Bern

Piazza ohne Pizza

BernJeder liebt Pizza. Ausser vielleicht einige Planer in der Stadtberner Verwaltung. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Terrasse der Pizzeria Grotto Ticino in den Bauplänen für die neue Piazza im Breitenrain vergessen ging?

Real vorhanden, in den städtischen Plänen nicht: Die Terrasse von Wirt Domenico Cafiero.

Real vorhanden, in den städtischen Plänen nicht: Die Terrasse von Wirt Domenico Cafiero. Bild: Stefan Anderegg

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Bern möchte mehr sein als eine graue Beamtenstadt. Klar, die Altstadt lässt sich nicht verändern – alles denkmalgeschützt. Aber in den Quartieren orten die Stadtoberen noch reichlich Potenzial zur Aufwertung. Etwa im Breitenrain. Dort möchte die Stadt mit dem Bauprojekt «Dr nöi Breitsch» das ganze Quartier mediterranisieren. Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) schwebt ein «Boulevard», eine «Flaniermeile» vor. Besonders der Breitenrainplatz soll sich zu einer lebendigen «Piazza» entwickeln.

Flanierende Menschen haben Zeit und Musse, um einzukehren – am liebsten im Freien. Eine Tatsache, die auch Wirt Domenico Cafiero freut. Schliesslich verfügt sein Restaurant Grotto Ticino am Breitenrainplatz über eine eigene Terrasse. Nur: Als er vor kurzem die Pläne der Stadt ge­nauer anschaute, staunte er nicht schlecht. Die Terrasse war weg. Nirgends verzeichnet. Verschwunden. Irritiert zog er einen Architekten zurate. Auch dieser konnte die Terrasse nirgends finden. «Eine grosse Unsicherheit» machte sich bei Cafiero breit.

Nachfragen bei der Stadt. Wo ist die Terrasse? Die Schockerantwort der Beamten: Sie ging tatsächlich vergessen. Cafiero verstand die Welt nicht mehr. «Wie kann das passieren? So oft waren Beamte da, die Fotos von der Gegend gemacht hatten.»

Rasches Handeln war gefordert. Die Einsprachefrist lief, Cafiero musste reagieren, sonst wäre schlimmstenfalls die Terrasse weg, so seine Befürchtung. Und ohne diese hätte er im Sommer ein Problem. «Keiner will dann drinnen essen», sagt er.

Ein Anwalt musste her. Der machte Einsprache gegen das Bauprojekt. Sieben Seiten lang. «Ein riesiger Aufwand für nix», sagt der Wirt dazu. Er konnte schliesslich nichts dafür, dass die Stadt in ihren Bauplänen seine Terrasse vergessen hatte.

Die Terrasse befindet sich übrigens auf Cafieros privatem Grundstück. Die sich anbahnende Enteignung wurde nun langsam auch der Stadt unangenehm. Eine Mediterranisierung wollte man schliesslich, keine Verstaatlichung. «Die Terrasse ging nicht absichtlich vergessen. Sie ist auf den amtlichen Ver­messungsplänen nicht verzeichnet», versucht Gesamtprojektleiter Mathias Kühni die Lage zu beruhigen. Der Grund fürs Fehlen in den Plänen: Terrassen gehören zu Bauten, die schnell wieder abgebaut werden können.

Ausser eben die Terrasse beim Grotto Ticino. Die darf nun bleiben. Domenico Cafiero kann sicher sein, «dass wir auf jeden Fall eine Lösung finden werden», sagt Mathias Kühni vom Tiefbauamt der Stadt Bern. «Wir wollen ihm die Terrasse nicht wegnehmen.» Die Stadt hätte diese auch nicht einfach fortgeräumt, so Kühni weiter. Fazit: «Der Wegfall der Terrasse wäre völlig konträr zu unseren Plänen, die ja eine Mediterranisierung vorsehen.»

Auch städtische Planer mögen Pizza auf der Piazza. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.02.2016, 11:42 Uhr

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