Neuer Tiefbahnhof soll alten RBS-Bahnhof ersetzen

Bern

Im Jahr 2025 soll unter den SBB-Gleisen für rund 522 Millionen Franken ein neuer viergleisiger RBS-Tiefbahnhof eröffnet werden. Für die Finanzierung sollen der Kanton und der Bund aufkommen.

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Wolf Röcken

Der RBS-Bahnhof wurde einst für 16000 Fahrgäste täglich gebaut. Heute benutzen ihn bis zu 60000. Nun steht fest, wie die Platzprobleme behoben werden sollen: mit einem neuen viergleisigen, unterirdischen RBS-Bahnhof mit einer Kapazität von über 100000 Passagieren, wie Vertreter von RBS, SBB, BLS, Stadt und Kanton Bern gestern vor den Medien erklärten. Der neue RBS-Tiefbahnhof wird an den geplanten neuen Bahnhofzugang im Westen beim Bubenbergzentrum (siehe Text rechts) sowie auch an die SBB-Gleise angebunden.

«Die Stadt hatte ihre Sympathien für die Variante Tiefbahnhof ja mehrmals angedeutet», sagte Gemeinderätin Regula Rytz (GB). Entsprechend erfreut sei man nun. Der neue Bahnhofzugang im Westen werde damit erheblich aufgewertet. In diesem Teil des Bahnhofs sei die Verknüpfung mit dem städtischen Nahverkehr sinnvoller als im Ostteil.

17 Meter unter SBB-Gleisen

Der Tiefbahnhof ist ein erster Schritt einer grossen Ausbauphase des Bahnhofs, die sich über Jahrzehnte ziehen wird (siehe Kasten). Die neuen RBS-Perrons sind 180 statt wie bisher 120 Meter lang und sollen unterhalb der SBB-Gleise 2 bis 7 gebaut werden – in zwei Hallen mit je zwei Gleisen und einem 12 Meter breiten Mittelperron. Die RBS-Perron-Ebene wird rund 17 Meter unter der SBB-Passage liegen. Dazwischen entsteht eine Verteilebene mit Zugang zur Stadt, «ohne Läden», wie RBS-Direktor Fabian Schmid sagt. Im Vergleich zum Projekt Stand Sommer 2011 seien 2 Meter zur Überwindung der Höhendifferenz gewonnen worden, sagte Schmid.

Variante Tiefbahnhof siegte

Für den Ausbau der RBS-Kapazitäten lagen einst 20 Varianten vor. Seit Juli 2011 ging es noch um zwei Projekte: um eine seitliche Erweiterung des heutigen RBS-Bahnhofs oder um die jetzt gewählte Variante. Letztere habe in allen Kriterien am besten abgeschnitten, führte RBS-Direktor Schmid aus. Bewertet wurden Kosten, Publikumsanlagen, Sicherheit, Umwelt, Risiken, Sekundärnutzungen und Erweiterungsmöglichkeiten.

Bei den Kosten und den Publikumsanlagen seien die Unterschiede zwischen den Varianten klein, beim Rest aber gross gewesen, so Schmid. Eine seitliche Erweiterung hätte gegen 556 Millionen gekostet, für den Tiefbahnhof gehen die Planer von 520 Millionen aus – bei einer Genauigkeit von plus/minus 25 Prozent. Bei der Variante Tiefbahnhof brauche es keinen Eingriff in den sensiblen Aarehang. Hier hätten Häuser abgebrochen werden müssen. Ein Pluspunkt sei zudem die zusätzliche Anbindung an die Stadt im Bereich Hirschengraben, so Schmid.

Der Tiefbahnhof entspricht auf den ersten Blick jenem Projekt, das 2008 wegen des mangelnden Kosten-/Nutzen-Verhältnis heftig kritisiert und 2009 nach einer Expertise des ETH-Verkehrsexperten Ulrich Weidmann fallengelassen wurde. Allerdings war damals eine Weiterführung der Gleise Richtung Inselspital geplant und das Projekt um gut 200 Millionen Franken teurer als heute. RBS-Direktor Schmid spricht nun davon, dass man sich diese Option einer West-Verlängerung zumindest nicht verbaue. Und auch ein möglicher SBB-Tiefbahnhof sowie ein Schanzentunnel unter dem Bahnhofplatz würden nun nicht von vornherein blockiert.

Platz im alten RBS-Bahnhof

Für die Zufahrt in den künftigen RBS-Tiefbahnhof braucht es einen 700 Meter langen zweigleisigen Tunnel, der vom bestehenden RBS-Tunnel abzweigt (siehe Grafik). Dieser sowie der heutige RBS-Bahnhof werden nicht mehr benützt. Im frei werdenden Raum sieht Gemeinderätin Rytz die Chance, Platz für Erschliessung der Geschäfte zu schaffen. Die Stadt will sich zudem dafür einsetzen, hier Angebote wie Mobility- oder Veloparkplätze einzurichten.

Berner Zeitung

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