Bern/Köniz

Räuber wird ausgeschafft

Bern/KönizEr verbrachte sein ganzes Leben in Bern. Nun aber wird ein 31-jähriger ­verurteilter Räuber und Dieb ausgeschafft. Der Verteidiger übte heftige Kritik.

Obwohl er sein ganzes Leben in Bern verbrachte, wird der 31-jährige Räuber ausgeschafft.

Obwohl er sein ganzes Leben in Bern verbrachte, wird der 31-jährige Räuber ausgeschafft. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Es war ein bemerkenswerter Satz des Angeklagten. Er sprach ihn vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland, es ging um die drohende Ausschaffung. Zwar würde er gerne in der Schweiz bleiben, sagte der 31-Jährige. «Aber ich würde mich nicht gegen die Ausweisung wehren – ich würde es irgendwie verstehen.»

Nun muss er dieses Verständnis tatsächlich aufbringen. Das Gericht verurteilte den bosnischen Staatsangehörigen wegen Raub, Diebstahl und weiterer Delikte zu einer 56-monatigen Freiheitsstrafe – und ordnete einen achtjährigen Landesverweis an.

2017 hatte der Mann mit einem Revolver eine Bäckerei und eine Otto’s-Filiale in Schliern überfallen und war zuvor in mehrere Betriebe eingebrochen. Mit dem erbeuteten Geld hatte er seine Drogensucht finanziert. Aus Sicht des Gerichts war die Waffe bei den beiden Überfällen geladen gewesen. Der Täter hatte das Gegenteil behauptet. Ansonsten war er geständig.

«Nicht so stark verwurzelt»

Am umstrittensten war die Frage der Ausschaffung. Denn der Beschuldigte wurde 1987 in Bern geboren, wuchs hier auf, besuchte die Schule. Sein ganzes Leben verbrachte er in Bern, von mehreren Gefängnisaufenthalten einmal abgesehen. Bosnien-Herzegowina hingegen kennt er nur von den Ferien.

Er sei zwar integriert und spreche perfekt Berndeutsch, sagte Staatsanwältin Claudia Hostettler am Donnerstag. Trotzdem sah sie keine «unüberwindbaren Hindernisse» auf ihn zukommen. Er kenne das Land Bosnien und die Mentalität, könne die Sprache. Zudem lebten seine Eltern wieder dort, auch eine Schwester.

«Aber ich würde mich nicht gegen die Ausweisung wehren – ich würde es irgendwie verstehen.»

In der Schweiz wiederum sei er nicht so stark verwurzelt. Er habe keine Lehre absolviert, wegen seiner Drogensucht stehe er immer mal wieder ohne Arbeit da. «Er würde nicht aus einer etablierten Situation herausgerissen.» Sie forderte einen zehnjährigen Landesverweis.

Dem drohenden Verdikt stellte sich Verteidiger Hans Keller engagiert entgegen. «Die Ausschaffungsinitiative ist unserer humanitären Tradition nicht würdig.» Die Regelung sei menschenverachtend. «Es kann nicht sein, dass wir nicht gewillt sind, die Verantwortung zu übernehmen für einen Menschen, der nie an einem anderen Ort als hier gelebt hat.» Er dürfe nicht ausgewiesen werden, «nur weil er auf dem Papier Ausländer ist».

Zu Bosnien habe er keinen Bezug, dort habe er kein Netz, keine Beziehungen. «Wir können dies ohne weiteres als Härtefall bezeichnen», sagte Keller und legte dem Gericht ans Herz, «die unseligen Bestimmungen wenigstens menschlich und verträglich anzuwenden.»

«Kein Bezug zu Bosnien»

Die flammende Rede nützte nichts. «Es geht nicht anders, es ist einfach zu viel passiert», sagte Richter Müller bei der Urteilsverkündung. Zwar wären die Bedingungen für einen persönlichen Härtefall wohl erfüllt. «Aber je höher die Strafe, desto höher das öffentliche Interesse an einer Ausschaffung.» Dieses überwiege das private Interesse klar.

Dem Gericht sei bewusst, dass in Bosnien die Arbeitssituation nicht gleich gut sei wie hier. «Aber er hat auch Leute dort.» Er befinde sich nicht auf einem schlechten Weg, aber er müsse an sich arbeiten. Denn: «Das Übel sind die Drogen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.08.2018, 19:19 Uhr

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