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Preise in der Lorraine explodieren

BernIm Lorrainequartier lassen drei Hausinserate aufhorchen. Die verlangten Preise sprengen den bisherigen Rahmen.

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Die Immobilienpreise im Berner Lorrainequartier schwingen sich zu neuen Höhen auf. Am Talweg 3 etwa steht ein Haus mit zehn 2-Zimmer-Wohnungen zum Verkauf. Mindestpreis: 3 Millionen Franken. 3 Millionen? Tilman Rösler schüttelt bloss den Kopf. Für den Präsidenten der Wohnbaugenossenschaft Giebel ist das Haus maximal 2 Millionen Franken wert. «Es muss ja auch noch saniert werden.» 2005 kaufte seine Genossenschaft in der gleichen Häuserzeile ein Haus in einem Zustand, der mit dem des Hauses am Talweg 3 vergleichbar sei. Im Genossenschaftshaus hats pro Stock eine 3- und eine 2-Zimmer-Wohnung, also ein Zimmer mehr als am Talweg 3. Der Preis, den die Genossenschaft hinblätterte: 1,1 Millionen Franken. «Der Verkäufer am Talweg 3 will also für ein kleineres Haus fast dreimal mehr als den Preis vor sechs Jahren», ereifert sich Rösler.

«Pinselrenovation»

Auch der Nordring 36 – ein Kiosk im Erdgeschoss, darüber auf drei Stockwerken jeweils drei 1-Zimmer-Wohnungen – gibt in der Lorraine zu reden. Das Haus war schon 2008 zum Verkauf ausgeschrieben, zu einem Richtpreis von 800'000 Franken. Heute, vier Jahre später, wird es für 2,9 Millionen Franken angeboten. Natürlich: Die graue Maus von einst strahlt heute in einem netten Blau. Davon lässt sich aber Viktor Hirsig nicht blenden. Der Architekt einer Häuserreihe am Turnweg gleich hinter dem Nordring 36 spricht von einer «Pinselrenovation». Bei der Fassade sei man einfach «einmal mit dem Roller drübergegangen», in den Wohnungen sei kaum etwas gemacht worden. Eigentümer am Nordring 36 ist Hans-Peter Gauch. Vor drei Jahren legte er in dieser Zeitung dar, wie er dank der Liegenschaft den Berner Behörden 5 Millionen Franken abknöpfen wolle. Da das Polizeigebäude im Nachbarhaus ein altes Wegrecht verbaue, ziehe er notfalls bis vor Bundesgericht.

Pfannenfertiges Projekt

Diese Pläne haben sich offenbar zerschlagen. Gestern wollte sich Gauch weder zum Rechtshandel noch zu Kauf, Renovation und Verkauf seiner Liegenschaft gross äussern. «Ich will gar nicht verkaufen», liess er sich einzig zitieren, «ausser es bezahlt jemand diesen Preis für diese Perle.»

Eine schillernde Figur ist auch der dritte Verkäufer, Werner Hofmann. In Wabern sorgte der Unternehmer aus dem zürcherischen Buchs mit dem Businesspark Grünau für Aufsehen, wo er offenbar rund 20 Millionen Franken ins darniedergelegene Gebäude der früheren Benteli Druck und Verlag steckte. Innert zweier Jahre machte er daraus einen Gewerbepark mit 200 Arbeitsplätzen und stiess ihn dieses Jahr mit Gewinn wieder ab.

Nun tritt Hofmann in der Lorraine als Verkäufer der Häuserzeile am Nordweg 6, 8 und 10 auf. 4,9 Millionen Franken verlangt er für die drei leer stehenden Häuser. «Es liegt ein bewilligtes Sanierungskonzept vor», sagt Hofmann. «Der Käufer kann umgehend mit dem Umbau beginnen.» Nach einer Sanierung für 3 Millionen Franken hat ein neuer Eigentümer für rund 8 Millionen Folgendes erhalten: 13 3-Zimmer-Wohnungen à 70 bis 75 Quadratmeter. Mit einer Bruttorendite von drei Prozent würden diese um die 1500 Franken pro Monat kosten, sagt Hofmann.

Ein Zauberer, zwei klare Fälle

Genossenschafter Rösler schüttelt wieder den Kopf. «Mit drei Prozent Bruttorendite müssen beim nächsten Zinsanstieg sofort die Mieten erhöht werden», sagt er. Derzeit sei es «mittelfristig nachhaltig», mit vier Prozent zu rechnen. So gerechnet würde eine 3-Zimmer-Wohnung bereits mehr als 2000 Franken kosten.

Auch Johannes Wartenweiler von der AG Wohnen kann sich «nicht vorstellen, dass Hofmanns Rechnung aufgeht». Wenn es dieser mit den tiefen Mieten ernst meine, solle er die Häuser zum Einstandspreis an die Stadt oder an einen gemeinnützigen Wohnbauträger abgeben, findet Wartenweiler. Damit konfrontiert, schien Hofmann gestern Abend kurzerhand einen Käufer aus dem Hut zu zaubern. «Ich verkaufe am 30.November an eine gemeinnützige Institution», liess er verlauten. Nun warten die Leute in der Lorraine gespannt, wer neuer Eigentümer wird. Rösler: «Dann sehen wir, ob er unter gemeinnützig das Gleiche versteht wie wir.»

Während am Nordweg abgewartet wird, handelt es sich für Wartenweiler von der AG Wohnen am Talweg 3 und am Nordring 36 um klare Fälle: «So etwas macht man einzig aus einem spekulativen Interesse heraus.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.11.2012, 06:33 Uhr

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