Sanierung der BIO-Pensionskasse kostet 42 Millionen Franken

Bolligen/Ittigen/Ostermundigen

Bolligen, Ittigen, Ostermundigen und Jegenstorf müssen tief in die Tasche greifen: Die Sanierung ihrer Pensionskasse schlägt mit 42,5 Millionen Franken zu Buche. Davon entfallen über 21 Millionen auf die Gemeinden.

Standen Rede und Antwort: Rudolf Burger (Bolligen), Marco Rupp (Ittigen), Ursula Lüthy (Ostermundigen), Richard Holzäpfel (Jegenstorf) sowie Pensionskassenexperte Thomas Keller (von links).

Standen Rede und Antwort: Rudolf Burger (Bolligen), Marco Rupp (Ittigen), Ursula Lüthy (Ostermundigen), Richard Holzäpfel (Jegenstorf) sowie Pensionskassenexperte Thomas Keller (von links).

(Bild: Susanne Keller)

Stephan Künzi

21 Millionen Franken. So viel sollen Bolligen, Ittigen, Ostermundigen, Jegenstorf und die angeschlossenen Institutionen in die Pensionskasse BIO einschiessen. Einmalig – dazu wiederkehrende Sanierungsbeiträge, die sie als Arbeitgeber gemeinsam mit den Arbeitnehmern tragen.

Am Dienstag traten Vertreter des Stiftungsrats vor die Medien und erklärten, wie sie ihre Kasse sanieren wollen. Umstrittene Anlagen hatten diese genauso in arge Schieflage gebracht wie Turbulenzen an den Finanzmärkten, mit einem Deckungsgrad von aktuell 80,1 Prozent gehört sie zu den Schlusslichtern im ganzen Land. Schon länger steht deshalb fest, dass es so nicht weitergeht – nun rechneten die Verantwortlichen erstmals vor, was das Ganze konkret kostet.

Den Hauptharst der 21 Millionen tragen die vier Gemeinden. Auf Ostermundigen entfallen davon 8 Millionen, auf Ittigen 4,2 Millionen, auf Bolligen 2,1 Millionen und auf Jegenstorf 1,1 Millionen. Entsprechend wird das letzte Wort an der Gemeindeversammlung oder an der Urne fallen, je nachdem mit vorgängiger politischer Debatte im Gemeindeparlament.

Wer wie viel blutet

Im Sanierungsplan sei es darum gegangen, eine Balance zwischen den Ansprüchen der Angestellten und den Möglichkeiten der Gemeinden und Institutionen zu finden, führte Stiftungsratspräsidentin Ursula Lüthy aus. Die Gemeinderätin aus Ostermundigen machte klar: Auch die Angestellten sollen ihren Teil zur Sanierung beitragen. Sie müssen auf 2017 einen Wechsel vom sogenannten Leistungsprimat zum Beitragsprimat hinnehmen, in ein System also, in dem sich die Renten nicht mehr am letzten Lohn, sondern nur noch am effektiv angesparten Kapital bemessen. Damit fallen sie tendenziell leicht tiefer aus.

Die weiteren Schritte erläuterte der beigezogene Pensionskassenexperte Thomas Keller. So werden die Guthaben ab 2017 nicht mehr mit 3 bis 3,5 Prozent verzinst, sondern gar nicht mehr. Dies gilt so für sechs Jahre. Schon auf 2016 steigen die Sanierungsbeiträge, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber seit 2009 zahlen. Statt 2 sind neu 6 Prozent fällig. Dies gilt so für sieben Jahre und endet ebenfalls mit dem Jahr 2022, wenn die Kasse wieder auf gesunden Füssen stehen soll.

Die Angestellten sollen bei alledem nicht zu sehr bluten. So übernehmen die Arbeitgeber neu einen grösseren Teil der Pensionskassenbeiträge. Wer wenig verdient, zahlt zudem seinen Beitrag auf einem höheren Lohnanteil, womit die Rente steigt. Spezielle Zuschüsse für Leute über 50 Jahre sollen den Leistungsabbau bei den Renten abfedern. Diese letzte Massnahme soll – im Gegensatz zu allen anderen – für die Gemeinden und Institutionen freiwillig sein.

Alles in allem werde die Sanierung mit 42,5 Millionen Franken zu Buche schlagen, schloss Keller – zulasten eben von Gemeinden, Institutionen und Versicherten. Wie geht es weiter? Bis Ende Juni haben die angeschlossenen Institutionen Zeit, sich zum vorgeschlagenen Sanierungsplan zu äussern. Bis Ende Jahr sollen sich zuerst der Stiftungsrat und dann die Gemeinderäte definitiv festlegen, bis Mitte 2016 fallen dann die Entscheide an Urne oder Gemeindeversammlung.

Auch eine Alternative

Als Lüthys Nachfolger wurde am Dienstag noch Marco Rupp vorgestellt. Der Gemeindepräsident aus Ittigen übernimmt das Stiftungsratspräsidium Mitte Jahr, und er sagte offen, dass es neben der Sanierung im Alleingang als Alternative auch den Anschluss an eine Sammelstiftung gäbe. Die Kasse müsse aber auch dann saniert werden. «Das würde ähnlich viel kosten.»

Berner Zeitung

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