Neue Leitung freut Bauern und Biber

Toffen/Belp

Immer wieder leiden die Landwirte im unteren Gürbetal unter zu nassem Boden und Überschwemmungen. Nach vielen Jahren haben sie nun eine Lösung für das Problem gefunden.

Am Toffenkanal: Toffens Gemeinderat Rolf Zbinden, Flurgenossenschafter Hansulrich Tanner und Belps Gemeinderat Hans Aeschlimann (v.l.).

Am Toffenkanal: Toffens Gemeinderat Rolf Zbinden, Flurgenossenschafter Hansulrich Tanner und Belps Gemeinderat Hans Aeschlimann (v.l.).

(Bild: Iris Andermatt)

Johannes Reichen

Im unteren Gürbetal machen den Landwirten viele Dinge das Leben schwer: das schwache Gefälle, der hohe Wasserstand, der freche Biber etwa. Das führt dazu, dass der Boden oft zu nass ist und dass es immer wieder zu Überschwemmungen kommt.

Nun aber sollen die Probleme ein Ende haben. «Nach 15 Jahren haben wir endlich eine Lösung gefunden», sagt Hansulrich Tanner, Präsident der Flurgenossenschaft Toffen-Belp. Die Bauarbeiter haben sich mit ihren schweren Maschinen bereits ans Werk gemacht.

Neues Drainagesystem

Es ist Montagmorgen nahe von Toffen, ohne Unterbruch fällt Regen aufs flache Gürbetal. Ein Teil des Wassers sammelt sich im kleinen Toffenkanal und fliesst dann Richtung Belp weiter. Kurz vor der Einmündung in die Gürbe macht der Kanal einen Knick. Auf den letzten 250 Metern gerät das Wasser ins Stocken. Nur noch zögerlich fliesst es der Gürbe zu.

Nun hat Willy Jordi von Geobau Ingenieure eine Lösung entwickelt. Auch wenn es lange gedauert hat – revolutionär sei das Konzept keineswegs, sagt der Ingenieur aus Münsingen. «Es ist bisher nur niemand darauf gekommen.» Jordi will die Böden mit einem neuen, zweiten Drainagesystem entwässern. Zum bereits bestehenden 90-jährigen System werden in Abständen von 16 Metern Schlitze in den Boden gefräst und mit Kies aufgefüllt. So kann das Wasser besser in den Toffenkanal fliessen. Der Kanal wiederum erhält eine Entlastungsleitung.

Idyll und Ärgernis

Der Toffenkanal wurde 1997 renaturiert. Jetzt präsentiert er sich zwar als Idyll für Naturfreunde – für Landwirte stellt er aber regelmässig ein Ärgernis dar. Denn vor wenigen Jahren hat auch der Biber den Kanal entdeckt. Dämme und Spuren im Gras zeugen von seiner Anwesenheit. «Seine Bauten sorgen für einen permanenten Rückstau», sagt Hansulrich Tanner.

Zudem beträgt das Gefälle des Toffenkanals nur gerade ein Promille. Im Schnitt senkt er sich auf einen Kilometer Länge also um einen Meter. Leicht würden sich so Sedimente ansammeln. «Hinzu kommt, dass der Wasserstand im Toffenkanal nur leicht unter dem Gelände liegt.» Schliesslich führen steigende Einwohnerzahlen zu mehr Siedlungswasser. Das alles ist zu viel für den Toffenkanal und für die Landwirte. Das Kulturland ertrinkt quasi immer wieder im Wasser oder wird gar überschwemmt.

Durch die Entlastungsleitung, ein Kunststoffrohr, kann nun das Wasser in die Gürbe abfliessen. Damit bleibt der renaturierte Abschnitt unberührt – Bauern und Biber dürften damit gleichermassen zufrieden sein. Zudem wird ein Geschiebesammler gebaut.

Kosten werden aufgeteilt

Die Kosten für das gesamte Projekt betragen 300'000 Franken. Die eine Hälfte übernehmen der Bund und der Kanton Bern (je 75'000 Franken), die andere bezahlen die Gemeinden Belp und Toffen sowie die Flurgenossenschaft (je 50'000 Franken). «Wir mussten nicht lange über die Aufteilung diskutieren», sagt Flurgenossenschaftspräsident Tanner und freut sich.

«Die Landwirte könnten die Kosten nicht alleine tragen», sagt dazu der Belper SVP-Gemeinderat Hans Aeschlimann. Er ist von der Lösung jedenfalls überzeugt. Die Staunässe könne zu hohen Ertragsausfällen führen, und immerhin gehe es um 25 Hektaren Kulturland. «Das ist eine langfristige und sinnvolle Investition.»

Berner Zeitung

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