Rentner investiert auf Schuldach

Landiswil

Die Gemeinde könnte es sich nicht leisten – wohl aber Privatmann Fritz Moser. Er baut für 230'000 Franken Fotovoltaikanlagen auf dem Schulhausdach. Er ist überzeugt, dass sein Geld gut angelegt ist.

430 Quadratmeter gross sind die Anlagen auf den Dächern der Schulanlage in Obergoldbach. Fritz Moser, rechts, ist der Initiant.<p class='credit'>(Bild: Hans Wüthrich)</p>

430 Quadratmeter gross sind die Anlagen auf den Dächern der Schulanlage in Obergoldbach. Fritz Moser, rechts, ist der Initiant.

(Bild: Hans Wüthrich)

Eigentlich könnte sich Fritz Moser zurücklehnen. Der 65-jährige hat sich vor zwei Jahren vorzeitig pensionieren lassen. Nun wurden ihm Lebensversicherung und dritte Säule ausbezahlt. 230'000 Franken. Ein Grossteil des Geldes investiert er in Fotovoltaikanlagen. «So ist mein Geld gut angelegt», ist Moser überzeugt. Genau dies will er nun beweisen. Mit der vor einem Jahr beantragten kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) geht Moser von einer Rendite zwischen sechs und sieben Prozent pro Jahr aus.

Die KEV garantiert bis zu 30 Rappen pro Kilowattstunde. Bis die KEV in vier bis fünf Jahren läuft, übernimmt die BKW 80 Prozent jenes Betrags, den die KEV dem Stromproduzenten, also Fritz Moser, bezahlen wird. Zudem könne er von einer Steuererleichterung profitieren. Alles in allem glaubt Moser an den Erfolg seines Projekts, das ihm sehr am Herzen liege. «Und ich tue noch etwas für die Umwelt», ergänzt der 65-Jährige.

Gemeinde profitiert in 22 Jahren und zahlt heute nichts

Auf den Dächern der Schulanlage in Obergoldbach liess der Rentner mehrere Anlagen bauen, die insgesamt 430 Quadratmeter gross sind. Mit diesen will er im Idealfall 64'500 Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren. Die Anlage auf den Schuldächern in Obergoldbach kann so mehr Strom erzeugen, als der Verbrauch der ganzen Schule beträgt. Das sagt auch Mike Frutiger von der Daniel Ruchti AG, welche die Anlage gebaut hat: «Schätzungsweise für acht bis neun Familienhaushalte kann so Strom ins Netz gespeist werden.»

Die Gemeinde Landiswil, der Obergoldbach angehört, steht hinter dem Projekt und überlässt Moser das Dach während 22 Jahren. Dann gehört das Kraftwerk auf den drei Dächern automatisch der Gemeinde. «Wir sind sehr stolz auf dieses Projekt», sagt Gemeinderätin Beatrice Aeschbacher. Ihrer Meinung nach müsste auf jedem neuen öffentlichen Gebäude eine Solar- oder Fotovoltaikanlage installiert werden.

«Den Gemeinden fehlen aber oft die Mittel», gibt sie zu bedenken. Ohne Privatinvestor hätten sie keine Anlage installiert. Die Gemeinde macht einen guten Deal. Die sowieso geplante Dachsanierung kommt Landiswil billiger zu stehen: Moser zahlt die Hälfte der Gerüstkosten. Die Gemeinde spare zudem Kosten für die Ziegel und den Schneefang, so Moser.

Im Keller erklärt Mike Frutiger der Schulhauswartin, der Gemeinderätin und Investor Fritz Moser, wie die Anlage funktioniert. Die Abwartin testet auch gleich, wie sie die fünf Wechselrichter ausschalten kann. Sie kippt die Schalter um. «Ganz einfach», sagt sie, während das Kraftwerk auf dem Dach vom Netz geht.

Denkmalschutz blockierte sein erstes Projekt

Eigentlich wollte der Rentner auf dem Dach seines Hauses in Obergoldbach Strom produzieren. «Doch dort konnte ich keine Anlage bauen – wegen der Auflagen des Denkmalschutzes.»

Jetzt habe er aber mit dieser Lösung auch für die Gemeinde, in der er aufgewachsen sei, etwas getan. In zehn bis fünfzehn Jahren wolle er die Anlage abbezahlt haben. Er hofft, dass sein Beispiel Schule macht.

Zur Anlage von Fritz Moser: www.obergoldbach.ch

Berner Zeitung

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