Paragrafen bremsen 30er-Zonen

Iffwil

Bundesvorschriften verlangen auch für kleine und kleinste Tempo-30-Zonen aufwendige, teure Vorstudien. Iffwil gibt das Projekt deswegen entnervt auf.

Markierungen sind rasch gemalt. Doch der Weg zu den 30er-Zonen ist lang. Hier in Schwarzenburg gelang das Projekt, in Iffwil scheiterte es.

Markierungen sind rasch gemalt. Doch der Weg zu den 30er-Zonen ist lang. Hier in Schwarzenburg gelang das Projekt, in Iffwil scheiterte es.

(Bild: Iris Andermatt)

Peter Steiger

30er-Zonen sollen nicht nur in Städten und Agglomerationen die Automobilisten zum Abbremsen zwingen. Auch in kleineren ländlichen Orten möchten Anwohner und Gemeindebehörden, dass allzu forsche Lenker den Fuss vom Pedal nehmen. In Iffwil etwa. Im Dorf mit 400 Einwohnern bei Jegenstorf bekundeten zwei Dutzend Bürger per Unterschrift, dass sie im Gebiet Strücki eine solche Tempolimite wünschten. Der Gemeinderat unterstützte die Pläne und klopfte bei der Bewilligungsbehörde an, beim Kanton.

Verärgerte Bewohner

Dieser dämpfte den Eifer. Die Gemeinde habe zuerst ein Gutachten über die gesamte Verkehrssituation abzuliefern, beschied das Tiefbauamt. 20'000 Franken hätte Iffwil für ein solches Papier aufwenden müssen. Die Gemeindeversammlung betrachtete diese Vorstudie als unnötiges teures Hindernis. Im Dezember sagte sie mit deutlichem Mehr Nein zum Verpflichtungskredit.

Die ausgebremste Tempobeschränkung hinterlässt im ländlich geprägten Dorf verärgerte Bewohner und einen erzürnten Gemeindepräsidenten. Als «Verhältnisblödsinn» bezeichnet Heinz Knuchel die Forderung des Kantons. Ohne sich an den Kosten zu beteiligen, verhindere dieser mit bürokratischen Schikanen eine einfache Signalisation.

«Sinnvolle Gutachten»

«Die Verordnungen des Bundes verlangen ein solches Gutachten», entgegnet Jürg Beutler vom kantonalen Tiefbauamt. Die Studie sei sinnvoll, ergänzt er. Iffwil wollte damit ein Ingenieurbüro beauftragen. Dies sei nicht unbedingt nötig, so Beutler. Auch die Gemeindebehörden könnten ein solches Papier erarbeiten. Die Erfahrung zeige allerdings, dass für eine saubere Planung ein spezialisiertes Büro beizuziehen sei.

Unter anderem an den Vorschriften scheiterte auch im grösseren Nachbarort Grafenried eine Verkehrsberuhigung. Statt einer verbindlichen 30er-Zone plant man dort nun ein Projekt «Tempo 30 freiwillig».

Berner Zeitung

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