Bern

Sie regeln sogar das Biertrinken

BernHeuer wird die Studentenverbindung Concordia 150 Jahre alt. Seit ihren Anfängen haben die Concordianer viele Traditionen bewahrt – unter anderem das Bierkomment.

<b>Eine bierselige Runde:</b> Die Mitglieder der Studentenverbindung Concordia treffen sich zum Stamm im Restaurant Beaulieu in Bern.

Eine bierselige Runde: Die Mitglieder der Studentenverbindung Concordia treffen sich zum Stamm im Restaurant Beaulieu in Bern. Bild: zvg

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Manch einer denkt beim Wort Studentenverbindung an Nächte mit alkoholgeschwängerter Luft, an eine Fülle von Benimmregeln und an Namen wie aus der Pfadi. Mark Kobel, Präsident der Männer-Concordia, kennt diese Vorurteile. «Die Verbindung gibt es aber nicht, damit man sich sinnlos betrinkt», sagt er lachend. Eine Verbindung sei da, um Freundschaften zu schliessen, den Austausch über Generationen zu pflegen und Kontakte für später zu knüpfen.

Traditionen werden belebt

Seit genau 150 Jahren hat sich die Concordia Bern diesen Zielen verpflichtet, womit sie zu den ältesten Studentenverbindungen der Stadt gehört. 1862 gründeten fünf Juristen das «juristische Kränzchen», um sich gegen ein verschärftes Prüfungsreglement zu wehren. Zwei Jahre später entstand daraus die Concordia.

Seither leben die Mitglieder stets in einem Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Denn Traditionen werden in der Concordia grossgeschrieben. «So sind wir eine reine Männerverbindung geblieben», sagt Mark Kobel. Zu den etablierten Regeln, welche die Concordia hegt und pflegt, gehören beispielsweise Kleidervorschriften bei Anlässen. «Sich in Schale zu werfen, empfanden die Leute 1968 als strenge Regel, heute gehen einige Juristen sogar freiwillig mit der Krawatte in den Vorlesungssaal», sagt Kobel.

Auch der Bierkomment stammt aus den Anfängen der Verbindung, ein ausführliches Regelwerk, das die geselligen Stunden am Stammtisch formt. Komplizierte Regeln rund um das Zutrinken und Antrinken sind hier festgehalten. «Der primäre Zweck des Komments ist es, den Bierkonsum der anderen zu kontrollieren und falls nötig zu drosseln», sagt Kobel. Dass ein Fuxe, der in der Hierarchie niedriger steht, für die Burschen Bier holt, ist ebenfalls eine Tradition, die sich bis jetzt gehalten hat. Oder auch die Bierminuten, deren fünf drei normale Minuten ergeben. Mit den Jahren und dem technischen Fortschritt haben sich die Vorschriften rund um den Stamm jedoch auch geändert. Beispielsweise wird SMS-Lesen am Tisch seit 2009 mit einem halben Bier bestraft.

Kauf eines Hauses

«Wenn Traditionen als Traditionen gelebt werden, ist das ihr Tod», sagt Kobel. «Deshalb beleben wir sie neu und entwickeln sie weiter.» Unter anderem hat sich die Verbindung im Vergleich zu früher stark nach aussen geöffnet. So pflegt die Concordia seit 20 Jahren einen Austausch mit der finnischen Verbindung «Nyländska Nationen».

Ebenfalls einen Schritt in die Zukunft wagte die Concordia 1966 mit dem Kauf eines Hauses an der Postgasse 47 in der Altstadt. Bis heute können Studenten (und Studentinnen) der Uni Bern hier wohnen.

Die Regeln und die Traditionen der Verbindungen würden viel zu deren Mystik beitragen, sagt Mark Kobel. «Aber eigentlich sind sie marginal.» Wenn er an seine Zeit in der Verbindung zurückdenke, dann ist ihm primär die Geselligkeit wichtig: die Wanderungen, die gemeinsamen Ausflüge, das Gokart-Fahren in Lyss. Dazu wird vermutlich der heutige Tag kommen: Um das Jubiläum zu feiern, marschieren rund 50 Mitglieder am Nachmittag auf den Niesen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.09.2012, 11:45 Uhr

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