Schweizer Rekord: Nirgendwo fiel so viel Regen wie in Berner Dorf

Im bernischen Mülchi sind in den letzten knapp 48 Stunden 121 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Das ist Schweizer Rekord.

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121 Liter pro Quadratmeter – so viel Regen prasselte von Montagmittag bis Mittwochmorgen im 250-Seelen-Dorf Mülchi (Gemeinde Fraubrunnen) nieder. Das ist mit Abstand der höchste Wert, der in den letzten Tagen schweizweit gemessen wurde. Zum Vergleich: Am zweitmeisten regnete es seit Montag laut «Meteonews» im freiburgischen Marsens. Dort fielen jedoch «nur» 96 Liter pro Quadratmeter.

Fraubrunnens Gemeinderatspräsident Urs Schär sagte auf Anfrage, es habe trotz des vielen Regens keine unmittelbaren Schäden in Mülchi gegeben. Weder Feuerwehr noch Werkhof hätten ausrücken müssen.

«Mehr als die Hälfte der Monatsmenge»

Bereits diese Regenmenge ist allerdings aussergewöhnlich: «An diversen Stationen sind zwischen 60 und 100 Liter Regen gefallen, das ist teilweise mehr als die Hälfte der durchschnittlichen Monatsmenge», schreibt «Meteonews» in einem Communiqué vom Mittwochmorgen.

Aussergewöhnlich viel regnete es im Kanton Bern ausserdem noch in Koppigen (77 Liter pro Quadratmeter), in Wynau (74 Liter pro Quadratmeter), auf dem Napf (71 Liter pro Quadratmeter) sowie in Thierachern und Langnau im Emmental (je 65 Liter pro Quadratmeter).

Besonders zu spüren bekam die grossen Regenmengen der letzten Tage der Oberaargau: Am Dienstag traten viele Gewässer über die Ufer, darunter die Oenz, der Stauffenbach oder die Dorfbäche von Madiswil und Melchnau. Letzterer flutete die Dorfstrasse. An verschiedenen Orten kam es zudem zu Murgängen.

Hoher Aarepegel

Die heftigen Regenfälle vom Dienstagabend liessen auch etliche Flüsse und Bäche im Kanton anschwellen. So beförderte die Aare in Bern-Schönau am frühen Mittwochmorgen bis zu 340 Kubikmeter Wasser pro Sekunde - den sechsthöchsten Wert in diesem Jahr gemäss Daten des Bundesamts für Umwelt. Dieser Wert liegt aber noch deutlich unter der Schadensgrenze. In diesem Jahr führte die Aare in Bern auch schon 390 Kubikmeter Wasser.

Schäden gab es hingegen durchaus da und dort: Die Kantonspolizei erhielt zwischen Dienstagabend und Mittwochmorgen 20 Schadenmeldungen aus dem ganzen Kanton. Mit zwölf kamen am meisten aus dem Raum Emmental-Oberaargau, wie Mediensprecherin Ramona Mock auf Anfrage sagte. Es handelte sich hauptsächlich um Wassereinbrüche in Keller.

Thunerseespiele: Vorpremiere abgebrochen

In Thun machte der Regen den Veranstaltern der Thunerseespiele einen Strich durch die Rechnung. Wegen Gewittergefahr hatten die Verantwortlichen die Vorpremiere des Musicals «Sugar – manche mögen's heiss» am Montag um einen Tag verschieben müssen.

Am Dienstag ging die Vorstellung dann über die Bühne, musste wegen heftigen Regenfällen aber bereits nach 30 Minuten wieder abgebrochen werden.

Vorerst kein Regenende in Sicht

Ein Ende des Regenwetters ist vorerst nicht in Sicht. Besonders in der Zentral-, Ost- und Südschweiz sagen die Meteorologen für Dienstagnachmittag intensive Niederschläge voraus.

cha/ngg/pd

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