Riggisberg macht es Köniz vor

Köniz stimmt am 14. Juni über strengere Energievorschriften beim Bauen ab. Riggisberg hat praktisch die gleichen Regeln schon seit zwei Jahren – und damit bis jetzt keine Probleme gehabt.

«Energiefragen sind bei uns selten umstritten»: René Grimm, Riggisberger Energiebeauftragter.

«Energiefragen sind bei uns selten umstritten»: René Grimm, Riggisberger Energiebeauftragter.

(Bild: Urs Baumann)

Lucia Probst

70 zu 30 Prozent wären es künftig in Köniz. In Riggisberg gelten bereits 67 zu 33. Seit zwei Jahren ist im Baureglement der Gemeinde festgelegt, dass Neubauten und solche, die stärker erweitert werden, höchstens noch ein Drittel nicht erneuerbare Energie brauchen dürfen, um den Heiz- und Warmwasserbedarf zu decken. Nun möchte Köniz eine praktisch identische Regel einführen. Am 14. Juni stimmt die Bevölkerung darüber ab.

«Ich bin überrascht, wie wenig Probleme wir damit haben», sagt René Grimm, Riggisberger Energiebeauftragter. Rund 50 Baugesuche habe man seit der Einführung beurteilt, schätzt er. «Ich dachte, es gäbe bei vielen Projekten Opposition.» Doch bis jetzt hätten alle ohne Nachhaken der Gemeinde die Vorgaben erfüllt. Die Gemeindeversammlung habe den neuen Passus auch ohne Gegenstimme genehmigt. «Energiefragen sind bei uns selten umstritten», sagt Grimm. Und das, obwohl die Gemeinde politisch von der SVP dominiert ist. So ganz erklären kann er sich diese Dynamik manchmal selbst nicht.

In Köniz dagegen ist die auf Druck von parlamentarischen Vorstössen entwickelte Vorlage durchaus umstritten. Die Gegner um SVP und FDP argumentieren insbesondere, die härteren Regeln würden Altbausanierungen erschweren und damit dem Ziel zuwiderlaufen, Wohngebiete zu verdichten. Definiert ist: Bis zu fünfzig Quadratmeter neue Wohnfläche sind bei einer Sanierung möglich, ohne dass die neuen Regeln greifen. Oder es sind mehr Quadratmeter –aber weniger als ein Fünftel der bisherigen Wohnfläche. Auch dann gelten die Regeln nicht, solange die neue beheizte Fläche nicht über tausend Quadratmeter beträgt.

Fläche meist überschritten

René Grimm hat die Sanierungsprojekte bis jetzt nicht als besondere Knacknüsse erlebt. «Es gab einige Sanierungen», sagt er. Die meisten hätten die Flächenvorgaben überschritten. «Aber wir haben uns nie um Flächen gestritten.» So schildert er zum Beispiel ein Projekt, bei dem in den Ökonomieteilen eines Bauernhauses drei zusätzliche Wohnungen entstanden sind. Die Holzheizung für das Haus war so rudimentär, dass sowieso eine neue Heizungslösung nötig war. «Die Bauherrschaft hat dann auf eine Wärmepumpe gesetzt.» Saniere jemand ein Gebäude, gehöre die Heizung meist sowieso dazu, hat Grimm die Erfahrung gemacht.

Für rund vierzig Prozent der Haushalte serviert Riggisberg dabei die Lösung gleich auf dem Silbertablett: Im Dorfzentrum gibt es seit diesem Winter einen Wärmeverbund, der mit Holzschnitzeln aus der Region betrieben wird. Wer im Zentrum baut oder wesentlich erweitert, muss dort anschliessen. Ein zweiter Wärmeverbund um das Spital, das neue Altersheim und angrenzende Gebiete wird zurzeit geprüft. Damit wären laut Grimm bis zu 80 Prozent der Haushalte erfasst. Der Anschluss an den Wärmeverbund sei günstiger als der Einbau einer neuen Ölheizung, sagt Grimm. Wärmepumpen hingegen sind weit teurer in der Anschaffung. «Der Wärmeverbund im Zentrum hat sicher geholfen, den Energieartikel durchzubringen.»

Hausbesitzer unterstützen

Ab nächstem Jahr will Riggisberg mit einem Fonds Sanierungsprojekte zusätzlich fördern. «Wir möchten damit bewusst grössere Sanierungen auslösen, um unsere Energiesparziele zu erreichen», sagt Grimm. Dass man als Gemeinde die Hausbesitzer nicht alleine lässt, sondern sie so gut wie möglich unterstützt und dabei auch wirtschaftlich interessante Lösungen anbietet, gehört für ihn zum Riggisberger Erfolgsrezept. «Das rate ich auch Köniz.»

Berner Zeitung

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