Sabrina Held muss den Pinsel so exakt wie möglich führen

Zwölf junge Frauen und zwei Männer wollen den Titel des besten Malers der Schweiz gewinnen. Sabrina Held aus Rüegsau im Emmental hat sich intensiv ­vorbereitet und weiss genau, ­worauf es ankommen wird.

Malerin Sabrina Held aus Rüegsau übt für die Berufsmeisterschaften.

Malerin Sabrina Held aus Rüegsau übt für die Berufsmeisterschaften. Bild: Beat Mathys

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Es riecht nach frischer Farbe. Sabrina Held steht auf einer ­Leiter auf der Baustelle in Oberburg. Weisse Flecken zieren ihre schwarzen Schuhe. Mit einer ruhigen Hand bemalt sie den Türrahmen. Es ist einer der letzten Arbeitstage vor einem Höhepunkt in ihrer noch jungen ­Berufskarriere.

Ab morgen wird sie an den Berufsmeisterschaften Swiss Skills auf dem Bernexpo-Gelände ihre Fertigkeiten zeigen. Sie tritt gegen dreizehn Malerinnen und Maler aus der ganzen Schweiz an.

Präzision ist entscheidend

«Ich bin aufgeregt. Meine ­Konkurrenz ist stark, aber ich ­habe viel geübt», sagt Sabrina Held, die in Rüegsbach wohnt. Im August hat sie mit ihren Berufskollegen an einem Trainingslager teilgenommen. Dort übten sie zum Beispiel das exakte Tapezieren gemeinsam mit Experten. Seither trainiert die 18-Jährige jeden Abend mit ihrer Chefin Beatrice ­Hofer-Jakob, um sich auf die Swiss Skills vorzu­bereiten.

Bereits heute können die ­Malerinnen und Maler ihre Wände auf dem Bernexpo-Areal individuell vorbereiten und so den perfekten Untergrund für den Wettkampf schaffen.

Zu ihren Aufgaben ­gehört es unter anderem, eine Türe zu streichen und einen exakten Farbverlauf zu kreieren. Sauberes Abkleben ist hier entscheidend. Eine ­hohe Präzision gibt viele Punkte, die Zeit dagegen ist weniger entscheidend.

In zwei Speedwettbewerben müssen die Teilnehmer aber auch zeigen, dass sie schnell arbeiten können. Sie bekommen die Aufgabenstellung erst zwanzig Minuten vor dem Wettkampf­beginn und ­müssen in kurzer Zeit ein Konzept aufstellen.

Schnuppern hilft

An den letzten Swiss Skills in Bern im Jahr 2014 nahm ein Arbeitskollege von Sabrina Held teil. Deshalb besuchte sie bereits damals die Berufsmeisterschaft. Dort beschloss sie, dass sie bei den nächsten Swiss Skills teilnehmen will. «Ich bin sehr zielstrebig und messe mich gerne mit anderen.»

Ihre Berufswahl stand nicht von Anfang an fest: «Ich konnte mich lange Zeit für keine Lehre entscheiden und habe viel geschnuppert.» Schliesslich fiel ­ihre Wahl auf den Malerberuf. Aufgrund dieser Erfahrung findet sie die Swiss Skills eine tolle Idee: «Die Berufsmeisterschaft hilft den ­Jugendlichen, einen Einblick in die verschiedenen Berufs­felder zu erhalten.»

Viele Malerinnen

Diesen Sommer schloss Sabrina die dreijährige Lehre beim Gipser- und Maler­geschäft Jakob in Oberburg ab. Bis auf weiteres will sie in diesem Betrieb bleiben und Weiterbildungs­kurse für Dekoration besuchen.

«Das Schöne am Malerberuf ist, dass ich am Ende des Tages ein Ergebnis sehe und den ­Kunden so glücklich machen kann», sagt sie. Ihre Haupttätigkeit ist das Streichen von Wänden, Fassaden sowie das Spritzen von Radiatoren und Fenster­läden. Die Arbeit erfordere eine ­gewisse Flexibilität, da jede Baustelle anders sei und manchmal auch längere ­Anfahrtswege nötig seien.

Der Anteil der Frauen im ­Malerberuf beträgt gemäss der Lehrlingsstatistik rund 40 Prozent. «Viele Malereibetriebe ziehen Frauen vor, da sie exakter arbeiten», sagt Sabrina Held. Im Teilnehmerfeld an den Swiss Skills sind die Frauen klar übervertreten: Zwölf Frauen und zwei Männer werden um den Sieg ­malen.

Ein Platz in der ersten Hälfte

Manchmal sagt Sabrina Held ­Sätze wie eine Spitzensportlerin, ­etwa wenn sie ihre Zielsetzung formuliert: «Ich möchte am Ende sagen ­können, dass ich mein ­Bestes ­gegeben habe.» Ihr persönliches Ziel sei es, unter die besten sechs zu kommen. Falls es gar für den Sieg reichen sollte, kann sie in einem Jahr an den ­Berufswelt­meisterschaften in Russland teilnehmen. Sie hofft auch, sich selbst durch die Teilnahme besser kennen zu lernen: «Ich möchte durch den Wettbewerb meine Stärken und Schwächen besser erkennen», sagt sie.

Mittlerweile ist die weisse ­Farbe getrocknet. Sabrina Held steigt von der Leiter und begutachtet zufrieden ihr Werk. Und zum Schluss sagt sie mit einem gewissen Stolz auf ihren Beruf: «Die Malerei ist ein wichtiges Handwerk, da es nicht durch ­Maschinen ersetzt werden kann.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.09.2018, 09:41 Uhr

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