Schöner wohnen für Fisch und Biber

Ferenbalm

Ein Umbau des Biberebachs in der Mühlematt wird Fischen helfen, dass sie stromabwärts schwimmen können. Gleichzeitig kriegt eine dort ansässige ­Biberfamilie mehr Raum.

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Das Rauschen der Bibera irritiert im ersten Moment, ist der Bach in der Ferenbalmer Mühlematt doch alles andere als ein Fluss. Aber an zwei Stellen fliesst das Gewässer über 2,7 Meter hohe Schwellen und ist damit so verbaut, dass Fische darin blockiert sind. Sie können nicht stromabwärts schwimmen und Laichplätze suchen.

Diese Situation soll sich mit dem neuen Projekt von Pro Natura ändern. Mehr Lebensraum erhalten nicht nur die Bachforellen und Groppen, sondern auch eine Biberfamilie, die seit rund zehn Jahren in der Mühlematt lebt und mit ihrer Bautätigkeit für Überschwemmungen gesorgt hat.

In diesen Tagen haben die beiden betroffenen Kantone Bern und Freiburg die Baubewilligung erteilt, denn das betroffene Grundstück liegt zwar auf Berner Boden, aber die Bibera bildet die Kantonsgrenze zu Freiburg. Die ersten Arbeiten sollen noch in diesem Jahr starten. Die Kosten sind mit 1,7 Millionen Franken veranschlagt. Bund und Kanton übernehmen diese gemeinsam mit den Renaturierungs- und Ökofonds von EWB, BKW und Pro Natura. Die Gemeinde Ferenbalm trägt keine Kosten, unterstützt das Projekt aber adminis­trativ, erstellt, bearbeitet und ­verschickt Gesuche und Verfügungen.

Aufwendige Arbeiten

Peter Lakerveld Verantwortlicher des Pro-Natura-Projekts «Hallo Biber!» Mittelland, und Projektleiter Peter Haessig zeigen auf einem Rundgang das Gebiet, das zu einem geschützten Lebensraum für Tiere und Pflanzen werden soll. Die Mühlematt liegt weitab von menschlichen Siedlungen. Hier fliesst der Mühlikanal in die Bibera, allerdings ist er so verlandet, dass Fische nicht in die Bibera aufsteigen können. Deshalb wird der Kanal ausgebaggert und mit einem neuen Zufluss in die Bibera geleitet.

Zwischen Mühlikanal und Bibera liegt ein 3,1 Hektaren grosses Grundstück, das Pro Natura einem Landwirt abgekauft hat. «Ziel der Renaturierung ist, die Biber als Projektpartner einzuspannen. Sie sollen Dynamik in die Landschaft bringen», sagt Peter Lakerveld. Dies zu ermöglichen, dazu sind aufwendige Arbeiten nötig: Da die Mühlematt künftig teilweise unter Wasser stehen soll, wird das Gelände modelliert: Ein Geländekamm und ein Graben sollen dafür sorgen, dass das Grundstück in einen nassen und einen trockenen Bereich unterteilt wird. Zudem werden Laichgewässer für Amphibien geschaffen, insbesondere für den Laubfrosch.

18 Becken für die Fische

Damit sich die Fische fortbewegen können, werden in der Bibera auf einer Strecke von 100 Metern 18 Becken gebaut, die nur 14 Zentimeter hoch sind. Dies ermöglicht den Fischen, darüber zu schwimmen, auch den Groppen, die sich meist am Grund aufhalten und weniger wendig sind als die Bachforellen. «Die Becken werden so gross, dass die Fische darin leben und hoffentlich auch laichen werden», erklärt Peter Hässig. Damit die Fische die Becken als Lebens- und Laichraum akzeptieren, wird der Boden mit Kies belegt und teilweise mit grösseren Steinen und Wurzelstöcken ausgestattet. So entstehen Fischunterstände, die auch Schutz vor Raubtieren bieten.

Wanderweg bleibt

Der bestehende Flurweg soll nach den Bauarbeiten wieder instand gesetzt werden. Eine Hecke entlang des Weges soll dafür sorgen, dass die Besucher auf der offiziellen Wanderroute bleiben. Peter Lakerveld ist überzeugt, dass bis in einigen Jahren die Artenvielfalt in der Mühlematt erheblich grösser sein wird als ­heute. Diese Entwicklung soll mit dem Setzen standortgerechter, feuchtigkeitsliebender Pflanzen unterstützt und gefördert ­werden.

Durch das Wiederherstellen der Fischgängigkeit und der Aufwertung des Gebiets wird auch der Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten stark verbessert. Die Projektverantwortlichen hoffen, dass sich Kleinsäuger ansiedeln und deren Feinde wie Wiesel, Iltis, Marder und Eulen anlocken werden.

Berner Zeitung

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