. Gurtenfestival, das heute in einer Woche anfängt.

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Unter den Bäumen sitzt eine ­Familie beim Picknick. Daneben steht ein Gabelstapler, zwei Arbeiter gönnen sich im Schatten eine Pause, und weiter unten auf der Wiese wird kräftig an der Hauptbühne gebaut. «Sie bleibt am selben Ort, doch auf der Wiese werden wir deutlich mehr Platz haben», ­erklärt Simon Haldemann, Sprecher des Gurtenfestivals. Platz gewinnen sie, indem sie grosse Bar- und Tanzzelte auf der Wiese nach hinten verschieben.

Nicht nur vor der Hauptbühne ist bei der 35. Ausgabe des ­Gur­tenfestivals einiges anders: ­Ungefähr dort, wo die Zeltbühne stand, befindet sich nun die Waldbühne. Am steilen Hang, wo sie vorher war, wurde es zeitweise eng, gerade wenn Publikumsmagneten wie 77 Bombay Street spielten. Und nicht auszudenken, wie gefährlich ein Hangrutsch gewesen wäre.

Nicht nur deswegen steht die Waldbühne anderswo: «Schweizer Bands boomen, einerseits weil sie sich gut vermarkten, andererseits weil das Schweizer ­Radio und Fernsehen vermehrt über sie berichtet», so Haldemann. Er ist sicher, «hier tritt man vor Tausenden von ­Zuschauern auf, da werden einige Musiker leer schlucken».


Der neue Geländeplan des Gurtenfestivals (klicken zum Vergrössern)

Zeltbühne und die Aussicht

Nostalgiker werden Tränen in den Augen bekommen, denn die Zeltbühne heisst nicht einmal mehr so, sondern Marquee, Englisch für Festzelt. Zumindest für die Künstler heisst sie so und steht nun dort, wo bis letztes Jahr geschlafen wurde. «Wir haben diesen ­Bereich nicht richtig ausgenutzt. Von hier hat man Aussicht auf die Stadt Bern und die Bergkette», so der 45-jährige Haldemann. Wo die nun 30 Meter längere Zeltbühne zu stehen kommen wird, mäht gerade Bauer Rudolf Balsiger das letzte Gras. Von ihm hat das Festival eine weitere Hektare Land für den Zeltplatz gepachtet. Anstatt 25 Franken zahlt man für vier Nächte 40 Franken. «Wir ­haben gerechnet und gemerkt, dass wir mehr brauchen. Wer zu zweit im Igluzelt schläft, bezahlt pro Nacht einen Fünfliber. Das finden wir verkraftbar», sagt ­Haldemann.

Auch die Tickets sind teurer: Ein Tagespass kostet neu 115 statt wie bisher 95 Franken, was einem Aufschlag von rund 20 Prozent entspricht. Der Viertagespass verteuert sich auf 310 Franken. Allgemein erhöhen Schweizer Festivals die Preise, wie ein ­Bericht vom SRF zeigt. Am kras­sesten aber der «Güsche», satte 74 Prozent mehr kostet ein Dreitagespass als im Jahr 2008.


Simon Haldemann über zögerlichen Vorverkauf, bessere Aussichten und funktionierendes Cashless. Video: cla

Die Preiserhöhung sei nötig, sagen die Organisatoren, weil die Headliner im Vergleich zu vor fünf Jahren teilweise eine halbe Million kosten und sich die Gage verdoppelt haben. Die Kritik im Internet ist gross, wie in Onlinekommentaren nachzulesen ist. Der Preisanstieg zeigt sich auch beim Ticketvorverkauf: Praktisch alle Kategorien sind noch zu haben. Haldemann ist nicht nervös: «Im 10-Jahres-Vergleich sind wir auf Kurs. Wir rechnen mit drei ausverkauften Tagen.»

Marsch und Materialschlacht

Die Organisatoren reagieren mit den Veränderungen auf die Kritik, auf dem Gelände sei es zu eng. An ausverkauften Tagen sind 20'000 Besucher hier. «Wir sind sicher, dass die Leute weitere Wege und zusätzlichen Platz schätzen werden.» Bis anhin musste man sich bereits vor dem Ende eines Konzerts auf den Weg machen, um rechtzeitig zu anderen Bühnen zu kommen. Wer den Moment verpasste, dem versperrte die Menge die Laufwege. Dem wollen die Organisatoren mit bis zu 30-minütigen Pausen zwischen den Konzerten entgegenwirken.

Dass die Organisatoren das ­Gelände vorbereiten, um in ­Zukunft noch mehr ­Tickets ­absetzen zu können, ­de­mentiert ­Haldemann. «Das Bähnli gibt uns die Kapazitätsgrenzen vor», sagt er. Maximal 1800 Personen pro Stunde ­können auf den Berner Hausberg befördert werden, die Hälfte der Besucher steige den Berg hoch.

Für die Zeltbühne müsse das Material nur noch von 40- auf ­18-Tonnen-Lastwagen umgeladen werden. Und nicht mehr oben auf dem Gurten auf noch kleinere Lastwagen. Ein grosser Aufwand, gerade bei Acts wie den Gorillaz, die für ihre Show mit sieben 40-Tönner auffahren. Auch das Sanitätszelt ist nun für Ambulanzen besser erreichbar. Für die ­Ge­ländevergrösserung sei bis 30 Prozent mehr Sicherheits­personal nötig.

Campfire und Kletterturm

Wie bereits letzten Herbst kommuniziert verzichtet das Gurtenfestival auf Sponsoren aus der ­Tabak- und Alkoholindustrie. Deshalb wurden die Verträge mit Bacardi und Parisienne nicht mehr verlängert. Die ehemalige Casa Bacardi heisst nun Supermercado, gespielt wird noch ­immer Mainstream-Musik. Das Tanzzelt Rock the Block war vorher von Parisienne gesponsert und trägt neu den Namen Cosmodrome, mit Lasershows, ver­spiegelten Wänden und Techno. Das Musikprogramm dieser beiden Zelte wird neu vom Gurtenfestival programmiert. Das war bei der Bamboo-Bar, dem dritten «Dancetent», schon immer der Fall. Dieses heisst nun Sound­garden, in diesem Garten wird avantgardistische Musik gespielt.

An die Matte, wo die Zeltbühne nun steht, muss sich der Gurten-Gänger gewöhnen. Eine Bar, die Newcomer-Bühne Campfire, eine Harassenkletterwand und zwei neue Foodstände dürften dabei helfen. Die bestehende Foodmeile bleibt dort, wo sie war. Neu dazu kommt der Foodboulevard, wo man fünf Berner Foodtrucks findet.

Während die Familie im Laubschatten ihr Picknick langsam ­zusammenräumt, bauen Arbeiter immer höher in den Himmel. Bis Ende Woche ist die Hauptbühne fertig, die zwölf Masten der Zeltbühne stehen, damit dem Startschuss am nächsten Mittwoch zum 35. Gurtenfestival nichts im ­Wege stehen wird. (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.07.2018, 10:19 Uhr

Cashless

Nachdem 2013 der erste Versuch für ein bargeldloses Festival scheiterte, setzt das Gurten­festival nun auf ein deutsches System. Das Open Air Frauenfeld, das dieses Wochenende stattfindet, benutzt das gleiche. «Wir werden es besuchen und so wertvolle Erfahrungen abholen können», sagt Mediensprecher Simon Haldemann. Auch habe sich die Technik in den letzten Jahren verbessert, und Haldemann ist zuversichtlich, dass alles gut laufe. Das Geld ist neu auf einer Karte hinterlegt. Wer diese verliert, sollte sie sofort sperren lassen. Das geht nur mit einem Ausweis und vorgängiger Registrierung. «Eine verlorene Karte ist wie Bargeld und kann von jedem ausge­geben werden.» Unter Gurtenfestival.ch kann man Geld laden, was auch Wartezeit erspart. cla

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