Pelzige Stadtbewohner knabbern Bäume an

Bern

An der Aare unterhalb der Lorraine haben Biber viele Bäume angefressen. Die angenagten Bäume sehen bedrohlicher aus, als es laut Pro Natura und der Stadtgärtnerei für die Natur wirklich ist.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Die angenagten Bäume mögen ein brutales Bild abgeben, doch laut Peter Lakerfeld, dem Geschäftsführer des Pro-Natura-Projektes «Hallo Biber», stellen die Biber der Stadt Bern keine Gefahr für den Baumbestand dar. «Es gibt kleinere Konflikte, doch diese können wir lösen», erklärt Lakerfeld weiter.

Beispielsweise werden einzelne Bäume von der Stadtgärtnerei mit einem Streichmittel, das den Tieren gar nicht schmeckt, angestrichen, um sie vom Nagen abzuhalten. Es sei das gleiche Mittel, das auch in den Wäldern verwendet werde, um Wild vom Anfressen von Jungtannen abzuhalten.

Zukunftsbäume schützen

Aber auch mit Maschendraht könne gut verhindert werden, dass der Baum angenagt werde. Die Massnahme sei derzeit beim Marzili im Einsatz. Diese Mittel werden laut der Stadtgärtnerei vor allem bei sogenannten Zukunftsbäumen eingesetzt. Bis zu einem Meter hoch werden diese mit Maschendraht umzäunt oder der Paste eingestrichen. «So werden diese Bäume, die für die Erosion und der Ufergestaltung wichtig sind, gezielt geschützt», erläutert Christoph Schärer von der Stadtgärtnerei.

Biberreviere seien, je nachdem wie viel Nahrung es an den Ufern gebe, zwischen ein und drei Kilometer lang. «Aktuelle Biberspuren haben wir im Umkreis des Stauwehrs Engehalde, in der Elfenau, in der Eymatt und im Löchligut», erklärt Lakerfeld von Pro Natura weiter. Wie viele Biber es genau in der Stadt gebe, wisse man nicht. «Wir wissen jedoch, dass sie Nachwuchs bekommen haben», so Lakerfeld.

Weiden als Lieblingsnahrung

Biber nagen die Bäume aus zwei Gründen an: Um Baumaterial zu gewinnen und wegen der Rinde, die ihre Nahrung ist. Da die Tiere nicht klettern können, fällen sie die Bäume, um an ihr Essen zu gelangen. Bei «Hallo Biber» sieht man eine weitere Lösung darin, die Ufer mit Weichhölzern wie Weiden und Pappeln neu zu bepflanzen, um die Biber von den grossen Bäumen abzulenken.

Als erste konkrete Massnahme werde die Stadtgärtnerei den Hang unterhalb der Jurastrasse mit Weiden bepflanzen, um so dem Biber alternative Weichhölzer als Nahrung zu bieten. Neben Weiden gehören auch Pappeln zu den Weichhölzern, die einfacher zu beissen und daher bei den Bibern besonders beliebt sind.

Die Stadtgärtnerei strebt eine friedliche Ko-Existenz mit den Tieren an. Dass der Biber sich wieder ausbreitet, müsse man akzeptieren. «Der Biber ist auch für uns ein Phänomen, das wir noch nicht lange kennen», erklärt Schärer. Ob die Zahl der angenagten Bäume zugenommen habe, kann Schärer nicht bestätigen. Klar sei, dass sich diese verlagern. In der Stadt Bern gebe es Platz für rund fünf bis sechs Biberfamilien, die auch seiner Ansicht nach kein Problem für die Natur darstellen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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