Polo Hofer zieht sich zurück

Eine kurze Mitteilung von Hofers Frau ver­ursacht grosse Sorgen um den grossen Berner Musiker.

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«Aus gesundheitlich Gründen hat Polo Hofer seine öffentlichen Aktivitäten bis auf weiteres abgesagt. Inzwischen zieht er sich zur Erholung zurück und braucht viel Ruhe.» Die knappe Mitteilung von Polo Hofers Partnerin Alice am Dienstagnachmittag gibt Anlass zu ernsthafter Sorge um den Pionier des Mundartrock.

Bereits Anfang Mai musste Hofer stationär ins Spital, um Wasser aus der Lunge abpumpen zu lassen. Ein Lungenödem ist oft Symptom eines Herzinsuffizienz oder eines Herzinfarkts. Ent­sprechend checkten die Ärzte nach Polos Angaben damals seine Herzfunktionen. Am 8. Mai rapportierte Hofer in der «Schweiz am Sonntag» «Probleme mit der Pumpe», Vorhofflimmern, sein Puls sei zu schnell.

Mit em Ma im schwarze Chleid

Kurz darauf, am 16. Mai, sah man Polo in der SRF-Spezialsendung zu Bob Dylans Geburtstag. Er wirkte schwach und war abgemagert, seine Stimme war brüchig. Er sass an einem Bistrotisch, eine Stange Bier vor sich und eine Zeitung, auf die er den Liedtext notiert hatte. Er sang den Dylan-Song «The Man in the Long Black Coat», den er auf Mundart übersetzt hatte; bei ihm hiess das Lied «De Maa im schwarze Chleid». Eine Zeile daraus: «Keis Lied vo Abschied, kei Brief hinderleit, sie isch furt mit em Maa im schwarze Chleid.» Es ist ein Lied über den Tod. Polo Hofer legte sichtlich grösste Sorgfalt in die Darbietung dieses im Übrigen auch luzid übersetzten Songs.

Abschiedsreigen beendet

Bereits zuvor hatte Hofer einen eigentlichen Abschiedsreigen abgeschlossen. Die Tournee mit dem Titel «Ändspurt» war be­endet, das gleichnamige Album, sein 34., erschien Anfang Jahr, gleichzeitig ernannte ihn das Schweizer Fernsehpublikum zum «Schweizer des Jahres».

Mit Hofer zieht sich eine Persönlichkeit aus der Öffentlichkeit zurück, welche die Schweiz über Jahrzehnte geprägt, inspiriert und grossartig unterhalten hat. Hofer ist ein unvergleichlicher Texter und ein genialer Entertainer, seine Werke sind zu Klassikern des Schweizer Liedguts geworden: «Kiosk», «Giggerig» und «Teddybär». «Alperose» wurde 2006 gar zum «Grössten Schweizer Lied aller Zeiten» gewählt.

Polo Hofer kämpfte seit Jahren mit seiner Gesundheit – Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Krebs am rechten Stimmband, Alkoholprobleme, Intentensiv­station. «Ich hatte vierzig Jahre Chilbi und Party», sagte er einst dazu. «Das kostet halt etwas.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.06.2016, 19:46 Uhr

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