Bern

Prügelopfer angezeigt: Rassismusvorwurf gegen Berner Polizei

BernEin Schweizer afrikanischer Herkunft wird in Bern verprügelt und will die Täter anzeigen. Die Polizei zeigt im Gegenzug das Opfer an. Es soll gemäss einem Drogen-Schnelltest Kokain konsumiert haben.

Das Opfer erhebt im «Beobachter» schwere Vorwürfe gegenüber der Berner Kantonspolizei.

beobachter.ch

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M.B. wird am 18. Mai 2008 mit einer Kopfwunde ins Tiefenauspital eingeliefert. Er sei am frühen Morgen von jungen Männern mit Baseballschlägern verprügelt worden, sagt er gegenüber den Ärzten und der Polizei aus. Der 27-Jährige ist seit 1998 in der Schweiz, arbeitet seit 1999 und hat seit 2004 den Schweizer Pass.

Statt seine Anzeige gegen die unbekannten Männer aufzunehmen, führen die Polizisten auf der Wache beim Opfer einen Drogenschnelltest durch. Dabei seien rassistische Bemerkungen gefallen, sagt M.B. gegenüber dem «Beobachter». «Ich habe Hilfe gesucht, aber plötzlich war ich der Kriminelle.»

Drogentest: Positiv, oder doch negativ?

Der Drogenschnelltest fällt positiv aus: Der Urin des Opfers soll Spuren von Kokain enthalten haben. Da M.B. nach eigenen Angaben noch nie Drogen konsumiert hat, macht er am folgenden Tag einen Drogentest beim Hausarzt – mit negativem Ausgang.

Einige Tage später flattert bei ihm eine Anzeige wegen Drogenkonsums ins Haus. Das Opfer selbst reicht keine Anzeige gegen die Schläger ein. «Ich habe das Vertrauen in die Polizei verloren.»

Polizei nimmt keine Stellung

Die Berner Kantonspolizei will gegenüber bernerzeitung.ch keine Stellung zu M.B.s Version der Geschichte nehmen. Wie sie gegenüber dem «Beobachter» mitteilt, sei der Drogentest vom zuständigen Untersuchungsrichteramt verfügt worden. Die Zeitschrift verweist aber darauf, dass ein solcher Test nur verfügt wird, wenn die Polizei ihn beantragt.

Aus den Unterlagen sei zudem nicht ersichtlich, dass das Opfer das Testergebnis bestritten habe. «Die Schilderungen unserer Mitarbeitenden weichen wesentlich von der Darstellung von M. B. ab», schreibt die Polizei dem «Beobachter».

Einige Wochen später wird die Anzeige fallen gelassen, aber M. B.s negative Erfahrungen mit der Polizei sind damit nicht zu Ende.

Rassistische Bemerkungen

Am 27. September sei er in eine Kontrolle der Kantonspolizei geraten, ohne Grund zu Boden gedrückt und in Handschellen gelegt worden. Es sollen rassistische Bemerkungen wie «Schwarze können doch gar keine Schweizer sein.» gefallen sein. Zudem sei er geschlagen und getreten worden. Auf der Wache wurde erneut ein Drogenschnelltest gemacht, auch dieser fiel positiv aus. Nur eine Stunde nach dem ersten Test liess M.B. sich erneut testen, wieder wieder mit negativem Ergebnis.

Ein paar Tage später erhält er eine Anzeige wegen Drogenmissbrauchs und Bedrohung von Beamten. Er selbst zeigt zwei Polizisten an.

So die Version von M.B. Die Polizei will sich nicht äussern, da das Verfahren noch laufe. (js)

Erstellt: 20.04.2009, 12:26 Uhr

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