Rapper dankt sich frei

Bern

Während sich Bevölkerung, Polizei, Demonstranten und Regierung gegenseitig die Schuld zuschieben, versucht ein Rapper die Gemüter zu beruhigen. David Wöhrle hat anlässlich des «Tanz dich frei» ein Musik-Video produziert.

«Als ich mich über die Geschehnisse vom Samstagabend informiert habe, gab es für mich einfach kein Halten mehr, ich musste etwas tun», erklärt David Wöhrle, der als Rapper «Essenz» Musik macht. Gemeinsam mit einem Kollegen, der als Securitas die ganze Nacht im Einsatz war, hat der 33-Jährige am Montag das Musik-Video «Dank dich frei» zum Beschwichtigen der Gemüter produziert. Gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz erzählt Wöhrle, dass ihn die Ereignisse betroffen gemacht haben.

Der gebürtige Aargauer, wohnhaft in Bern-West, hat beruflich selbst mit Jugendlichen und ärmeren Familien zu tun. Auch sie hätten Grund wütend und frustriert zu sein, trotzdem rennen sie nicht auf die Strassen und demolieren grundlos Geschäfte.

Extreme Aussagen beeinflussen Jugendliche

Das Communiqué auf der Tanz-dich-frei-Seite sei seiner Meinung nach sehr negativ gefärbt und schiesse über das Ziel hinaus. «Wenn ich dann von Jugendlichen höre, dass alles Mist und die Polizei daneben ist, werde ich hellhörig», erklärt der Rapper. Gerade junge Menschen seien sehr anfällig für gefärbte Meinungen. Mit dem Video wollte er diesem Trend entgegen wirken.

Im Lied rappt Wöhrle über Dankbarkeit und über die guten Dinge, die in Bern existieren. Sein Wunsch: «Ich möchte die Unzufriedenheit mit Dankbarkeit ergänzen.» Zu viele Menschen würden permanent nur das Negative in der Gesellschaft hervorheben. In der Schweiz gäbe es genügend Möglichkeiten, Anliegen auf einem konstruktiven Weg durchzusetzen. Zudem versuchen etliche Menschen jahrelang, das Beste aus Bern herauszuholen. Es könne nicht schaden, ihnen einmal Danke zu sagen.

Fehler auf beiden Seiten

Auf keinen Fall wolle er aber nur die eine Seite anprangern oder Tanz dich frei schlecht machen. Natürlich seien auf beiden Seiten Fehler passiert. Er selbst habe auch schon negative Erfahrungen mit der Gewerbepolizei und der Regulierungswut der Behörden in Bern machen müssen, als er mit seiner Fahr-Bar Leute beschenken wollte. «Das hat mich damals unheimlich genervt», meint Wöhrle, aber Unzufriedenheit in Hetze umzumünzen, sei der falsche Weg.

Wer David Wöhrle aka Essenz live hören möchte, hat am Emergenza-Festival vom 8. Juli im Bierhübeli die Möglichkeit.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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