Sitzmöbel aus Olivendosen

Bern

«Rafinesse & Tristesse» heisst das Atelier, wo aus alten Blechdosen Möbel und Accessoires produziert werden.

Tibet und Karin Yilmaz fabrizieren unter anderem Hocker aus alten Olivenbüchsen. Sie kosten je 139 Franken.

Tibet und Karin Yilmaz fabrizieren unter anderem Hocker aus alten Olivenbüchsen. Sie kosten je 139 Franken.

(Bild: Susanne Keller)

2004 hatte Karin Yilmaz-Egger die Idee, aus alten Blechdosen Spielküchen für Kinder zu bauen. Damals lebte sie mit ihrem Mann Tibet Yilmaz noch in Berlin. Ein Jahr später zügelte das Ehepaar nach Bern, an die Bahnstrasse, und produzierte dort. 2005 präsentierten sie die Kinderküchen an der internationalen Designerausstellung «Blickfang» in Tokio. «Die Japaner sind schier ausgeflippt», erzählt Karin Yilmaz, «nicht nur Kinder, auch Frauen haben die Küchen gekauft.» Eine solche Spielküche kostet zwischen 150 und 300 Franken.

Seit dieser Woche haben Karin und Tibet Yilmaz mit ihrem Atelier «Rafinesse&Tristesse» an der Brunngasse ein neues Zuhause gefunden. Längst fabrizieren die beiden nicht nur Kinderküchen. Aber die Grundelemente sind geblieben: alte XXL-Olivendosen, die Tibet Yilmaz bei Produzenten und Verbrauchern in der ganzen Schweiz vor der Verschrottung rettet. «Zu Beginn musste ich für die Dosen noch bezahlen, heute rufen sie mich an und sind froh, dass ich sie gratis abhole.» Aus diesen Blechdosen entstehen unter anderem Hocker und Sitzbänke. «Die Dosen werden innen mit Holz verstärkt», sagt Karin Yilmaz. Die Deckel, die als Sitzfläche dienen, sind mit Stoff- und Wachsfolien überzogen. «Die Möbel sind stabil», sagt sie, «da kann sich auch ein 100-Kilo-Mann daraufsetzen.»

Der neue Laden an der Brunngasse ist Verkaufsgeschäft und Produktionswerkstatt in einem. An den Wänden hängen auch diverse Accessoires, die aus den ausrangierten Dosen hergestellt wurden: Magnettafeln, Postkartenschienen, Schlüsselanhänger, Halter für Notizzettel und Halter für WC-Rollen.

Das «Handmade-Recycling»-Unternehmen arbeitet mit sozialen Institutionen zusammen, mit der Holz- und Textilwerkstatt Triva sowie dem Arbeitslosenprojekt Terra Veccia.

«Fast alles, was wir machen, sind Unikate», erklärt Karin Yilmaz. Vereinzelt würden auch kleinere Serien angeboten. Anbieten möchten sie künftig noch etwas anderes, nämlich Kaffee und kleine türkische Spezialitäten (Tibet Yilmaz ist gebürtiger Türke). Aber noch sei es nicht so weit. Eine Baubewilligung sei erst eingereicht, das Bewilligungsverfahren laufe noch.

Berner Zeitung

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