Bern

Nicht alle haben Lust auf die geplante Mosaikschule

BernIn einem Jahr wird die Munzingerschule zur Mosaikschule. Siebte bis neunte Klassen, Real- und Sekundarstufe werden dann bunt gemischt. Der Schulalltag wird komplett anders. Manche Eltern sind skeptisch.

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Am Morgen eine halbe Stunde Aufstarten, dann SOL in Lerngruppen, später ein Blick in den Infomentor: So wird in der Munzingerschule der Schulalltag der Siebt- bis Neuntklässler aussehen. In einem Jahr wird das Munzinger zur sogenannten Mosaikschule. Das Hauptmerkmal: Die Klassen sind bunt gemischt aus Sekundar- und Realschülern und mit allen Jahrgängen. Und: «Die Kinder entscheiden selber, was, wann, wie, wo und mit wem sie lernen», erklärte der Schulleiter Giuliano Picciati den Eltern der Sechst- bis Achtklässler. Er hat diese ein Jahr vor der Einführung zu einem Informationsanlass gebeten.

Komplizierterer Schulalltag

«So wird die Schule gerechter», ist die Projektleiterin Dorette Fischer überzeugt. Was sie nicht sagte: So wird die Schule auch komplizierter. Die erste halbe Stunde am Morgen verbringen Schülerinnen, Schüler und Lehrer mit dem sogenannten Aufstarten: Sie müssen sich täglich neu absprechen, organisieren, planen. Denn niemand kann sich einfach ins Klassenzimmer setzen, und dann beginnt der Unterricht. SOL heisst es nämlich an vielen Stellen im Stundenplan. Das heisst selbst organisiertes Lernen und bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler selbstständig in kleinen Gruppen den Stoff erarbeiten. Den Überblick bewahren können Lehrpersonen und Schüler nur mit einem speziellen Computerprogramm, dem Infomentor. Denn nur so wissen alle, wer, was, wann, wie gut gelernt hat und was noch nicht.

Kluge Schüler sind auch Lehrer

Rund 20 Mosaikschulen gibt es in der Schweiz. Auch das Lorraineschulhaus ist eine. Im thurgauischen Alterswilen leitet Christian Lutz schon seit zehn Jahren eine Mosaikschule. Er zeigte den Eltern am Informationsabend den Schulalltag in Alterswilen: eine motivierte Neuntklässlerin, die ein paar ebenso motivierten Siebtklässlern erklärt, was sie noch besser lernen müssen. Selbstständige Kinder, die an der morgendlichen Lerngruppensitzung besprechen, was sie in den nächsten Stunden machen.

Er erzählte von Eltern, die befürchten, dass ihr intelligentes Kind immer nur den anderen, weniger intelligenten helfen müsste und gar nicht selber zum Lernen komme. Und er antworte dann: «Nie lernt man so viel und so gut, wie dann, wenn man anderen etwas beibringen muss.»

Skepsis bei Berner Eltern

Doch in Bern konnte der Thurgauer die Skepsis nicht restlos beseitigen. Warum sein Kind Versuchskaninchen für ein neues Schulmodell spielen müsse, fragte ein Vater. Andere Eltern wollten wissen: Was machen die Lehrer eigentlich, wenn die Kinder alles selber lernen? Oder: Wie viele Kinder aus Mosaikschulen kommen ins Gymnasium? Er beobachte und beantworte vor allem Fragen, antwortete Christian Lutz. Und aus Mosaikklassen kämen etwa gleich viele Kinder ins Gymnasium wie aus normalen Schulen, nur seien sie viel motivierter zum Lernen.

Eine Mutter fand schliesslich: «Ich freue mich, dass mein Kind Versuchskaninchen in einer solchen Schule sein darf.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.09.2013, 06:55 Uhr

Nicht nur das Munzingerschulhaus ist eine Baustelle. Das ganze Schulsystem soll ebenfalls umgebaut werden. (Bild: Beat Mathys)

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