Protest gegen Antenne in Kirche

Bern

Die Swisscom will im Dach der Friedenskirche im Mattenhofquartier eine Antenne bauen. Wegen steigender Datenvolumen suchen die Mobilfunkbetreiber nach neuen Standorten und verhandeln dabei auch mit Kirchen.

Widerstand im Quartier: Rund um die Friedenskirche wehren sich Anwohner mit Transparenten und Einsprachen gegen die geplante Swisscom-Antenne im Gebäude der Friedenskirche.

Widerstand im Quartier: Rund um die Friedenskirche wehren sich Anwohner mit Transparenten und Einsprachen gegen die geplante Swisscom-Antenne im Gebäude der Friedenskirche.

(Bild: Urs Baumann)

Die reformierte Gesamtkirchgemeinde Bern hat der Swisscom bereits ihren Segen gegeben. Der Mobilfunkanbieter will unter dem Dach der Friedenskirche im Mattenhof eine Mobilfunkantenne installieren. Die Swisscom sei auf die Kirche zugekommen, sagt Beat Wiesendanger, Kirchmeier der Gesamtkirchgemeinde Bern. Die Firma habe im Vorfeld den Standort überprüft und sich anschliessend an die Kirchgemeinde gewandt, sagt er. «Daraufhin haben wir der Swisscom unser Einverständnis gegeben – unter der Voraussetzung, dass alle Behörden dem Bau zustimmen», sagt Wiesendanger weiter. Die Kirchgemeinde erhält von der Swisscom eine Entschädigung. Über ihre Höhe wird auf beiden Seiten Stillschweigen bewahrt.

Widerstand der Anwohner

Im Quartier regt sich Widerstand gegen den geplanten Bau. Gegner der Antenne haben Transparente an den Balkonen aufgehängt. Keine Freude an den Plänen der Swisscom hat etwa Jürg Renfer. Er wohnt 50 Meter neben der Friedenskirche. Mit anderen Anwohnern hat er gegen die Antenne bereits Einsprache erhoben. «Ich bin überzeugt, dass elektromagnetische Strahlen nicht gesund sind», sagt er und erwähnt das Schulhaus Munzinger, das in der direkten Nachbarschaft der Friedenskirche steht. Man wisse heutzutage einfach noch nicht, was die Strahlen auf lange Dauer für Wirkungen haben, sagt Anwohner Renfer.

Das Baugesuch für die Kirchdach-Antenne ist im Oktober im «Stadtanzeiger» publiziert worden. Martin Baumann, Berner Stadtbauinspektor, bestätigt, dass gegen die Pläne an der Friedensstrasse mehrere Einsprachen eingegangen sind. Die Einsprachefrist sei vergangenen Freitag abgelaufen.

«Geeignet für Antennen»

Der Standort im Dach der Friedenskirche sei für Antennen ideal, sagt Annina Merk, Mediensprecherin der Swisscom. Zwar suche man nicht gezielt nach Kirchen, rein technisch seien diese aber dank der Gebäudehöhe bestens geeignet für Antennen. Laut Merk sind im Kanton Bern drei Kirchen mit Swisscom-Antennen bestückt.

Pro Jahr lässt das Telekommunikationsunternehmen schweizweit 300 neue Antennen neu oder umbauen. Die Gründe dafür seien die rasante Zunahme von Smartphones und die technische Entwicklung. Das Volumen der mobil übertragenen Daten verdopple sich alle 16 Monate, sagt die Swisscom-Sprecherin.

Mobilfunkantennen in Kirchen sind in der Stadt Bern wenig bekannt, weil sie nicht sichtbar sind, aber sie sind nicht neu. In der Nydeggkirche sendet seit 1996 eine Antenne der Swisscom. Auch die Dreifaltigkeits- und die St.-Peter-und-Paul-Kirche sind mit Sendern ausgestattet. Es könnte in Zukunft noch mehr Antennen in Gotteshäusern geben. Beat Wiesendanger bestätigt, dass die Gesamtkirchgemeinde zurzeit mit einem Mobilfunkanbieter über einen weiteren Standort Verhandlungen führt.

In der Berner Altstadt sind Antennen grundsätzlich verboten. Sie müssen aus Gründen der Denkmalpflege verborgen montiert werden, wofür es eine Ausnahmebewilligung braucht. Für Liegenschaften der Stadt Bern gilt grundsätzlich ein Moratorium für den Bau neuer Mobilfunkantennen. Jedoch hat der Gemeinderat vergangenen Sommer zwei Anpassungen vorgenommen. Zum einen dürfen bestehende Anlagen erneuert und ausgebaut werden, zum andern können Ausnahmen genehmigt werden.

Berner Zeitung

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