Belp

Skywork gibt Flugzeuge zurück

BelpDie Auflösung von Skywork läuft. Die Airline hat sich von den geleasten Flugzeugen getrennt und sie nach Schweden und England ausgeflogen. Die 120 Mitarbeitenden erhalten jetzt die Kündigung.

Letzter Abflug: Vier von sechs Saab-Maschinen hat Skywork von Belp zu den Leasingfirmen nach Schweden zurück geflogen.

Letzter Abflug: Vier von sechs Saab-Maschinen hat Skywork von Belp zu den Leasingfirmen nach Schweden zurück geflogen. Bild: Raphael Moser

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Konkursantrag von Skywork ist vom Regionalgericht zwar noch nicht genehmigt. Doch Martin Inäbnit, Chef und einziger Verwaltungsrat der Berner Fluggesellschaft, macht unmissverständlich klar: «Skywork wird und kann in dieser Form nicht mehr abheben.» Inäbnit hat begonnen, das Unternehmen abzuwickeln. Denn die Airline sei überschuldet, und die Hoffnungen auf neue Partner und Investoren hätten sich zerschlagen.

Alle rund 120 Mitarbeitenden erhalten nun die Kündigung. Das sei «eine Massnahme, die wir jetzt leider umsetzen müssen», schreibt Inäbnit in einem Brief an das Personal, der vom Branchenportal Austrianaviation.net veröffentlicht wurde.

Mitarbeiter freigestellt

Der Grossteil der Mitarbeiter wird freigestellt, muss also nicht mehr arbeiten gehen. Inäbnit versucht aber noch, die Gehälter der Belegschaft zu bezahlen. Die Augustsaläre seien überwiesen worden, sagte Skywork-Sprecher Max Ungrich auf Anfrage. Um Mittel zu beschaffen, habe Skywork das einzige Flugzeug, dass die Airline noch besass, Anfang Woche verkauft. Es handelt sich um eine in die Jahre gekommene 32-plätzige Dornier, die Skywork diesen Frühling ausgemustert hatte.

Die bis zum Grounding eingesetzten sechs Turbo-Prop-Maschinen vom Typ Saab 2000 gehören dagegen nicht Skywork, sondern vier Leasinggesellschaften. Am Dienstagabend sind die beiden Maschinen der schwedischen Firma Eric Thun von Bern-Belp nach Örebro geflogen worden. Am Mittwoch folgten die beiden Maschinen der Leasingfirma JAH32000 und jene von Arafart, die ebenfalls in Örebro zurückgegeben wurden. Die letzte Maschine von Rockton Aviation ging nach Humberside in England.

Inäbnit wollte die Saab-Maschinen so rasch wie möglich loswerden, um weitere Kosten zu vermeiden. Denn solange die Flugzeuge bei Skywork standen, waren die Berner für die Wartung verantwortlich, und es wurden Leasingraten fällig. Durch die Rückgabe sollte Skywork im Gegenzug die zur Sicherheit geleisteten Depotzahlungen zurückerhalten.

Um welche Summen es geht, ist unklar. Inäbnit gibt keine Interviews, solange der Konkurs von Skywork nicht genehmigt ist. Der Entscheid des Regionalgerichts Bern-Mittelland wird in den nächsten Tagen erwartet.

Angestellte gewarnt

Sehr viel Geld ist bei Skywork offenbar nicht mehr vorhanden. Privilegiert sind die Ansprüche der Mitarbeiter auf ihre Löhne sowie auf Vorsorge- und Sozialversicherungsbeiträge. Die anderen Gläubiger – von Flughäfen über Treibstofflieferanten bis zu Vermietern – müssen mit ihren offenen Rechnungen hinten anstehen. Deshalb wollte Inäbnit, dass beim Grounding alle Flugzeuge in Bern sind. Und nicht im Ausland beschlagnahmt werden können.

Ferner hat Inäbnit auch seinen Angestellten geraten, dass sie sämtliches Privateigentum aus den gemieteten Büros der in Belp ansässigen Fluggesellschaft entfernen und ihre privaten Autos nicht mehr in der Einstellhalle parkieren. Denn wenn der Konkurs verhängt werde, könnte der Vermieter die Autos und privaten Gegenstände nicht herausrücken, bis nachgewiesen sei, dass diese nicht Skywork gehörten.

Grounding vor Herbstferien

Die Verhandlungen mit einem neuen Partner für Skywork haben sich am Montag letzter Woche zerschlagen. Das Grounding war aber dann erst am Mittwochabend. Bis dahin haben Kunden Tickets kaufen können, die nun wertlos sind. Dieser Ablauf könnte noch vor Gericht landen.

Auch Reisebüros erwägen eine Klage gegen Skywork und das Bundesamt für Zivilluftfahrt. Allerdings musste Skywork zuerst eine Zwischenbilanz erstellen, um die Bücher deponieren zu können.

Der Zeitpunkt für das Grounding scheint günstig für Skywork: Viele Kunden haben für die Herbstferien Flüge gebucht und bezahlt. Diese muss die Airline jetzt aber nicht mehr durchführen. Inäbnit sagt zudem: «Nun meinen viele, jetzt komme doch die Ferienzeit und damit Geld? Falsch, die Ferienzeit führt zu noch höheren Ausgaben durch die erhöhte Produktion.»

«Wir müssen jetzt leider alle Arbeitsverträge kündigen.»Martin Inäbnit

Skywork verliere mehr als sie einnehme. So wäre «sehr bald» ein Liquiditätsengpass entstanden, heisst es weiter. Seit Monaten verhandelte Inäbnit mit einem neuen Partner für eine Zusammenarbeit und mit Investoren für neue Gelder. Durch die neue Kooperation hätte Skywork in absehbarer Zeit in die schwarzen Zahlen fliegen sollen.

Laut dem deutschen Luftfahrtportal Airliners.de handelte es sich beim möglichen Partner um das deutsche Logistikunternehmen Zeitfracht. Gemäss der Zeitung «Blick» und Airliners.de wollte Inäbnit aber die Führung bei Skywork nicht abgeben.

Sanierung aussichtslos

Gemäss Inäbnits Brief knüpften die Interessenten ihren Einstieg an eine zusätzliche finanzielle Unterstützung durch einen anderen Investor: «Beide potenziellen Gruppierungen stellten gegenseitig die Bedingung der jeweiligen Beteiligung durch den anderen, man dreht sich im Kreis.»

In einem ersten Schritt hatten bisherige Investoren Mitte August ihre Forderungen noch in neue Aktien gewandelt. Doch dann platzten die Verhandlungen. Und laut Inäbnit ist Skywork damit überschuldet. Denn eine Sanierung sei nicht mehr in Aussicht. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass die Aktionäre neue Gelder einschiessen oder auf Forderungen verzichten, wenn in der Jahresbilanz die Hälfte des Aktienkapitals verbraucht ist.

Unmittelbar hätte zwar ein Darlehen die Überschuldung und damit den Gang zum Konkursrichter hinausschieben können. Doch ohne kommerziellen Erfolg wäre Skywork rasch wieder auf eine Überschuldung zugesteuert.

Und spätestens bei Beginn des Winterflugplanes hätte die Firma beim Bundesamt für Zivilluftfahrt nachweisen müssen, dass sie den Flugbetrieb für die nächsten zwölf Monate finanzieren kann. Somit scheinen die Tage der Berner Fluggesellschaft definitiv gezählt. Die Flugzeuge sind bereits weg, und bald auch die Angestellten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.09.2018, 08:30 Uhr

Artikel zum Thema

Reisebüros: Klage gegen Skywork und Bazl?

Bei den Chefs der Reisebüros ist der Ärger über die Skywork-Pleite gross. Der Verband prüft eine Klage gegen die Airline und den Bund. Mehr...

Eine neue Airline fliegt nach Bern

Die österreichische Fluglinie People’s betreibt ab Montag eine Skywork-Linie nach Griechenland. Ob weitere Linien übernommen werden, will Flughafendirektor Mathias Gantenbein nicht kommentieren. Mehr...

Skywork-Grounding überraschte Bundesamt

Die jetzige Situation von Skywork unterscheide sich von jener im Oktober 2017. Die finanzielle Situation von Skywork habe sich Anfang Woche schlagartig verändert. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Die Welt in Bildern

Besuch aus der Heimat: Die Schweizergardisten im Vatikan stehen stramm, denn Bundesrat Alain Berset ist auf Visite. (12. November 2018)
(Bild: Peter Klaunzer) Mehr...