Rikscha-Fahrer: «Berner lieben mein Taxi»

Bern

Ab Ende April können Touristen die Stadt Bern mit der Fahrrad-Rikscha erkunden. Bernerzeitung.ch/Newsnetz war mit dem Fahrer Sohan Lal aus Indien auf Tour. Er sammelte bereits Erfahrung in seinem Heimatland.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Kommt Sohan Lal mit seinem Gefährt angefahren, bleiben Menschen stehen, blicken ungläubig und fangen an zu lächeln. Der gebürtige Inder Sohan Lal fährt seit Ende März mit der Fahrrad-Rikscha durch die Berner Innenstadt. «Die Leute sind begeistert von meiner Rikscha», erklärt der Fahrer Lal stolz. Obwohl es die Rikscha seit 2008 in Bern gibt, sorgt sie noch immer für Aufsehen. Sohan Lal kurvt durch die Gassen und fängt mit vielen Passanten einen Schwatz an. Nach sieben Jahren in der Schweiz hat er endlich sein Glück gefunden. «Irgendetwas fehlte mir noch», erklärt der gebürtige Inder. Privat hat er alles: Er ist verheiratet und Vater zweier Töchtern. Mit seiner Familie wohnt er im Breitenrain-Quartier.

Als er Ende März als Rikscha-Taxifahrer anfing, wusste er: «Genau das ist es.» Seit er in der Schweiz lebt, sei er stets in Gastrobetrieben angestellt gewesen. «In Indien war ich immer draussen und habe Leute getroffen. Nun kann ich das auch hier», freut er sich. Das Einzige, was ihm hier fehle, sei mehr Sonnenschein. Als 15-Jähriger habe er als Fahrrad-Rikscha-Fahrer in der indischen Hauptstadt Delhi angefangen, mit 17 Jahren habe er sich eine Occasions-Motorrikscha kaufen können.

Berner anstatt heilige Kühe

In Indien hatte er auch mit anderen Hindernissen auf der Strasse zu kämpfen, beispielsweise mit heiligen Kühen und den vielen Menschen, die sich nicht an Regeln halten. In Bern gehe es gemütlicher zu und her. «90 Prozent meiner Kunden sind Berner», erklärt der 35-Jährige. Einem Hochzeitspaar habe er zu ihrem speziellen Tag eine Fahrt geschenkt, sonst verkauft er seinen Service ab mindestens fünf Franken. Neu hat seine Rikscha eine Batterie drin, damit er auch Routen in die Matte und ins Länggass-Quartier machen kann.

Ab Ende April kann man Sohan Lal und weitere Rikscha-Fahrer für Sightseeing-Touren buchen (siehe Box). Das Fahrrad bietet Platz für zwei Personen und fährt maximal 12 km/h. «Langsamer bin ich, um den Hügel in die Länggasse zu überwinden», erklärt Sohan Lal. Abgeholt zur Stadtrundfahrt werden die Kunden vom Rikscha-Fahrer bei der Touristeninformation im Bahnhof. Neben dem Fahrerlebnis erhalten die Gäste Informationen zur Berner Altstadt und den Sehenswürdigkeiten per iPod.

Berner Zeitung

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