Nüsse für Berner Schoggi

Wohlen

Ueli Ramseier möchte in eine neue Nische vorstossen: In Murzelen will er eine Haselnussplantage anlegen. Die Berner Haselnüsse wird er zusammen mit einem Berner Chocolatier vermarkten.

Der Haselnussstrauch ist heute noch Schattenspender in seinem Garten. Bald will Ueli Ramseier mit einer Haselnussplantage in Murzelen Geld verdienen.

Der Haselnussstrauch ist heute noch Schattenspender in seinem Garten. Bald will Ueli Ramseier mit einer Haselnussplantage in Murzelen Geld verdienen.

(Bild: Susanne Keller)

Hans Ulrich Schaad

Ueli Ramseier ist ein Mann der Ideen. In den letzten Monaten hat er ein neues Projekt gesponnen. Nach den Seidenraupen (siehe Box) macht sich der Nebenerwerbs-Landwirt aus Hinterkappelen an eine neue Knacknuss, oder besser gesagt an die Haselnuss. In Murzelen erstellt er eine Haselnussplantage. Noch in diesem Herbst will er auf 62 Aren – das entspricht knapp der Grösse eines Fussballfeldes – etwas über 200 Bäume pflanzen. Diesen ersten Jungbäumen ging eine mehrjährige Vorarbeit voraus.

Die Idee dafür entstand vor sieben Jahren im Piemont. Ueli Ramseier und seine Frau Bettina Clavadetscher waren dort in den Ferien und sahen Haselnussplantagen. «Das ist ein interessantes Produkt und lässt sich in der Schweiz realisieren», waren die beiden überzeugt. Sie liessen sich durch einen gescheiterten Versuch in der Schweiz nicht entmutigen. Sie schauten lieber nach Bayern, wo es grosse und auch rentable Plantagen gibt.

Schwierige Sortenwahl

Damit begannen lange Vorabklärungen. Alleine die Wahl der richtigen aus den über 100 Sorten dauerte anderthalb Jahre. Diese sollte sich für die Schokoladenproduktion eignen. Die Wahl fiel auf die «Halleschen Riesen» und die «Wunder aus Bollweiler», die im hiesigen Klima gut gedeihen. Am besten wachsen diese auf nicht vernässten Böden mit einem neutralen PH-Wert und an sonnigen Orten. In Murzelen hat Ramseier eine ideale Parzelle gefunden, die er nun für sechzehn Jahre gemietet hat.

Für Ueli Ramseier und seine Frau war klar, dass sie ohne garantierten Abnehmer das Projekt nicht starten würden. Bereits nach relativ kurzer Suche fanden sie mit Chocolatier Gysi aus Bern-Bümpliz den idealen Partner. Dieser engagiert sich langfristig und übernimmt die Produktentwicklung und die Vermarktung.

Die Familie Ramseier Clavadetscher glaubt an das Geschäft mit der Haselnuss. Sie ist überzeugt, dass das Potenzial dafür in der Schweiz vorhanden ist. Damit die beiden unter dem Strich 20 Franken pro Stunde verdienen, müssen sie die Haselnüsse zum Kilopreis von etwa 17 Franken verkaufen können. Das ist ein Drittel bis die Hälfte teurer als türkische Importnüsse.

Clavadetscher ist optimistisch, dass der Kunde bereit ist, für die Marke Berner Haselnüsse etwas mehr zu bezahlen. Bis die Bäume genug Ertrag abwerfen, wird mindestens ein halbes Dutzend Jahre vergehen. Im nächsten Jahr rechnet Bettina Clavadetscher mit einigen wenigen Kilogramm Haselnüssen. Eine minimale Menge, um die Produkte zu entwickeln.

Natürliche Feinde

Der Erfolg wird den Initianten nicht in den Schoss fallen. Die Natur kann ihnen einige Knacknüsse vorlegen: Diese heissen Haselnussbohrer, Pseudomonas oder Mäuse. Der gefrässige Käfer, das hartnäckige Bakterium oder der Nager können grosse Ernteausfälle verursachen. Dazu kann bei feuchtem und warmem Wetter der Mehltau die Bäume schwächen. Und damit sich keine Rehe oder Eichhörnchen in der Plantage satt essen, muss Ramseier diese einzäunen.

Die Anfangszeit ist auch da, um Erfahrungen zu sammeln. Sei das bei der Pflege der Bäume (zurückschneiden) oder im Umgang mit Schädlingen und Krankheiten. Erst wenn diese Phase gut verlaufen ist, will Ueli Ramseier andere Landwirte motivieren, ins Haselnussgeschäft einzusteigen: «Ich will sie mit Fakten überzeugen und ihnen nicht das Blaue vom Himmel versprechen.»

Nicht ohne Risiko

Ramseier schätzt die Investitionen im ersten Jahr auf etwa 10'000 Franken. Dazu zählen neben dem Kauf der 210 Jungbäume auch der Wildschutzzaun und eine Erntemaschine. Die Knackmaschine schaffen die beiden vor der ersten Auslieferung an. Sie gehen das Projekt behutsam an. Denn ihnen ist klar: «Das Geschäft mit Haselnüssen ist nicht ohne Risiko. Aber es ist kalkulierbar und finanziell tragbar.»

Berner Zeitung

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