Serie «Unikum und Original»

Sbiti: Ein Leben in einer Parallelwelt

Serie «Unikum und Original»Der Berner Maler Sbiti illustriert Texte des Dichters Christian Schrämli alias Alain Wafelmann. Nach dem ersten Gedichtband erscheinen im Herbst Erzählungen.

Der Maler und der Dichter: Sbiti Abdel Hai (links) und Christian Schrämli.

Der Maler und der Dichter: Sbiti Abdel Hai (links) und Christian Schrämli. Bild: Andreas Blatter

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Er ist diplomierter Bauingenieur. Er hat Mathematik studiert und sich einen Master of Science erworben. Und er ist wieder Student: Der 41-jährige Christian Schrämli studiert an der Universität Bern jetzt noch Germanistik und klassische Philosophie. Seinen letzten Job hat er vor 2 Jahren an den Nagel gehängt – einen soliden, gut bezahlten als Verantwortlicher für Geografische Informationssysteme bei der Swisscom.

Christian Schrämli macht jetzt das, was – wie er sagt – «seit frühster Jugend stets als Parallelwelt neben meinem Leben lief»: Literatur. «Diesen kleinen Schritt, vom Traum zur Wirklichkeit, musst du tun.» Diesen Schritt hat er nun getan und einen Gedichtband im Eigenverlag bereits veröffentlicht: «So musst’ ich schreiben» hat Christian Schrämli, dem Charms und Walser nahestehen, unter dem Pseudonym Alain Wafelmann herausgegeben.

Im Herbst erscheint ein zweiter Band, es sind Erzählungen, Gedichte, Textsplitter. Und auch dieses Buch wird wie der Gedichtband kongenial illustriert sein, mit Bildern des Berner Künstlers Sbiti. Eben jener, der seit Jahren mit bemalten Packpapierrollen unter dem Arm durch die Berner Gassen schlendert und seine Bilder Beizengästen und Passanten für wenig Geld verkauft.

Sbiti in Museen und Galerien

Sbiti Abdel Hai, so sein richtiger Name, ist ein Unterschätzter. Der 49-jährige gebürtige Tunesier hat an der Universität in Tunis Kunstwissenschaften studiert. Vom Ausstellungsmacher Harald Szeemann gefördert, konnte er als 24-Jähriger seine Werke im Berner Kunstmuseum ausstellen. Seine Bilder wurden unter anderem auch im Zentrum Paul Klee, im Musée de l’Elysée (Lausanne) sowie in renommierten Galerien (u. a. Eric Franck, Genf) präsentiert. Sbitis Bilder wurden für mehrere 1000 Franken gehandelt. In der City Galerie in Bern wird aktuell eines zu einem Richtpreis von 60'000 Franken angeboten. Des Künstlers Philosophie ist, dass «Kunstliebhaber jeglicher Geldbörse» auch Zugang zu seiner Kunst haben.

Gemeinsame Ausstellung

«Wir kennen einander schon seit ewigen Zeiten», sagt Christian Schrämli. Und Sbiti meint: «Christian hat mich wie ein Mäzen unterstützt.» Zur Zusammenarbeit kam es, als der Maler den Dichter auf der Münsterplattform ansprach, wie es mit dem Schreiben gehe. Christian Schrämli gab Sbiti die Gedichte zum Lesen – und sie kamen überein, dass der Maler sie illustriert. Das Gedruckte ist freilich keine einträgliche Geldquelle für Schrämli. Als Selbstständigerwerbender berät er Firmen punkto Unternehmensethik und -philosophie, gibt Seminare und ist Ghostwriter für Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Die Zusammenarbeit mit dem Maler Sbiti, Bilder und Texte, sähe Christian Schrämli alias Alain Wafelmann gern in einer gemeinsamen Ausstellung. «Wo?» – die Frage ist offen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.07.2012, 14:11 Uhr

Serie «Unikum und Original»

Wer die Innenstadt von Bern kennt, dem sind sicherlich auch schon die Stadtoriginale aufgefallen. Nicht nur Sbiti mit seinen Zeichnungen, es gibt noch andere Menschen, denen man immer wieder in den Gassen begegnet. Lesen Sie am Donnerstag und Freitag über weitere bekannte Berner. Kennen Sie noch andere? Schreiben Sie an claudia.salzmann@bernerzeitung.ch.

Das Buch

Alain Wafelmann, «So musst’ ich schreiben», Verlag Gottardi, 18 Illustrationen von Sbiti, 25 Franken.

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