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Skywork-Gründer hat immer an eine Rettung geglaubt

BelpVor 34 Jahren gründete Alex Gribi die Fluggesellschaft Skywork. Auch er hätte schon beinahe eine Grounding erlebt – und hat in den letzten Wochen mit der Firma mitgelitten. Gribi plädiert für lokalpatriotisch unterlegtes unternehmerisches Engagement.

Alex Gribi im Businessterminal des Flughafens Bern.

Alex Gribi im Businessterminal des Flughafens Bern. Bild: Christian Pfander

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Alex Gribi (70), das lange braune Haar unter einer Baseballkappe gebändigt, steigt die Treppe in den ersten Stock seines VIP-Terminals hoch. Es befindet sich am Rand des Flughafens Bern-Belp. Gribi geht durch einen Gang, durch ein Zimmer, öffnet die Fenstertür und tritt hinaus auf die Terrasse. Sie ist riesig und die Aussicht prächtig.

Auf der einen Seite kann er hinunter auf den Terminalvorplatz blicken, wo eine fabrikneue Gulfstream G-280 steht, ein schnittiger weisser Vogel. Das VIP-Terminal, Businessjets, Privatkunden. Gribis Gegenwart.

Auf der anderen Seite geht der Blick zum Flughafen, zu den grossen Flugzeugen, zum Tower, zu den Alpen. Es ist Morgen, leichter Nebel liegt über der Aare, gleich wird eine Maschine landen, Skywork-Flug SX 217 aus München. Der Flugplatz, die Linienflüge, Skywork. Gribis Vergangenheit.

Mit Skywork mitgelitten

Alex Gribi, 70 Jahre alt, ist der Gründer von Skywork. 34 Jahre ist es her, dass Gribi die Flug­gesellschaft gründete. «Former Skywork», früher Skywork, das steht sogar auf seiner aktuellen Visitenkarte von Alpine Sky Jets, seiner jetzigen Firma, deren Gründer, Präsident, Senior Captain und Instruktor er ist. Das verrät die Visitenkarte auch.

«Wenn man einen gewissen Stolz hat, dann will man so etwas nicht verlieren.»Alex Gribi

Im Jahr 2011 verkaufte Gribi Skywork an den Rolex-Erben Daniel Borer. «Skywork war mein Baby, das ich 28 Jahre lang aufgebaut und geleitet habe. Durch den Verkauf hatte ich mehr oder weniger damit abgeschlossen.» Natürlich aber verfolgt er die Airline bis heute sehr aufmerksam, er hat in den letzten Wochen mitgelitten mit der Firma, «mit den Angestellten, von denen einige auch noch bei mir gearbeitet haben».

Die Erleichterung über die Rettung, die am späten Dienstagabend Tatsache wurde, begründet er nicht mit seiner eigenen, besonderen Beziehung zur Firma, sondern vielmehr mit seiner Verbundenheit zum Belpmoos und mit Lokalpatriotismus. «Ich bin ein Berner und stolz darauf. Wenn man einen gewissen Stolz hat, dann will man so etwas nicht verlieren.» Denn es sei wichtig, dass diese Airline von Bern aus operiere, für den Flughafen, die 300 Angestellten, für den Wirtschaftsstandort Bern.

Regelmässig Probleme

Gribi kennt den Flughafen seit seiner Kindheit, er war mit seinem Vater, dem Gründer der Flugschule Gribair, oft im Belpmoos. Als er selber 1983 Skywork als Flugschule gründete, habe am Flugplatz noch wenig Betrieb geherrscht. Drei Jahre zuvor zählte der gewerbsmässige Luftverkehr im Belpmoos gerade mal 25'000 Passagiere. Marketing wurde noch keines betrieben. Gribis Geschäft mit den sechs Businessjets lief gut, aber es dauerte noch 20 Jahre, bis er in den Linienverkehr einstieg.

2003, nach dem Aus von Air Engadina, kaufte Gribi eine Dornier mit rund 30 Plätzen. «Aaretal Reisen garantierte eine gewisse Anzahl Flüge, das funktionierte, und bald war das Flugzeug zu klein.» Also musste eine Dash mit 75 Plätzen her. So wuchs Skywork zur Linienfluggesellschaft heran. «Aber meine Welt», sagt Gribi, «waren eigentlich immer die Businessjets.»

«Skywork war mein Baby, das ich 28 Jahre lang aufgebaut und geleitet habe.»Alex Gribi

Skywork erlebte auch unter ihm immer wieder schwierige finanzielle Situationen. Beinahe zum Absturz geführt hätte 2008 das Missgeschick eines Werkspiloten von Bombardier. «Er machte mit meiner Dash eine Bauchlandung.» Fünf Wochen stand die Maschine am Boden, musste repariert werden. «Nicht die Reparaturen, aber die operationellen Ausfälle haben mich 1,5 Millionen Franken gekostet.»

Gribi sagt, er habe Skywork mehrmals mit privaten Mitteln vor dem Konkurs retten müssen. 2010 aber habe das nicht mehr funktioniert. «Da ist mir der Schnauf ausgegangen.» Er musste das Unternehmen aus Geldnot verkaufen, sonst wäre der Konkurs wahrscheinlich gewesen.

An die Rettung geglaubt

Nach der Übernahme durch Borer blieb Gribi nicht mehr lange an Bord. Auch sein Sohn, der im Unternehmen tätig war, schied aus. «Wir waren Borer zu konservativ, wir waren wegen der Tiefschläge gebrannte Kinder, deshalb mussten wir uns von ihm trennen.» Borer zündete den Turbo, holte den umtriebigen Tomislav Lang als Geschäftsführer ins Belpmoos und sorgte für immer neue Passagierrekorde.

Anfang 2013 zog sich Borer zurück, es begann ein schwieriges Jahr, das Lang bei Skywork nicht beendete. Sein Nachfolger Rolf Hartleb sagte im Oktober 2013: «Wir haben über eine Einstellung des Flugbetriebs diskutiert.» Gribi sagt: «Borer war von den falschen Leuten umgeben. Er sagte immer, er handle aus dem Bauchgefühl heraus. In diesem Fall war das Bauchgefühl nicht gut.»

«Wir waren Borer zu konservativ, wir waren wegen der Tiefschläge gebrannte Kinder, deshalb mussten wir uns von ihm trennen.»Alex Gribi

2014 kam Martin Inäbnit zu Skywork. «Es kehrte Ruhe ein, es kamen immer mehr Passagiere», sagt Gribi. Und der Entscheid, auf die grösseren Saab 2000 zu setzen, sei richtig gewesen. Vor drei Wochen aber wurde Gribi von der Nachricht überrascht, dass das Bundesamt für Zivilluftfahrt die Betriebsbewilligung befristet. An eine Rettung habe er aber immer geglaubt. «Ich könnte mir vorstellen, dass er einen Banken­kredit erhalten hat, den ein paar Aktionäre absichern», sagt Alex Gribi.

Das Skywork-Logo

Gribis VIP-Terrasse bietet den unverstellten Blick auf die Start- und Landebahn. Die Maschine aus München setzt zur Landung an. Es ist eine Dornier 328, sie trägt das hellgrüne Skywork-Logo auf dem blauen Heck. Gribi zeigt darauf. Viele wüssten das nicht, sagt er, und es ist ja auch sehr leicht zu übersehen: Im Logo mit den vier Flügeln versteckt sich ein feines G. Das G von Gründer Gribi. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.11.2017, 16:21 Uhr

Alex Gribi

Das Reich von Alex Gribi befindet sich im nördlichen Teil des Flughafens Bern-Belp. Hier betreibt er zusammen mit seinen zwei Söhnen Matteo und Manuel die Flughafen Immobilien AG sowie die Flugfirma Alpine Sky Jets, die etwa Charterflüge in Businessjets und eine Reihe weiterer Dienstleistungen bietet. Zum Beispiel verwaltet sie Flugzeuge wie die neue Gulfstream (siehe Haupttext) oder organisiert etwa die Flugreisen des SC Bern. Auch nicht weit ist das Restaurant Gribis, das von seiner Frau Yvette geführt wird.

Seit einigen Jahren befindet sich Gribi in einem Rechtsstreit mit der Flughafen Bern AG. Er möchte selber Passagiere abfertigen können. Aus Sicht des Flughafens und mehrerer gerichtlicher Instanzen besitzt dafür aber einzig der Flughafen eine Konzession. Nun liege der Fall beim Bundesgericht, sagt Gribi, dabei habe er die Unterstützung der Eidgenössischen Wettbewerbskommission, die sich auf die Wirtschaftsfreiheit berufe. Gribi erwartet in der nächsten Zeit einen Entscheid.

Es ist nicht der einzige Plan des Skywork-Gründers. Im nächsten Jahr möchte er einen neuen Hangar für Businessjets eröffnen. Das Gesuch liegt beim Bundesamt für Zivilluftfahrt zur Vorprüfung. Der Hangar soll Platz für zwei bis drei Jets bieten. Alex Gribi hofft fest auf den Neubau und einen positiven Entscheid zur Abfertigung. «Damit würde hier wieder mehr Betrieb herrschen.» rei

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