Reitschule widerspricht Polizei – «Gewalt ging von Fahndern aus»

Bern

Ein Polizei-Einsatz in der Berner Reitschule lässt die Wogen hochgehen. Nach Darstellung der Polizei wurden zwei Zivilfahnder verprügelt – die Reitschul-Betreiber entgegnen, Tätlichkeiten seien einzig von den Polizisten ausgegangen.

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Für die Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule (IKuR) ist mit den Vorkommnissen vom Donnerstagabend «ein neuer Tiefpunkt im Verhältnis zwischen Polizei und Reitschule» erreicht. Die IKuR kündigte eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Beamten an.

Die Polizei verzeigte ihrerseits einen 25-jährigen Schweizer wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte, versuchter Körperverletzung, Hinderung einer Amtshandlung sowie Freiheitsberaubung. Zudem wird gegen Unbekannt wegen Freiheitsberaubung ermittelt.

Verdächtiger flüchtete in die Reitschule

Der Streit begann am Donnerstagabend kurz nach 18 Uhr. Laut Polizei hatten zwei Zivilfahnder auf der Schützenmatte einen Mann entdeckt, der ihnen verdächtig erschien. Er sei «gezielt in Richtung Reitschule» geflüchtet, die Polizisten seien ihm gefolgt und hätten ihn im Innern der Reitschule festhalten können.

Der Mann habe zunächst keine Gegenwehr geleistet, doch seien die Polizisten plötzlich von Drittpersonen bedrängt und am Verlassen der Reitschule gehindert worden. Im Innenhof seien die Fahnder dann von einer grösseren Gruppe tätlich angegangen worden.

30 bis 40 Personen hätten die Fahnder massiv bedrängt, «aus der Menge wurde auf die Polizisten eingetreten». Um die Personen auseinander zu treiben, habe man Reizstoffspray eingesetzt. Die beiden Fahnder seien bei dem Handgemenge leicht verletzt worden und hätten die Reitschule erst verlassen können, als zusätzliche Polizisten zu Hilfe geeilt seien.

Reitschule widerspricht

Die Darstellung der Polizei enthalte zahlreiche falsche Angaben, entgegneten die Reitschul-Betreiber in einem Communiqué. So sei der Verdächtige nicht geflüchtet, sondern von den Fahndern in die Reitschule gedrängt worden.

Nach der Festnahme des Verdächtigen hätten Reitschul-Gäste die Fahnder lediglich aufgefordert, das Gebäude zu verlassen. Einer der Polizisten habe darauf einen «Reitschüler» tätlich angegriffen. «Tätlichkeiten gingen alleine von Seiten der Polizei aus.»

Ein geistesgegenwärtiger Gast habe die Vorkommnisse weitgehend gefilmt, teilten die Reitschul-Betreiber mit. Sie wollen das Video am Montag an einer Medienorientierung veröffentlichen.

Nachspiel in der Nacht

Die Aktion hatte noch ein Nachspiel: Spät in der Nacht zogen mehrere Dutzend Personen Richtung Polizeiwache am Waisenhausplatz. Laut Polizei griffen die teils Vermummten unterwegs ein Patrouillenfahrzeug an und forderten die Freilassung des Schweizers. Erst um etwa 2 Uhr war Ruhe.

Beim «verdächtigen Mann», den die Fahnder ursprünglich im Visier hatten, handelt es sich um einen 29-jährigen Nigerianer. Er wird wegen illegalem Aufenthalt verzeigt.

Heikler Zeitpunkt

Die Vorfälle in der Reitschule kommen zu einem politisch heiklen Zeitpunkt. Die Stadtregierung hat vor kurzem den neu ausgehandelten Leistungsvertrag mit dem Kulturzentrum ans Parlament weitergeleitet.

Ein erster Entwurf war vom Stadtrat zurückgewiesen worden. Der zweite Entwurf stösst im Parlament wegen offener Sicherheitsfragen ebenfalls auf Widerstand.

js/sda

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