Preis für die Arbeit mit Behinderten

Ittigen

Theres Lindt und Thomas Mainberger aus Ittigen betreuen in ihrem Haus seit Jahren behinderte Kinder, um deren Eltern zu entlasten. Am Samstag erhalten sie für ihr Engagement den Prix Sana.

Ein Herz für Behinderte: Theres Lindt und Thomas Mainberger in ihrem Wohnzimmer, wo sich oft betreute Kinder aufhalten.

Ein Herz für Behinderte: Theres Lindt und Thomas Mainberger in ihrem Wohnzimmer, wo sich oft betreute Kinder aufhalten.

(Bild: Beat Mathys)

Neun Schildchen mit Vornamen von Mädchen und Knaben hängen an der Haustüre in Ittigen. Wohnt hier etwa eine Familie mit neun Kindern? Nicht ganz, obwohl das Haus an der Burgerstrasse für diese Kinder eine Art zweites Zuhause ist. Theres Lindt und Thomas Mainberger sind für sie Ergänzungseltern, bei denen sie jeweils kurze Zeit wohnen. Die beiden betreuen kleine und grössere Behinderte – zur Entlastung der Eltern. «Es ist wichtig, dass sie zwischendurch freier atmen können», sagt Theres Lindt.

Am Samstag werden sie und ihr Mann in Luzern für ihre Arbeit ausgezeichnet. In Luzern werden sie, zusammen mit zwei andern Preisträgerinnen, den Prix Sana erhalten. Er wird für «uneigennütziges Engagement zum Wohl von Mitmenschen» verliehen. Die Preissumme beträgt insgesamt 30'000 Franken (siehe Box).

Manchmal ganze Gruppe

Aus einem der Zimmer sind mühsame gurgelnde Laute zu hören. Sie stammen von einem Mädchen mit schwerer Mehrfachbehinderung. Es kann weder sprechen noch gehen oder sitzen. Die Morgentoilette und das Anziehen haben die Fünfjährige ermüdet. Zeit für Theres Lindt, sie in den Arm zu nehmen und ihr Halt zu geben. «Vor zwei Stunden waren noch vier weitere Kinder hier», sagt sie. Zwei ältere, die gegenwärtig hier leben, sind jetzt in der Schule, zwei andere wieder bei ihren Eltern. «Solche Momente, wenn wir am Esstisch sitzen, haben wir gern. Es ist toll, wenn eine ganze Schatzkiste von Erlebnissen zusammenkommt.»

Organisation ist wichtig

Lindt und Mainberger begannen vor fünfzehn Jahren, behinderte Kinder stunden- oder tageweise bei sich aufzunehmen. Beide waren Lehrkräfte gewesen und arbeiteten damals in Behinderteninstitutionen. Nicht nur sie, auch ihre beiden Töchter fanden Gefallen an dieser Betreuungsform. Bald machte sich das Paar selbstständig. Seither bestreiten die beiden den Lebensunterhalt damit. Ihre Töchter leben nicht mehr zu Hause, kommen aber oft zurück, um die Eltern abzulösen.

Ein wichtiger Teil der Arbeit sei das «Büschele», sagt Theres Lindt. Sie meint damit das Organisieren, welches Kind wann kommen kann. Denn nicht alle brauchen gleich viel Betreuung und passen zusammen, die Zusammensetzung muss stimmen. Und die Anfragen der Eltern erfolgen unregelmässig. «Alles einzubeziehen und zusammenzu­fügen – das ist wie eine musika­lische Komposition», vergleicht Mainberger.

Ihre Arbeit ist oft anstrengend, bringt aber auch viel Positives mit sich. «Die Freude, die wir immer wieder erleben, ist gewaltig», sagt er. Oft ist er draussen mit den Kindern, spielt mit ihnen am Bach, lässt sie auf dem Märit einkaufen, pflückt im Garten Beeren oder hilft ihnen Schneemänner bauen. Ein paar Kindern hat er gar schwimmen oder Schlittschuh laufen beigebracht. Beglückt ist Theres Lindt zum Beispiel, «wenn ein Kind etwas ausdrücken kann und ich es verstehe». Oder wenn sich zwei Kinder beim Zopfteigkneten näherkommen, einander anlächeln. Ihre Augen leuchten: «Das sind für mich Sternmomente.»

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