Riffenmatt

Schafscheid: 175 Schafe und Tausende von Festbesuchern

RiffenmattAm Donnerstag lockte die Schafscheid in Riffenmatt Tausende Besucher an. Nachdem das Volksfest letztes Jahr beinahe ohne Schafe stattgefunden hätte, sind die Tiere heuer wieder etwas zahlreicher vertreten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Leises Bimmeln kündet die Herde an, doch erkennen kann man erst einmal wenig. Dichter Nebel liegt über Riffenmatt. Nur langsam zeichnen sich die Konturen der Schafe ab, als sie kurz nach acht Uhr in der Früh Richtung Dorf zotteln. Ist man einmal in Sichtweite des Ortes, wird es hektisch: Zügig treiben die Hirten die Tiere an den Marktständen und den Schaulustigen vorbei in den zentralen Pferch. Alles wie gehabt an der Schafscheid, wo seit Jahrhunderten die Alphirten den Besitzern ihre Tiere zurückbringen? Nicht ganz, die Auseinandersetzung des letzten Jahres hat ihre Spuren hinterlassen.

Schafmangel

Im Sommer 2011 holte die Schafzuchtgenossenschaft Rüschegg ihre Tiere von der Alp und boykottierte öffentlichkeitswirksam die Schafscheid. Die Züchter verschafften damit ihrem Ärger über den Wolf Luft, der mehr als 40 Schafe gerissen hatte. Solange das Raubtier ihre Herden gefährde, drohten sie, würden sie ihre Schafe weder auf die Alp noch zur Schafscheid treiben. Darauf kam es in Riffenmatt zu der kuriosen Situation, dass das Volksfest beinahe ohne seine Namensgeber stattfand. Lediglich 80 statt der üblichen 500 bis 600 Tiere wurden im Dorf präsentiert.

Die Rüschegger Züchter bleiben auch der diesjährigen Schafscheid fern. Die gut 175 wollenen Vierbeiner auf dem Viehschauplatz in Riffenmatt gehören Züchtern der Genossenschaften Guggisberg und Uetendorf. Für Wilhelm Dürrenmatt, Präsident der Schafzuchtgenossenschaft Guggisberg, ist die Teilnahme an der Schafscheid mit oder ohne Wolf selbstverständlich: «Wir gehören hier einfach dazu.»

Erfolgreicher Herdenschutz

Von Mitte Mai bis Anfang September sömmerten Guggisberger und Uetendorfer ihre Herden gemeinsam auf dem Schafarnisch. Dabei wurden die Hirten erstmals von den Herdenschutzhunden Cindy und Hero unterstützt. Paul Bähler, seit 30 Jahren Hirt, ist von den Tieren beeindruckt. Er ist überzeugt: «Ohne diese Hunde wird es in Zukunft keine Schafhaltung in den Alpen mehr geben.» Am Anfang seien er und seine Kollegen skeptisch gewesen. Nun haben sie Mühe, sich von den beiden zu trennen, und hoffen, bald wieder mit ihnen arbeiten zu können. Denn die Hunde gehören nicht den Hirten, sie wurden vom Kanton zur Verfügung gestellt. In der Tat ist die Wirkung von Cindy und Hero beachtlich. Die Hirten haben zwar einen Wolf am Schafarnisch bemerkt, doch wurde nicht ein Tier gerissen.

Trotzdem ist Paul Bähler mit dem Sommer auf der Alp nicht glücklich. Neun Tiere sind auf der Alp verendet. Eines wurde vom Blitz erschlagen. Drei weitere starben nur Tage vor der Rückkehr ins Tal in einem Steinschlag. Das Leben am Berg ist für die Schafe auch ohne Wolf gefährlich.

Schafe hin oder her

Einen umso zufriedeneren Eindruck macht Marktchef Bruno Bracher. Dabei hat er alle Hände voll zu tun. Über 210 Stände bieten auch dieses Jahr vom alten Armeestiefel bis zur HD DVD eine Produktpalette an, für die sich ein städtisches Kaufhaus nicht zu schämen bräuchte. Obwohl Bruno Bracher seit halb vier Uhr morgens damit beschäftigt ist, den Marktfahrern aus der ganzen Schweiz ihre Plätze zuzuweisen, ist er gut gelaunt. Es freue ihn, dass die Besucher wieder ein paar Schafe mehr zu Gesicht bekämen. Viele seien im letzten Jahr enttäuscht worden, meint er. Der Gemeindeschreiber von Guggisberg, Ueli Gafner, sieht die Diskussion um die Schafe gelassener. Nach 350 Jahren habe der Anlass eine solche Tradition, dass er auch in Zukunft stattfinden werde. Schafe hin, Schafe her. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.09.2012, 09:53 Uhr

Artikel zum Thema

Der Wolf verdirbt das Fest

Riffenmatt Statt Glockengebimmel gabs böse Worte: Am gestrigen Schafscheid zogen nur etwa 40 Schafe ein – wegen des Wolfs wurden 400 Tiere schon im Juli von der Alp geholt. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

Spielen Patent Ochnser am Gurtenfestival 2019?

Michèle & Friends Wie hiess das früher? Der Ü-40-Gedächtnistest

Abo

Die ganze Region. Im Digital-Light Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...