Phänomen Barbière

Bern

Mit einem grossen Anstrum startete das Bierlokal «Barbière» am Berner Breitenrainplatz im März. Drei Monate später fliesst das selbstgebraute Bier noch immer in Strömen. Ein Besuch.

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Claudia Salzmann@C_L_A

1000 Liter Bier wurden im März bei der Eröffnung des Lokals «Barbière» am Breitenrainplatz 40 ausgeschenkt. Ganz so hoch her wie an diesem besagten Abend geht es zwar nicht mehr, dennoch ist das Lokal immer voll.

Woher kommt dieser Erfolg? Dieser Frage ging Bernerzeitung.ch an einem Donnerstagabend auf den Grund und mischte sich unters Fussball-WM-Publikum. An der Bar sitzt Ruedi Mohler, der in der Elfenau wohnt und hier dennoch oft zu Gast ist. «Vor dem Barbière war ich vor allem im Adrianos», erklärt der 33-jährige Bierliebhaber. «Bern hat solche Bars nötig», ist der Basler sich sicher.

Das Publikum sei sehr gemischt, Krethi und Plethi trinken hier. Bei Mohler sitzt Jan Schmelzler, der gerade aus Berlin angekommen ist, noch im Anzug und der Koffer steht neben ihm. «Das deutsche Bier ist das Beste, aber das hier überzeugt mich, dass auch Schweizer brauen können», erklärt der 33-Jährige.

Breitschplatz beleben

Am Tisch sitzt Simon Jakob. Er macht hier gerne einen Stopp auf dem Heimweg. Der 46-Jährige führt die Schuhmacherei gleich nebenan, wo es sich die Barbière-Kundschaft vor dem Geschäft gemütlich macht, aus Mangel an Stühlen und Platz vor dem Bierlokal. Das stört Jakob überhaupt nicht. «Sie haben den Platz belebt», meint Jakob. Sympathie zum Lokal hegt er auch, weil man die Entstehung mitverfolgen konnte. Ein Jahr lang warteten die Betreiber auf die Bewilligung und an das «Fenster rausschlagen, erinnere ich micht gut», schildert Jakob weiter.

Wie es scheint, ist das «Barbière» genau das, was im Breitenrainquartier gefehlt hat. «Als wir im Winter bauten, war niemand auf der Strasse. Damals habe ich mich schon gefragt, ob das funktionieren wird», gibt Christoph Häni, einer der sechs Betreiber, zu. Felix Erb ergänzt: «Wir haben mit dem Lokal das Quartier komplettiert.» Er weiss, wovon er spricht: Seit sieben Jahren führt er in der Herzogstrasse das kleine, intime «Vetter Herzog».

Auch wenn man das «Barbière» mit anderen Beizen im Breitsch vergleicht, – das Luna Llena mit den moderaten Preisen, das Lokal mit ihrer leckeren Küche, der Büner zum eleganten Dinieren, usw. –, so gibt es wenige Gelegenheiten, wo man einfach nur ein spezielles, wenn auch teures Bier trinken kann.

Das selbstgebraute Bier findet auch bei den Damen Anklang: «Ich mag es sehr», bestätigt die 31-jährige Sara Geissbühler. Da sie erst seit zwei Monaten hier wohne, kenne sie den Breitsch nur mit dem «Barbière». Ein Blick durchs Lokal zeigt, dass die meisten Frauen hier Bier trinken. Etwas was selbst die beiden Brauer Matthias Kernen und Christoph Häni überrascht.

Kirschenbier im Eichenfass

Donnerstags und freitags wird in der «Garage», wie die zum «Barbière» gehörende Brauerei heisst, gearbeitet. Pro Woche brauen Christoph Häni und Matthias Kernen bis zu 600 Liter Bier. Für die WM haben sie mit der Jurassier Brauerei «Trois Dames» zusammen das «Session d'été» konzipiert und 3400 Liter gebraut.

Trotz des Andrangs bei der Eröffnung sei ihnen das eigene Bier nie ausgegangen: «Wir kaufen allerdings weitere Biere zu, damit wir immer vom eigenen anbieten können», erklärt der 35-jährige Häni. Derzeit lagern sie im Keller ein Kirschenbier. Seit einem Jahr wartet das Sauerbier im Eichenfass auf den Anstich. «Heute Nachmittag kommt der Brauer von ‹Trois Dames› und wir werden es testen», freut sich der 36-jährige Kernen. Bis es im Herbst angestochen wird, werden allerdings noch einige Liter durch die Zapfhahnen fliessen.

Weitere Infos unter www.barbière.ch

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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