Bern

Neue Schwimmhalle: Vier Standorte sind möglich

BernDie Stadt Bern will eine Schwimmhalle bauen. Es gibt kaum eine andere Forderung, bei der sich die politischen Parteien so einig sind. Nur eine Frage ist immer noch offen: Wo soll die neue 50-Meter-Schwimmhalle stehen?

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Berns Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) ist ein Fan des Schwimmsports. «Schwimmen ist eine der wenigen Sportarten, die man von jung bis alt betreiben kann», sagt die Sportdirektorin. Doch leider gebe es keine andere Sportart in Bern, die bezüglich Infrastruktur so unterdotiert sei. Bei den Fussballfeldern, wo ebenfalls Nachholbedarf bestehe, seien diverse Neubauprojekte aufgegleist worden. «Das Gleiche müssen wir nun dringend auch fürs Schwimmen tun.»

Das Thema ist ein Evergreen. Lokalpolitiker betonen seit Jahren den Bedarf an einer neuen Schwimmhalle. In der Bevölkerungsumfrage 2011 haben über 60 Prozent der Teilnehmenden mehr Schwimmfläche gefordert.

Hin und her und hin und

Ein rekordverdächtiger Konsens – doch passiert ist wenig bis nichts. Das bisher einzig sichtbare Resultat dieser Jahrzehntdebatte ist ein Papierberg aus schlauen Konzepten und tiefgründigen Machbarkeitsstudien. Wirklich konkret war die Stadtregierung nur einmal geworden, das war im November 2012, als der Gemeinderat das Gaswerk-Areal als definitiven Standort präsentierte. Doch dann kamen die Wahlen, und Franziska Teuscher ersetzte im Gemeinderat die abtretende Edith Olibet (SP). Das Dossier Schwimmhalle wurde (auch aufgrund zweier Stadtratsvorstösse) erneut geöffnet, und nun liegen mehrere Standorte auf dem Tisch.

Trotz der erneuten Verzögerung hält Franziska Teuscher am Zeitplan fest. «Spätestens im Jahr 2020 wollen wir das neue Hallenbad eröffnen», sagt sie. Das Ziel sei ehrgeizig. «Doch wir müssen uns selber etwas unter Druck setzen.»

Geld von Regionsgemeinden?

In der mittelfristigen Investitionsplanung sind für die Schwimmhalle 76 Millionen Franken eingestellt. Für die Finanzierung gibt es laut Franziska Teuscher verschiedene Möglichkeiten, wobei sie – je nach Standort des Schwimmbads – auch ein PPP-Projekt (Public Private Partnership) nicht ausschliesse. Eine weitere Frage ist, ob sich auch Regionsgemeinden an den Baukosten beteiligten. Entsprechende Gespräche finden derzeit auf Sportamtsebene statt.

«Wir brauchen das Hallenbad für unsere Schulklassen, unsere Einwohner und Schwimmvereine», betont Franziska Teuscher. «Aber selbstverständlich wäre es ideal, auch gleich die Bedürfnisse der Region abzudecken.» Dies würde aber nur mit einer finanziellen Beteiligung funktionieren. «Wir bauen kein Schwimmbad, damit die Regionsgemeinden sagen: Super, jetzt müssen wir nichts mehr tun.» Eine weitere Möglichkeit wären «differenzierte Eintrittspreise», sagt Teuscher. So müssten auswärtige Besucher ein höheres Eintrittsgeld bezahlen als Stadtberner – so wie es heute bereits bei den Jahresabonnementen der Fall ist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.12.2013, 09:21 Uhr

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Wolf Röcken, Leiter Ressort Stadt Bern.

Kommentar: Der beste Standort ist das Mittelfeld

Will die Stadt die neue 50-Meter-Schwimmhalle spätestens 2020 eröffnen, ist jetzt der Standortentscheid fällig. Realisierbar ist das Bad mit diesem Zeitplan auf dem Mittelfeld im Länggassquartier. Es ist der beste Standort. Aus mehreren Gründen.

Das Mittelfeld ist erschlossen. Zwei Buslinien führen vom Bahnhof zum Mittelfeld. In die Nähe des Gaswerk-Areals hingegen gelangt man nur mit der Tangentiallinie 28 und dem Brückenlift – wenn man weiss, wo diese fahren. Der 30er-Bus fährt nur abends. So dürfte es bleiben: Abklärungen zeigten, dass auch mit dem Publikum des Bads die Voraussetzungen für eine durchgehend geführte ÖV-Linie Richtung Gaswerk und Sandrain nicht gegeben wären.

Kommt hinzu: Das Gebiet Gaswerk-Sandrain leidet jetzt schon unter Durchgangsverkehr. Das Mittelfeld aber liegt neben Autobahn und Parkhaus. Auch wenn sich die Stadt in erster Linie ein Familienbad für Stadtberner vorstellt: Ein 50-Meter-Schwimmbecken wird Publikum aus dem ganzen Mittelland anlocken – auch mit dem Auto.

Das Mittelfeld ist nah. Geht es um Zentrumsnähe, wird in Bern oft innerhalb der Aareschlaufe gedacht. Das mag für Fussgänger gelten, für Velofahrer und ÖV-
Benutzer ist es falsch. Das Mittelfeld ist sechs Busminuten vom Bahnhof entfernt – gleich weit wie der Bärenpark.

Auf dem Mittelfeld plant die Stadt – und zwar selber. Beim Gaswerk aber ist die Planung an das Unternehmen Losinger-Marazzi ausgelagert, das sich mit dem Bad eher schwertut. Im Raum Wyler-Wankdorf, den die FDP erwähnt, gibt es gar keine Planung. Dafür bereits ein Hallenbad.
Bleibt der Standort Neufeld, den der Stadtrat aufgrund eines GB-Vorstosses ins Rennen schickte. Eine reizvolle Idee. Nur hat es die Stadt verpasst, eine Zusammenarbeit mit der Uni zumindest zu prüfen. Nun wird dort gebaut, es bleibt kein freier Platz.

Ein Bad auf dem Mittelfeld verhindert 40 Wohnungen. Das ist verkraftbar, will die Stadt nach jahrelangem Stillstand bis 2020 eine Schwimmhalle am richtigen Ort.

Mail: wolf.roecken@bernerzeitung.ch

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