Per Smartphone dem Mörder auf der Spur

Trubschachen

Ein Kriminalfall lockt Hobbykommissare nach Trubschachen. Höchste Konzentration und Teamarbeit sind gefordert, um den Täter zu überführen. Und gute Ohren!

Dass man sich bei ­diesem Spiel konzentrieren muss, wird spätestens nach dem Stu­dieren des ersten Schauplatzes klar.

Dass man sich bei ­diesem Spiel konzentrieren muss, wird spätestens nach dem Stu­dieren des ersten Schauplatzes klar.

(Bild: Max Spring)

Im sonst so friedlichen Trubschachen hat sich ein fürchterliches Verbrechen zugetragen. Mit Smartphone und Schreibzeug ausgerüstet, machen sich vier Hobbykommissare auf, den Mörder zu überführen. Wie und wo die Ermittler zu Zeugenaussagen und Indizien gelangen, lesen sie in einer E-Mail auf ihren Mobiltelefonen nach.

Die Mail stammt von Autor David Baumgartner. Sekunden nur nachdem die Kommissare das Anmeldeformular auf seiner Internetseite ausgefüllt haben, landen die Angaben im Posteingang.

Mit wenigen Klicks rufen die Ermittler die Koordinaten des ersten Schauplatzes in der elek­tronischen Landkarte auf: Am Bahnhofplatz findet sich rasch das erste, kleine Informationsschild von Krimispass.ch. Eifrig erfasst ein Kommissar die dort notierte Internetadresse im Handy, und schon erscheinen neun Fotos vom Tatort und die bislang bekannten Fakten in Textform.

Dass man sich bei ­diesem Spiel konzentrieren muss, wird spätestens nach dem Stu­dieren des ersten Schauplatzes klar. «Wie heisst die Ermordete jetzt schon wieder?», fragt einer der Ermittlertruppe und schaut sich die Akte nochmals genauer an.

Zur ersten Zeugenaussage führt ein fünfminütiger Fussmarsch. Mit dem Smartphone erfasst man hier den QR-Code auf dem In­formationsschild und spart sich so das mühsame Abtippen der Internetadresse. Hedy Dummermuth, die Nachbarin des Mordopfers, weiss Interessantes über die letzten Stunden vor der Tat zu berichten.

Nein, ich bin sicher: Dieser Pfarrer hat etwas zu verbergen.

Und so stehen vier Hobbykommissare vor dem Kambly-Erlebnis im Kreis und drücken ihre Handys ans Ohr. Die Audiodatei ist zwar von guter Qualität, aber wegen der vielen Besucher des Güezi-Ladens akustisch nur schwer verständlich. Doch der Krimispass-Autor hat vorgesorgt: Die ganze Aussage kann auch nachgelesen ­werden.

Die Route der Schauplätze führt zurück zum Bahnhof, die Ilfis entlang und via Hasenlehnmattestrasse zum Bahnübergang. Spätestens hier hat die Geschichte auch Teilnehmer gepackt, die ansonsten mit Rätselraten nicht viel am Hut haben. Denn langsam, aber sicher hegen die ersten einen Verdacht gegen jemanden aus dem näheren Umfeld des Mordopfers.

Und die DNA-Spuren am Tatort decken unerwartete Beziehungen auf. «Er könnte doch im Garderobenbereich ihre Handschuhe angezogen haben, bevor er das Wohnzimmer betrat.» – «Nein, ich bin sicher: Dieser Pfarrer hat etwas zu verbergen.» So rätselt die Truppe auf dem Trottoir hin und her.

Dass vier Gehirne besser funktionieren als eines allein, steht schnell fest. Jeder Teilnehmende kann sich an andere Details der abgewanderten Schauplätze erinnern, und durch gemeinsames Kombinieren fügt sich das Drama langsam zusammen.

Als kurz vor dem letzten Posten plötzlich noch eine weitere Verdächtige ins Spiel kommt, glaubt der eine oder andere Kommissar, dem Fall nicht gewachsen zu sein. Weshalb die Ermittlertruppe alle Hinweise bei einem kühlen Bier nochmals gemeinsam aufarbeitet.

Lange ist man sich nicht einig, für welche Person nun auf dem Smartphone Untersuchungshaft beantragt werden soll. Doch schliesslich entscheiden sich alle für denselben Mordverdächtigen. Die auflösende E-Mail folgt nach kurzer Zeit. Und tatsächlich! Die Person gesteht und liefert in einer Audiodatei – die mehrmals wegen Kirchenglocken und Autolärm unterbrochen werden muss – Angaben zum genauen Tathergang.

Zufrieden und müde von den zwar kurzen, aber intellektuell anstrengenden Spaziergängen lässt das Ermittlerquartett den Nachmittag auf der Gasthof-Terrasse ausklingen. Echte Kommissare müssten jetzt Berichte tippen.

Berner Zeitung

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