Bern

Protest gegen «Asylbunker» zeigt Wirkung

BernGegner der Asylunterkunft Hochfeld haben am Mittwoch erneut den Erlacherhof blockiert. Die betroffenen Gemeinderäte zeigten sich vor Ort gesprächsbereit und bitten den Kanton um Hilfe.

Die Gemeinderäte Franziska Teuscher, Alexander Tschäppät und Ursula Wyss vor dem blockierten Tor.

Die Gemeinderäte Franziska Teuscher, Alexander Tschäppät und Ursula Wyss vor dem blockierten Tor. Bild: zvg/Raphael Moser

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Der Berner Gemeinderat scheint langsam genug davon zu haben, dass Aktivisten wegen der Asylunterkunft Hochfeld in Bern ständig Störaktionen am Sitz des Stadtpräsidenten durchführen. Jedenfalls wünschte er am Mittwoch öffentlich eine «bessere Lösung» für die Unterbringung der Asylsuchenden.

In einer Mitteilung schreibt die Stadtregierung, eine unterirdische Zivilschutzanlage wie jene im hinteren Länggassquartier sollte eine kurzfristige Lösung sein. Für eine länger dauernde Unterbringung sei etwas Oberirdisches wünschenswert. Bereits seit Anfang 2012 werden auf dem Berner Hochfeld Asylbewerber betreut.

Den Kanton und die Berner Gemeinden bittet die Stadtregierung, nochmals zu prüfen, ob auf ihrem Gebiet nicht geeignete oberirdische Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. In der Mitteilung ist auch die Rede davon, dass das Bleiberecht-Kollektiv «zum wiederholten Mal» vor dem Sitz des Stadtpräsidenten an der Junkerngasse demonstriert hat.

Gespräch als Erfolg

In einer eigenen Mitteilung beschreibt dieses Kollektiv, was dort passierte: Laut seinen Angaben blockierten rund 30 Aktivisten drei Gemeinderatsmitglieder während 15 Minuten. Es habe sich um die achte Störaktion vor dem Erlacherhof gehandelt, heisst es weiter.

Das Kollektiv wertet es nun als Erfolg, dass sich die Stadtregierung gegen die aktuelle Unterbringung der Asylsuchenden im Hochfeld aussprach und dies auch öffentlich tat. Dennoch lässt das Kollektiv offen, wo und wann erneut eine Störaktion stattfindet.

Auch Kantonsregierung bedauert

Die Zivilschutzanlage Hochfeld in Bern war am Mittwoch auch ganz kurz Thema im bernischen Grossen Rat. Dort ging es um eine Interpellation des Berner Grossrats Hasim Sancar von den Grünen. Auch er kritisiert in seinem Vorstoss das «Dauerprovisorium».

In der bereits Mitte August veröffentlichten Antwort auf Sancars Vorstoss schreibt die Kantonsregierung, auch sie bedaure, «dass bis heute auf dem Gebiet der Stadt Bern keine oberirdische Kollektivunterkunft für Asylsuchende als Nachfolgeprojekt» gefunden worden sei.

Drei weitere unterirdische Zentren

«Selbstverständlich steht der Kanton Bern mit den Gemeindebehörden, und mit jenen der Stadt Bern im Besonderen, in einem stetigen, konstruktiven Austausch über zusätzliche Möglichkeiten». Aktuell gebe es im Kanton Bern drei weitere teilweise unterirdische Asylzentren.

Er sei bestrebt, grundsätzlich oberirdische Anlagen bereitzustellen, schreibt der Regierungsrat weiter. Gleichzeitig teilte die Regierung die Einschätzung des Interpellanten nicht, wonach die Verhältnisse in der Notunterkunft für die Unterbringung von Asylsuchenden gänzlich ungeeignet seien.

(js/sda)

Erstellt: 11.09.2013, 17:23 Uhr

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