Reitschule will Leistungsvertrag nicht unterschreiben

Bern

Am Sonntag entschied die Reitschule, den einjährigen Leistungsvertrag mit der Stadt nicht zu unterschreiben. Dazu äusserten sich nun zwei Fraktionen des Stadtrats und die Zuständigen der Stadt.

Die Reitschule hat im Kollektiv beschlossen, den einjährigen Leistungsvertrag nicht zu unterschreiben.

Die Reitschule hat im Kollektiv beschlossen, den einjährigen Leistungsvertrag nicht zu unterschreiben.

(Bild: Claudia Salzmann)

An der Vollsammlung vom Sonntag wurde entschieden, den einjährigen Leistungsvertrag zwischen der Stadt Bern und der Reitschule nicht zu unterschreiben, wie die Mediengruppe der Reitschule mitteilt. Am Dienstag werde darüber an einer Medienkonferenz orientiert.

Damit wolle man «Raum schaffen» für konstruktive Gespräche über die Zukunft der Zusammenarbeit zwischen Stadt, Bevölkerung, Behörden und Reitschule – ausgehend von realen Problemen und Zuständen. Die Situation wolle man auch nutzen, um frischen Wind in die Beziehung mit der Stadt zu bringen.

Ein einjähriger Vertrag schafft aus Sicht der Reitschule eine unhaltbare Situation: Zum einen sei es so nicht möglich, das umfangreiche Kulturangebot zu planen. Zum andern wolle die Reitschule ihre Energie nicht in jährliche Vertragsverhandlungen, sondern in die kulturelle, soziale und politische Arbeit investieren.

Man wolle sich diesem Druck nicht beugen, heisst es weiter. Sondern man suche nun neue konstruktive Lösungen der Zusammenarbeit und werde weiterhin im Dialog mit den Stadtbehörden bleiben.

Ziel: einen langfristigen Vertrag

Dieser Entscheid bedeute aber nicht, dass die Miete nun ab 1. Januar 2012 unbeglichen bleibe. Der Betrag sei im Budget eingerechnet und vom Stimmvolk angenommen worden, erläutert Veronica Schaller, die Leiterin der Abteilung Kulturelles der Stadt Bern. «Der Betrag für das erste Quartal wird von der Stadt direkt an die Stadtbauten überwiesen.» Auch wenn noch kein Konsens zwischen der Reitschule und der Stadt herrsche.

Für Schaller sei wichtig, dass ein langfristiger Vertrag zustande komme und man möglichst bald das Gespräch miteinander suche. «Wir hatten die Hoffnung, dass der Stadtrat sich für den vierjährigen Vertrag ausspricht.» Daher habe man auch nicht präventiv nach Lösungen gesucht.

Entscheid nicht überraschend

Michael Köpfli, Fraktionschef der Grünliberalen, findet die Entscheidung der Reitschule fragwürdig, aber wenig überraschend. «Es ist das gute Recht der Reitschule, den Vertrag nicht zu unterzeichnen. Die Stadt muss die Miete aber weiterhin erhalten.»

Seiner Ansicht nach wäre es gescheiter gewesen, den einjährigen Vertrag zu unterzeichnen und dann eine längerfristige Lösung anzustreben. «Das Ziel muss es sein, möglichst schnell wieder einen Vertrag zwischen der Reitschule und der Stadt Bern zu haben.»

Grosser Druck auf Reitschule

Auch Annette Lehmann, die Fraktionschefin der SP, überrascht die Reaktion der Reitschule nicht. «In letzter Zeit ist von Seiten der Politik massiv Druck aufgebaut worden.» Natürlich wäre es besser gewesen, wenn man immerhin den einjährigen Vertrag unter Dach und Fach gebracht hätte, auch wenn ihre Fraktion den vierjährigen Vertrag unterstützt hat.

Die Fraktion stehe, wie auch das Volk, weiter hinter der Reitschule. «Sie signalisieren, dass sie bereit für konstruktive Gespräche sind und das werte ich positiv», sagt Lehmann. Sie betont, dass der Leistungsvertrag bereits Verbesserungen beinhalte, doch dies sei im Stadtrat völlig ignoriert worden.

cls

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