SBB lehnen BLS-Schalter im Bahnhof Bern ab

Die SBB bleiben hart: Die BLS darf im Bahnhof Bern keinen eigenen Schalter eröffnen. Es gebe in Bern bereits drei Schalter, an denen die Kunden Billette für den öffentlichen Verkehr kaufen könnten.

Der BLS-Chef Bernard Guillelmon.

Der BLS-Chef Bernard Guillelmon.

(Bild: Keystone)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Zwischen der Bundesbahn SBB und der BLS, der Betreiberin der Berner S-Bahn, besteht ein Konflikt, der bislang unter dem Deckel gehalten wurde: BLS-Chef Bernard Guillelmon sagte im Montagsinterview, es störe ihn «extrem», dass die BLS im Bahnhof Bern keinen eigenen Schalter und auch kein Reisebüro betreiben könne. Auch ein Logo dürfe die BLS nirgends anbringen. Der Hintergrund: Die Spitze des Berner Bahn legt immer stärker Wert darauf, dass die BLS wie ein Privatunternehmen und nicht als Staatsbetrieb wahrgenommen wird. Dazu gehört auch ein visueller Auftritt.

Doch der BLS-Chef findet bei den SBB mit seiner Forderung kein Gehör: «Der Bahnhof Bern besitzt bereits heute drei unterschiedliche Schalter für Kunden. Wir sind der Meinung, dass weitere Schalter einer weiteren Unternehmung keinen Kundennutzen bringen», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Die SBB deckten den Verkauf für Kunden aller normalspurigen Bahnen ab, Postauto tue dies bei der Postautostation für den Busverkehr und der RBS für seine Kunden im RBS-Bahnhofsteil. Die SBB erachten einen BLS-Schalter als unnötig, weil die SBB das Gesamtsortiment des öffentlichen Verkehrs für alle 250 am sogenannten direkten Verkehr beteiligten Bahnen verkaufe.

Das Gegenbeispiel Spiez

Zudem dreht der SBB-Sprecher den Spiess um und führt als Beispiel den Bahnhof Spiez an, in dem die BLS den Verkaufsschalter betreibt: «Wir kommen unsererseits auch nicht auf die Idee, in Spiez einen Schalter zu eröffnen, obwohl wir in Spiez mit unseren Zügen einen Marktanteil von 50 Prozent erreichen», sagt Ginsig. Und dann fügt er an: «Nicht das Interesse der Bahnen, sondern dasjenige der Kunden sollte im Mittelpunkt aller Überlegungen stehen.» Und nach Einschätzung der SBB seien die Berner Kundinnen und Kunden mit den Dienstleistungen der heutigen drei Anbieter zufrieden.

BLS-Chef Bernard Guillelmon interpretiert die Haltung der SBB wie folgt: «Die SBB scheuen offenbar eine zu starke Präsenz der BLS im Bahnhof Bern.» Die BLS hat indes keine Handhabe, denn der Bahnhof Bern gehört den SBB. Da stellt sich die Frage, ob die SBB ihre Machtposition ausnützen? Doch davon will der SBB-Sprecher nichts wissen: «Es ist unsere Verantwortung, für die Kunden ein gutes Gesamtsystem anzubieten und nicht ein Denken in Streckennetz und Bahngesellschaften zu fördern.»

Auch keine Perronanschriften

Weiter wünscht sich der BLS-Chef, dass die Bahn die Perrons anschreiben kann, welche sie alleine nutzt. Doch auch hier winken die SBB ab: «Wir haben normierte Anschriften, damit sich alle Gäste – auch solche aus dem Ausland – problemlos zurechtfinden», betont Ginsig. Die SBB seien hier gegen ein «Sonderzüglein». Man wolle auch keine Signete für TGV-Lyria-Züge oder deutsche ICE-Züge einführen. Der Vorteil des heutigen Systems bestehe darin, dass jeder Kunde die blauen Anzeigetafeln und Piktogramme in Bahnhöfen kenne. «Wir sind der Meinung, damit ein einfaches und transparentes Informationssystem anzubieten», so der SBB-Sprecher.

Schliesslich äusserte BLS-Chef Guillelmon die Befürchtung, dass die SBB die in vielen Bahnhöfen nötigen Perronverlängerungen nicht erstellt haben werden, wenn die BLS ihre neue Generation von Zügen in Betrieb nehmen wird. «Die SBB ist mit der Planung und Projektierung nicht in Verzug», betont SBB-Sprecher Ginsig. Die notwendigen finanziellen Mittel seien aber noch nicht definitiv gesichert. In der laufenden Wintersession entscheide der Nationalrat über einen Kredit von 140 Millionen Franken.

Berner Zeitung

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