Bern

Postgasse-Brand: Dachstock ist komplett zerstört

BernAm Dienstag dauerte der Feuerwehreinsatz in der Postgasse wegen Glutnestern weiter an. Hautnah miterlebt hat den Brand im Morell-Haus auch Treff-Betreiber ­Jaswant Singh.

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Am Morgen nach dem Dachstockbrand im Morell-Haus riecht es immer noch nach Rauch. Die Zugänge zur Liegenschaft am unteren Ende der Postgasse sind von der Polizei grossräumig ab­gesperrt.

Immer wieder blicken Passanten verdutzt auf die aus­gebrannte Dachkonstruktion und die Feuerwehrmänner, welche via Drehleiter den Schaden begutachten. Auch 17 Stunden nach dem Brand gibt es noch immer hartnäckige Glutnester zu löschen.

Gäste flohen vor Ascheregen

Vor dem Restaurant Treff am unteren Ende der Gerechtigkeitsgasse steht Jaswant Singh. Er ist Chef des Lokals gegenüber dem Morell-Haus. Er zeigt auf die Brandlöcher in seinen Sonnenstoren. «Während des Brandes fiel plötzlich Asche vom Himmel direkt auf unsere Terrasse», ­erzählt er. Er musste daher seine Gäste zum Gehen auffordern.

Gleichzeitig liefen er und seine Mitarbeiter zu den Hauseingängen in der Postgasse und klingelten bei den Bewohnern, um sie zu warnen. Nebst ein paar Brand­löchern in Storen und Sitzkissen gab es im Treff jedoch keine ­Schäden.

«Während des Brandes fiel plötzlich Asche vom Himmel direkt auf unsere Terrasse.»Jaswant Singh, Betreiber Restaurant Treff

Die Brandursache in der städtischen Liegenschaft blieb auch am Dienstag unklar. Sicher ist jedoch, dass der gesamte Dachstock des alten Patrizierhauses beim Brand zerstört wurde, wie Christoph Gnägi, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern, mitteilte.

Als am Montagabend gegen 19 Uhr der Brand ausbrach, war niemand in der Liegenschaft, die sich derzeit im Umbau befindet. Im Frühling 2019 sollen in dem Eckhaus neue Wohnungen bezugsbereit sein.

Eindrücklich: So sah der Brand in der Berner Altstadt von oben betrachtet aus. Video: Leserreporter/Michael Scheidegger

Die Umbauarbeiten wurden durch den Brand nun weit ­zurückgeworfen. Wie weit, lässt sich laut Dagmar Boss von ­Immobilien Stadt Bern noch nicht feststellen. «Aktuell wurden die Zimmer- und Bedachungsarbeiten ausgeführt», ­sagte sie auf Anfrage.

Feuerwehr ist zufrieden

Obwohl das Morell-Haus noch nicht über eine moderne Rauchmeldeanlage verfügt, wie sie für die Altstadt konzipiert wurde, war die Feuerwehr am Montag schnell vor Ort. Zudem konnte sie verhindern, dass der Brand auf die Nachbarliegenschaft übergriff. Von dort mussten am Montagabend sechs Personen aus Sicherheitsgründen evakuiert wurden.

Am Dienstag konnten die Wohnungen wieder freigegeben werden, teilte die Kantonspolizei mit. Es sei zu keinen grossen Schäden gekommen, so Gnägi. Und die zwei Personen, welche am Montag mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Spital ­gebracht wurden, konnten dieses in der Nacht wieder verlassen.

Die Berufsfeuerwehr Bern blickt zufrieden auf den Löscheinsatz zurück. «Das Feuer wurde rasch unter Kontrolle gebracht», sagt Thomas Jauch, Mediensprecher der Berufsfeuerwehr Bern.

Dies ist gerade in den engen Gassen der unteren Altstadt keine Selbstverständlichkeit. «Die Herausforderung bestand insbesondere darin, die angrenzenden Häuser umgehend zu schützen und gleichzeitig den Brand im Morell-Haus zu bekämpfen. Dies ist uns gelungen», bilanziert Jauch.

Wasserschäden an Malereien?

Der Sachschaden ist noch unbekannt. Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried schätzt jedoch, dass dieser «mehrere Hunderttausend Franken» betragen wird. Er war bereits am Montagabend vor Ort, um sich ein Bild vom Brand zu machen. Am Dienstagmittag war er erneut dort. «Zum Glück hat nur das Dach ­gebrannt», sagt von Graffenried, vor der Brandruine stehend.

Noch offen ist, wie es um die historischen Deckenmalereien im Morell-Haus steht. Diese wurden beim Umbau entdeckt und als Sensationsfund bezeichnet. Weder Polizei noch Feuerwehr konnten darüber Auskunft geben. Von Graffenried meint, dass die Malereien wohl weniger durch das Feuer in Gefahr gerieten als durch die Unmengen an Löschwasser, das nach unten ­sickerte.

Die Feuerwehr bei der Arbeit: So wurde der Brand unter Kontrolle gebracht. Video: Leserreporter

Aus nächster Nähe: Der Brand von der Nydeggasse aus gesehen. Video: Leserreporter/Yathavan Yogananthan

Vom Brand betroffen war der Dachstock des Morell-Hauses an der Postgasse 14. Quelle: Google Maps (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.07.2018, 18:50 Uhr

Brandschutz in der unteren Altstadt

Der teils mangelhafte Brandschutz in der unteren Altstadt ist immer mal wieder ein heisses Thema. Seit dem verheerenden Grossbrand in der Junkerngasse 1997 scheiterten mehrere Versuche, ein flächendeckendes Brandschutzkonzept einzuführen. Während historische Bauten wie das Rathaus oder ­solche mit viel Publikumsverkehr wie Hotels zu einem umfassenden Brandschutz verpflichtet sind, gilt dies bei anderen Liegenschaften wie dem Morell-Haus nicht. Vor einem Jahr wurde deshalb von der Gebäudeversicherung Bern der Verein Casasegura ins Leben gerufen, um auch dort den Brandschutz zu verbessern. In einem Pilotprojekt wurden letztes Jahr 13 neue Rauchwarnmelder installiert, die auf Funktechnik basieren. Dabei wird die Feuerwehr direkt alarmiert. Dieses Jahr folgen 20 weitere. Markus Caflisch vom Verein Casasegura sagt auf Anfrage, dass die Stadt Bern daran sei, ihre Liegenschaften mit dem neuen Alarmsystemen auszurüsten – so auch das Morell-Haus. Aufgrund der Umbauarbeiten wurde damit jedoch zugewartet. Da die Installation von Rauchmeldern auf Freiwilligkeit beruhe, harze das Projekt noch etwas. «Wir wären froh um mehr Eigeninitiative der Hauseigentümer», sagt Caflisch. Er vermutet, das die hohen Kosten ein Hinderungsgrund sind.mib

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