Partygänger wissen oft nicht, was sie einwerfen

Bern

Die Drogeninfo Bern plus zieht nach einem halben Jahr Zwischenbilanz: Die Nutzer der kostenlosen Drogenuntersuchung konsumieren Drogen manchmal in anderer Zusammensetzung, als sie denken.

Unter den 183 analysierten Proben gehören Amphetamine (Speed) mit rund 30 Prozent zu den Spitzenreitern.

Unter den 183 analysierten Proben gehören Amphetamine (Speed) mit rund 30 Prozent zu den Spitzenreitern.

(Bild: Keystone)

Antiwurmmittel sind im Trend. Auf der Liste der am häufigsten gefundenen Substanzen bei mobilen Drogentests an Partys belegen sie den sechsten Platz. Antiwurmmittel sind auch gefährlich. Als Streckmittel des Kokains werden sie erst im Labor erkannt, sie greifen das Immunsystem an und führen zu einer Minderdurchblutung des Gewebes.

Versteckte Risiken

Um Risiken vorzubeugen, fahren Fachleute seit fast 30 Jahren mit einem mobilen Labor an grosse Partys, wo sie Substanzanalysen vor Ort durchführen. Seit einem halben Jahr existiert ein ähnliches Angebot auch stationär: Die Drogeninfo Bern plus (DIB+) von der Stiftung Contact-Netz bietet jeden Mittwoch kostenlose Drogenuntersuchungen und Beratungen an.

Nun zieht das Team von DIB+ eine Zwischenbilanz: 180 Leute nahmen das stationäre Angebot bisher in Anspruch, die meisten sind männlich, zwischen 18- und 25-jährig und kommen aus der Stadt Bern. Unter den 183 analysierten Proben gehören Amphetamine (Speed) mit rund 30 Prozent zu den Spitzenreitern, gefolgt von MDMA (Ecstasy) und Kokain (je 20 Prozent) sowie Exoten mit zungenbrecherischen Namen wie 4-Chlormethcathinon.

Den Grund für die Häufung exotischer Substanzen vermutet Hans-Jörg Helmlin vom Kantonsapothekeramt im Besucherprofil: Das Angebot vom DIB+ könnte öfter von «Psychonauten» genutzt werden, also von experimentierfreudigen Erstkonsumenten. Dabei gehen sie auch Risiken ein. Nicht nur die Beimischungen wie Antiwurmmittel sind ein Problem, sondern auch die Dosis: Die Warngrenze setzt die DIB+ bei 120 mg MDMA pro Tablette. Manche Pillen weisen aber fast die doppelte Dosis auf.

«Drogenkarrieren» auffangen

Etwas weniger risikofreudig als bei der Substanzeinnahme zeigen sich die Konsumenten, wenn sie ihre illegale «Probe» vorbei an Polizei- und Gerichtsgebäuden an die Speichergasse 8 tragen sollen, so ist das Angebot mit sieben bis acht Besuchern pro Öffnungstag etwa zur Hälfte ausgelastet. «Die Lage kann abschrecken», sagt Hannes Hergarten, Koodinator vom DIB+. «Die DIB+ ist nicht rechtsfrei, aber bis jetzt hatten unsere Besucher keine Probleme mit der Polizei.»

Das Projekt soll einen bewussten Umgang mit Substanzen fördern und «Drogenkarrieren» rechtzeitig auffangen, bei Bedarf auch mit Beratung in medizinischen, sozialen oder juristischen Fragen. «Wir kümmern uns um Leute, die ernsthafte psychische Probleme entwickeln», sagt Psychiater Christoph Bürki. Sein Team leistet vor allem Triage- und Motivationsarbeit. Davon haben bisher sieben Konsumenten profitiert. Vier davon unterziehen sich einer psychologischen oder psychiatrischen Weiterbehandlung – mitunter wegen Alkoholabhängigkeit. Nicht immer sind die illegalen Drogen die riskantesten.

Weitere Informationen zum Projekt DIB+ auf: www.raveitsafe.ch

Berner Zeitung

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