Skywork wehrt sich gegen den geplanten Südanflug

Bern-Belp

Bei den umstrittenen Südanflügen stellt sich nun auch Skywork Airlines gegen die Betreiber des Flughafens Belpmoos.

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Tobias Habegger@TobiasHabegger

Das hat den Verantwortlichen des Flughafens Bern-Belp gerade noch gefehlt: Die Fluggesellschaft Skywork stellt sich öffentlich gegen das angedachte Südanflugregime. «Für unsere Zwecke sind die neuen Pläne völlig unbrauchbar», sagt Skywork-Chef Martin Inäbnit gegenüber der Berner Zeitung.

Obschon er seine Kritik aus anderen Gründen anbringt als die Bewohner des Aaretals und die Hobbypiloten sowie Deltasegler aus dem Berner Oberland, so unterstützt er diese doch in ihrem Kampf gegen die Südanflüge. Das kritische Statement des Skywork-Chefs gibt der Gegnerschaft neues Gewicht. Denn Skywork ist die grösste und für den Standort Bern auch die wichtigste Fluggesellschaft.

Seit mehr als eineinhalb Jahren versuchen die Flughafenbetreiber nun, für Südanflüge ein durch Satelliten und GPS-Geräte unterstütztes System einzuführen – den sogenannten GNSS-Anflug. Das geplante Anflugverfahren umfasst das Aaretal, einige Gemeinden rund um Thun sowie Teile des Emmentals. Bisher sind gegen 300 Einsprachen aus der Bevölkerung, von Gemeinden und seitens der Privatfliegerei gegen das Projekt eingegangen. Das verzögert die Einführung der Südanflüge.

Oft nach Basel ausweichen

In der Vergangenheit hatte Martin Inäbnit den geplanten Südanflug befürwortet, bis er vor wenigen Wochen über die Details informiert wurde. «Ich habe gehofft, dass das neue Regime Verbesserungen für die Fluggesellschaften bringt», sagt er. Denn die aktuellen Anflugbedingungen in Belp würden zu den schlechtesten von allen Flughäfen gehören, welche Skywork anfliegt.

Infolge schlechten Wetters und der vergleichsweise hohen Sichtminima – horizontal wie vertikal – müsse der Pilot viel zu oft in Belp durchstarten und einen zweiten Landeanflug durchführen oder im schlimmsten Fall sogar zur Landung nach Basel ausweichen. In der Wintersaison 2012/2013 mussten von circa 1800 Landungen im Winterflugplan 53 Skywork-Flüge nach Basel ausweichen, 2013/2014 waren es 28 Flüge (1500 Landungen) und im äusserst milden vergangenen Winter noch 6 Flüge.

«Für uns ist das äusserst kostspielig und für unsere Kunden unangenehm», sagt Martin Inäbnit. Der entsprechende Flieger fehle am nächsten Morgen in Belp, die Crew mache Überstunden, die Passagiere brauchten ein Hotel oder einen Transfer nach Bern. Vor allem bei schlechtem Wetter am Abend kurz vor dem Betriebsschluss seien manchmal alle heimkehrenden Skywork-Flugzeuge gleichzeitig betroffen.

«Problem wird verschärft»

Als der Skywork-Chef vor rund zweieinhalb Monaten erstmals Einsicht in die neuen Anflugpläne erhielt, kam er zum Schluss: Der neue GNSS-Anflug bringe für Skywork keine Verbesserungen.

«Unsere Probleme beim bestehenden Anflugregime werden mit dem neuen System nicht behoben – sondern verschärft», sagt er. «Das Risiko, dass wir nicht zu Hause in Belp landen können, bleibt gleich gross.» Vor diesem Hintergrund sei es sinnlos, die Dornier 328 für circa 300'000 Franken aufzurüsten, damit sie GNSS-tauglich seien.

Bei einem Besuch in seinem Büro in der Belper Aemmenmatte unterlegt Martin Inäbnit seine Aussagen mit Flugkarten, mit Daten, mit Tabellen und dem Taschenrechner, mit fachchinesischen Erklärungen und Erlebnisberichten aus seinem Erfahrungsschatz als aktiver Pilot.

Schlecht für die Umwelt

Im Winter liegen fast alle Skywork-Destinationen im Norden. «Mit der neuen, deutlich grösseren Südanflugschlaufe übers Aaretal müssten wir länger fliegen und würden mehr Kerosin verbrauchen», betont Martin Inäbnit. Das belaste die Umwelt und sei ein nicht unerheblicher Kostenfaktor.

Der Skywork-Chef ist davon überzeugt, dass sich in Belp trotz der schwierigen geografischen Bedingungen mit dem Belpberg und anderen Hügeln ein Anflugregime mit tieferen Standards durchsetzen liesse. «Erst wenn wir deutlich weniger oft auf andere Flughäfen ausweichen müssen, macht ein neues System Sinn.» Er habe in den USA und in anderen Ländern etliche Flughäfen angeflogen mit einer ähnlich schwierigen Geografie wie Belp, aber dennoch mit viel tieferen Anflugminima. «Solche Anflugverfahren mit tieferen Sichtminima erwarte ich auch für den Flughafen Belp.»

Verlängerung Anflugbefeuerung Piste 14

Falls dies unmöglich sei, möchte der Skywork-Chef lieber am Status quo mit der deutlich kürzeren Anflugschlaufe über Rubigen und Muri festhalten. Eine Lösung könnte vielleicht auch die Verlängerung der Anflugbefeuerung der Piste 14 sein, betont Martin Inäbnit.

Als draussen am Himmel ein Flugzeug über die erwähnte Schlaufe zur Landung auf den nahen Flughafen Belpmoos zusteuert, springt Martin Inäbnit in seinem Büro vom Stuhl auf und bittet den Journalisten ans Fenster. Dort kommentiert er jede kleinste Bewegung des anfliegenden Flugzeugs. «Schauen Sie, jetzt muss der Pilot seinen Kurs anpassen», ruft er mit lebhafter Stimme. Oder: «Jetzt fliegt er zu tief – uiuiui, der wird spät auf der Piste aufsetzen!» Martin Inäbnit, so viel ist sicher, versteht etwas von der Fliegerei.

Berner Zeitung

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