Grosshöchstetten

Feuer zerstört Emmentaler Kulturgut

GrosshöchstettenIn der Nacht auf Dienstag hat es im Gasthof Sonne in Grosshöchstetten gebrannt. Durch das Feuer ging nicht nur ein Teil eines Gebäudes verloren, sondern auch ein wichtiges Familienerbstück.

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«Das war mein Herz», sagt Heinz Stucki und schluckt leer. Er ist den Tränen nahe. «Das war ein Kulturgut von 1748.» Der Wirt spricht vom Gasthof Sonne in Grosshöchstetten, der am Montagabend Opfer eines Brandes wurde. «Seit Generationen wurde der Betrieb in der Familie weitergegeben. Jetzt ist ein grosser Teil davon niedergebrannt», sagt Stucki und fängt an zu weinen.

Das Feuer brach um circa 19.30 Uhr aus. Kurze Zeit später trafen die Einsatzkräfte beim Gasthof an der Dorfstrasse ein. «Teile des Gebäudes waren bereits in Vollbrand», so Stucki. Die Löscharbeiten hätten bis Mitternacht gedauert, danach sei noch eine Brandwache aufgestellt worden. Laut Angaben der Kantonspolizei Bern standen rund 100 Feuerwehrleute der Feuerwehren Grosshöchstetten, Konolfingen und Zäziwil sowie der Berufsfeuerwehr Bern im Einsatz. Heinz Stucki und alle anderen Personen, die sich zum Zeitpunkt des Brandes im Gasthof aufhielten, konnten rechtzeitig aus dem Gebäude flüchten. «Zum Glück gab es keine Verletzten», sagt der Wirt.

«Das Haus ist ein Stück Geschichte», so Stucki. Es sei um 1800 zum heutigen Biedermeierhaus umgebaut worden, und 34 Jahre später erhielt es das Gastwirtschaftsrecht. Seit über 20 Jahren ist der Wirt nun Besitzer der Gaststätte. «Ich habe mich schon immer für Kultur eingesetzt und auch beim Gasthof versucht, immer dem Original gerecht zu werden.» So hat Heinz Stucki nicht nur die Zimmer traditionell eingerichtet, sondern auch das Essen auf handgemachtem Langnauer Geschirr serviert. Ausserdem hat der langjährige Wirt im Erdgeschoss des Gasthofs ein Museum mit regionalen Antiquitäten eröffnet.

Hoffnung für Museumsstücke

«Ich habe keine Ahnung, wie viel davon gerettet werden kann», sagt Stucki. Der Brand habe vor allem das Dach sowie den westlichen Teil des zweiten Stocks zerstört. «Die Zimmer dort sind komplett ausgebrannt, doch für die Museumsstücke besteht noch Hoffnung.» Obwohl das Erdgeschoss nicht in Flammen stand, seien die Böden vom Wasser stark beeinträchtigt.

Heinz Stucki weiss nicht, wie es in den nächsten Tagen und Wochen weitergeht. Er steht unter Schock. Doch er ist entschlossen, den Gasthof Sonne wieder aufzubauen: «Was zu retten ist, soll gerettet werden.»

Am Morgen nach dem Brand erhielt der Wirt der Sonne Anrufe aus der ganzen Schweiz. «Das hat mich sehr berührt. Der Gasthof ist mit vielen Erinnerungen ­verbunden, und dadurch werden alle Gäste wie zu einer grossen Familie.»

«Regional einen hohen Wert»

Auch Gemeindepräsident Martin Steiner trauert ob des Verlusts: «Die Gaststätte hat regional einen hohen Wert. Vom Apéro bis zum Konfirmationsessen findet dort alles statt.» Momentan seien Ermittlungen zur Brandursache und zur Höhe des Sachschadens im Gange. Der Schaden sei sehr gross, sagt Steiner. «Ich hoffe jedoch, dass der Gasthof wieder aufgebaut werden kann.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.01.2016, 16:57 Uhr

Sonne Rüfenacht

Der Brand des Gasthofs Sonne in Grosshöchstetten – bei Temperaturen unter Null Grad – weckt Erinnerungen an einen andern Gasthof Sonne: denjenigen in Rüfenacht. Das Gebäude mit Bauernhof an der Bernstrasse wurde vor fast vier Jahren, am 6. Februar 2012, ein Raub der Flammen. Weder Menschen noch Tiere wurden verletzt, doch das Gebäude war nicht mehr zu retten: Das Feuer hatte es total zerstört.

Wie in Grosshöchstetten herrschten damals auch in Rüfenacht Minustemperaturen. Am Abend des Brandes zeigte das Thermometer minus 12 Grad. Das erschwerte den Einsatz der verschiedenen Feuerwehren stark. Durch das Löschwasser glich die Sonne am Tag danach einer Eisskuptur.

Als Brandursache stellte sich in Rüfenacht ein überhitztes Kaminrohr heraus, das durch die Decke geführt hatte. Die Strahlungswärme hatte das Feuer zu entfachen vemocht. hrh

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