Preisgünstige Wohnungen statt Bordell

Bern

Die Stadt Bern will eine Liegenschaft am Lagerweg kaufen, in der heute noch Sexarbeiterinnen ihre Dienste anbieten. Die Stadtregierung versicherte dem Parlament, in dem Haus solle zahlbarer Wohnraum entstehen.

Das ehemalige Bordell am Lagerweg 12 in der Lorraine soll einst zu günstigem Wohnraum werden.<p class='credit'>(Bild: Andreas Blatter)</p>

Das ehemalige Bordell am Lagerweg 12 in der Lorraine soll einst zu günstigem Wohnraum werden.

(Bild: Andreas Blatter)

Die Liegenschaft am Lagerweg im Lorrainequartier wird seit Jahren als Bordell genutzt, doch damit ist bald Schluss. Eine Verfügung der Stadt, dass die Erotikstudios im Wohnquartier wegen «ideeller Immissionen» schliessen müsse, wurde diesen Sommer gerichtlich bestätigt.

Nun will die Stadt das Gebäude kaufen. Anfang September unterbreitete die Liegenschaftsverwaltung dem Eigentümer ein Kaufangebot über 3 Millionen Franken. Dies rief einen dringlichen Vorstoss von links-grüner Seite im Stadtrat hervor.

Ein Spekulationsobjekt?

«Vom Rotlicht in die Spekulation?», fragte Luzius Theiler (GPB- DA) in seiner Interpellation. Er gab der Befürchtung Ausdruck, die Stadt würde das Haus «postwendend» an einen Privaten weiterverkaufen, der es dann abreisse oder zu teuren Wohnungen umbaue. Dabei fehle es in der Stadt primär an günstigem Wohnraum.

Theiler argwöhnte zudem, mit dem «enorm hohen» Kaufangebot wolle sich die Stadt bloss baurechtlicher Schwierigkeiten bei einer in der unmittelbaren Nachbarschaft geplanten Überbauung entledigen.

Legitime Erwerbsabsicht

Finanzdirektorin Barbara Hayoz (FDP) versicherte dem Parlament, die Stadt wolle mit dem Objekt nicht spekulieren. Falls die Stadt den Zuschlag erhalte, werde die Liegenschaftsverwaltung das Haus an eine gemeinnützige Wohnbaugesellschaft oder an einen institutionellen Anleger im Baurecht abgeben.

Sprecherinnen und Sprecher von links bis rechts begrüssten die Pläne des Gemeinderats. Es sei «erfreulich», dass der städtische Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik günstigen Wohnraum bauen und fördern wolle, unterstrich Lea Bill namens der Fraktion GB/JA.

Dass die Stadt ihr Eigentum arrondiere und sinnvoll zu erweitern versuche, sei legitim, fügte Martin Mäder, Sprecher der Fraktion BDP/ CVP, an. Es spreche nichts gegen den geplanten Erwerb.

Interpellant Luzius Theiler hingegen war mit der gemeinderätlichen Antwort nicht zufrieden. Er kündigte an, mit einem Vorstoss nachzufassen.

js/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt