Rampen statt Treppen im Rossfeld

Bern

Im Rossfeldquartier entstehen 45 Mietwohnungen für körperlich behinderte Menschen. Neu in der Schweiz: Alle Wohnungen sind über eine Rampe erreichbar.

Selbständig Wohnen trotz Behinderung: So soll der Neubau im Rossfeld dereinst aussehen.

Selbständig Wohnen trotz Behinderung: So soll der Neubau im Rossfeld dereinst aussehen.

(Bild: PD)

Benjamin Bitoun

Wer auf den gängigsten Immobilienportalen nach rollstuhlgängigen Wohnungen in der Stadt Bern sucht, dem erscheinen nur gerade 40 Inserate. In einem Jahr wird sich diese Anzahl aber mehr als verdoppeln: Die Berner Architekturbüros Althaus Architekten und Jordi und Partner bauen an der Reichenbachstrasse im Rossfeld 45 komplett rollstuhlgängige Wohnungen. Das Angebot richtet sich ausschliesslich an Menschen mit körperlicher Behinderung.

Ein zentraler Punkt des Bauprojekts: Die Wohnungen sollen bezahlbar sein. Die Palette reicht vom Studio bis zur 3½-Zimmer-Wohnung, die Bruttomiete liegt zwischen 1080 und 1770 Franken. Die Mietzinsen orientieren sich an der Höhe von Invalidenrenten und Ergänzungsleistungen und liegen deutlich unter dem Durchschnitt für rollstuhlgängige Wohnungen.

Komplett mit Rampen erschlossen

Bemerkenswert ist zudem die Architektur des Gebäudes. Sie ist durchdrungen vom Wunsch körperlich behinderter Menschen nach maximaler Selbstständigkeit. Ihre Ideen und Bedürfnisse seien aktiv in das Projekt eingeflossen, sagt Architekt Ueli Krauss. Aus der Zusammenarbeit resultierten Wohnungen mit bodenebenen Duschen, unterfahrbaren Küchen, überdurchschnittlichen Raumbreiten für eine gute Wendbarkeit der Rollstühle und den entsprechenden Anschlüssen, um diese aufzuladen.

Aussergewöhnlich zudem: Eine Rampenanlage im Innenhof macht sämtliche Wohnungen für Rollstuhlfahrer bequem erreichbar – ein Novum. «Es ist das erste Haus dieser Art in der Schweiz», sagt Architekt Ueli Krauss. Die Idee sei aus dem Wunsch nach grösstmöglicher Bewegungsfreiheit heraus entstanden. Zudem wären bei 45 Wohnungen die beiden Lifte ohne Rampe notorisch blockiert gewesen, so Krauss.

Ergänzende Angebote von nebenan

Bauherrin und Eigentümerin der 45 Wohnungen ist die Schweizerische Immobilien-Anlagestiftung Ecoreal. Sie vertritt bei dem 14-Millionen-Franken-Projekt auch regionale Anleger wie die Bernische Lehrerversicherungskasse oder die Pensionskasse Spital Netz Bern.

Weitere Partnerin des Projekts ist die Stiftung Rossfeld, welche hinter dem Neubau ein Wohnheim für körperlich behinderte Menschen betreibt. Sie wird ihre Dienstleistungen in den Bereichen Pflege, Therapie, Gastronomie oder Freizeitgestaltung auch den künftigen Mietern des Rampenhauses an der Reichenbachstrasse zur Verfügung stellen.

Voraussichtlich ab November dieses Jahres können Interessenten eine Musterwohnung besichtigen. Bezugstermin ist der 1. Mai 2018.

Berner Zeitung

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