Locker beim Hanf, streng mit Alkohol

In ein bis zwei Jahren möchte die Stadt Bern mit dem Pilotprojekt zur Cannabisregulierung beginnen. Anders beim Alkohol: Dort soll die Werbung beschränkt sowie Mindestpreise und Verkaufsbeschränkungen eingeführt werden

Wird der Konsum von Cannabis in Bern schon bald legalisiert? (Symbolbild)

Wird der Konsum von Cannabis in Bern schon bald legalisiert? (Symbolbild)

(Bild: Tomas Wüthrich)

Der Kocherpark, der in den 1990er-Jahren wegen seiner offenen Drogenszene für landesweite Schlagzeilen sorgte, zeigte sich gestern von seiner idyllischen Seite. Berns Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) wählte den Park denn auch bewusst aus, um die Öffentlichkeit über die Stadtberner Suchtpolitik der kommenden fünf Jahre zu informieren.

Die Situation im Suchtbereich sei seit einigen Jahren stabil und auf einem tiefen Niveau, sagte Teuscher. Die Drogen- und Alkoholszene habe sich bei einem verträglichen Mass eingependelt. Es sind darum zwei andere Bereiche in der Suchtstrategie, die der Berner Gemeinderat in Zukunft optimieren möchte.

Beim Alkohol will die Stadt Bern ein strengeres Regime

Gewalt, Lärm, Littering – der Grund für viele Probleme im Nachtleben sei übermässiger Alkoholkonsum. Besonders an den Wochenenden zeige sich wegen der leichten Verfügbarkeit des Alkohols und des veränderten Trink- und Ausgehverhaltens eine Verschärfung der Problematik. Deshalb will die Stadt Bern den Gesundheitsschutz beim Alkoholkonsum und -verkauf stärken. So soll beispielsweise die Erhältlichkeit des Stoffs eingeschränkt werden. «Eine Möglichkeit sind Werbebeschränkungen, Mindestpreise und Verkaufsbeschränkungen», sagte Teuscher.

Leider enthalte der aktuelle Entwurf des totalrevidierten Alkoholgesetzes kaum solche wirksamen Massnahmen, kritisierte Teuscher gestern an die Adresse des Bundes. Deshalb will die Stadt Bern nun zusammen mit anderen Städten im Kanton Bern derlei Massnahmen prüfen. Ein Alleingang der Stadt Bern sei nicht zielführend. Lockerung beim Cannabis – Kiffen in Bern bald legal?

Anders ist das städtische Vorgehen beim Cannabis. Dort setzt der Berner Gemeinderat nicht auf Beschränkungen, sondern auf Liberalisierung. Ein entsprechendes Pilotprojekt zur Cannabisregulierung ist darum auch im neuen Massnahmenplan Suchtpolitik der Stadt Bern zu finden. Die Stadt Bern will sich im Rahmen eines Städtenetzwerks an dem Experiment beteiligen.

Der Gemeinderat unterstütze nationale Bestrebungen zur Liberalisierung von Cannabis, sagte Teuscher gestern. Für eine zielführende Suchtpolitik seien solche neuen Wege nötig.

Zu konkreten Modellen wie den Genfer «Social Clubs», in denen der Verkauf von staatlich kontrolliertem Cannabis an registrierte Erwachsene getestet werden soll, konnte die Gemeinderätin am Mittwoch nicht viel sagen. Klar sei aber: «Es braucht strikte Rahmenbedingungen, nicht so wie früher mit den Berner Hanfläden», sagte sie. Drogentourismus in Bern solle verhindert werden, der Jugendschutz müsse garantiert sein. Geht es nach dem Gemeinderat, soll das Pilotprojekt in ein bis zwei Jahren in Bern starten.

Berner Zeitung

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